Die Zahl des Tages 21. Mrz 2024 Von Peter Kellerhoff Lesezeit: ca. 2 Minuten

3 %: So hoch ist das Infektionsrisiko im ÖPNV wirklich

Erstaunliches Forschungsergebnis: Die Wahrscheinlichkeit, sich während einer Pandemie, wie etwa bei Corona, im ÖPNV anzustecken, liegt im schlimmsten Fall bei 3 %.

Viele Menschen mieden während der Corona-Pandemie den ÖPNV wie Busse und Bahnen. Aus Angst vor Ansteckung. Zu Unrecht, wie ein Forschungsergebnis belegt.
Foto: Joerg Boethling

In der Hochphase der Coronapandemie verzichteten viele Deutsche darauf, den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) zu nutzen – aus Angst, sich darin mit dem Covid-19 zu infizieren. Aus Vorsicht stiegen viele aufs Auto um.

Doch die Ergebnisse eines Forschungsprojekts an der Universität Kassel zum ÖPNV in der Coronapandemie legen dar, dass diese Angst nahezu unbegründet war und ist. Voraussetzungen: eine gute Durchlüftung eines Busses oder Schienenwagenabteils und das Tragen einer FFP2-Maske. Dann liege die Ansteckungsgefahr bei 0,1 %. Selbst im schlechtesten Fall – einer schlechten Durchlüftung und niemand trägt eine Maske – betrage das Infektionsrisiko bei 20 min Fahrt laut Studie ungefähr 3 %. Demnach lässt sich laut Carsten Sommer, dem Leiter des Fachgebiets Verkehrsplanung und Verkehrssysteme an der Universität Kassel, das Infektionsrisiko in Bussen und Bahnen mit einfachen Maßnahmen deutlich senken. Sommer ist Verkehrswissenschaftler und auch akademischer Leiter des berufsbegleitenden Masterstudiengangs „ÖPNV und Mobilität“ an der Uni. Zusammen mit seinem Forschungsteam hat er die Verteilung von Aerosolen in einem Bus und einem Zugabteil simuliert und die Ansteckungsgefahr berechnet.

Ein weiteres Ergebnis der Studie: Die Bedeutung einer FFP2-Maske liege nicht nur an ihrer Filterwirkung, sie verändere auch den Luftstrom. Statt im Gesicht des Gegenübers zu landen, ströme die ausgeatmete Luft vertikal nach oben und werde schneller durch die Lüftung abgeleitet.

Das Bundesministerium für Digitales und Verkehr hatte die Kasseler Forschungsgruppe anlässlich der Coronapandemie mit einer Untersuchung beauftragt, wie der öffentliche Nahverkehr resistenter gegenüber Pandemien und Epidemien werden kann. Es fördert das Forschungsprojekt „Emilia“ für dreieinhalb Jahre (Januar 2021 bis Juli 2024) mit rund 1,3 Mio. €. Als Ergebnis des Forschungsprojekts sollen Handlungsempfehlungen für eine pandemieresistente Gestaltung des ÖPNV entstehen, die sowohl präventive als auch reaktive Strategien und Maßnahmen beinhalten.

 

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