IW-Konjunkturampel 21. Sep 2022 Von Michael Grömling

Düstere Zeiten kündigen sich an

Die Weltwirtschaft verliert heftig an Schwung. Das Exportgeschäft dürfte leiden.

Die ungute Gemengelage von Krieg und Pandemie bestimmt die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Die Inflation zehrt an der Kaufkraft. Konsumlust und Investitionsbereitschaft lassen deutlich nach.

Nach der konjunkturellen Aufhellung im Herbst letzten Jahres haben sich seit dem Frühjahr dieses Jahres viele Konjunkturindikatoren deutlich verdüstert. Die Produktionslücke in der Industrie besteht hartnäckig fort. Auftragseingänge und die laufende Befragung der Einkaufsmanager lassen keine Verbesserung auf absehbare Zeit erkennen. Vielmehr haben sich aus der düsteren Gemengelage von Krieg und Pandemie die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen weiter verschlechtert. Im anstehenden Winterhalbjahr wird die deutsche Wirtschaft sowohl auf der Produktionsebene als auch von Seiten der Nachfrage deutlichen Belastungen ausgesetzt sein. Die Wirtschaftsleistung wird in Anbetracht der Anpassungslasten über mehrere Quartale zurückgehen.

Die Energiekrise setzt die Zuliefernetzwerke zusätzlich unter Druck

Die gegenwärtige Rezession liegt an vielfältigen Produktionsstörungen, die bereits seit geraumer Zeit stattfinden und voraussichtlich in den kommenden Monaten zunehmen werden. Noch immer leiden globale Vorleistungslieferungen unter den pandemiebedingten Einschränkungen und Verspannung. Dazu kommt, dass die Energieversorgung im anstehenden Winterhalbjahr für die Unternehmen nicht gesichert ist. Das betrifft nicht nur die einzelnen Unternehmen, sondern wiederum komplexe Zuliefernetzwerke. Die Coronapandemie hat deutlich vor Augen geführt, welche umfassenden Produktionsstörungen von einzelnen Zulieferausfällen (Stichwort Halbleiter) ausgehen können. Darüber hinaus sorgen die zuletzt vor allem kriegsbedingten Versorgungsprobleme für ungekannte Preissteigerungen.

Die Erzeugerpreise sind fast um die Hälfte gestiegen

Die Produktionskosten der Unternehmen sind infolge knapper Materialien und der immens angestiegenen Energiekosten in die Höhe geschossen. Die Erzeugerpreise für gewerbliche Güter lagen zuletzt um fast 50 % über dem Niveau vor Ausbruch der Coronapandemie. Das sorgt in den Unternehmen für Verunsicherungen. Dazu kommt die Gefahr, dass steigende Arbeitskosten die Wettbewerbsfähigkeit der Firmen und deren Absatzchancen zusätzlich verschlechtern.

Der Materialmangel in der Industrie nimmt ab

Die explodierenden Energiepreise sowie die hohen Produktionskosten der Unternehmen greifen auf die Konsumebene über. Die Verbraucherpreise lagen zuletzt in Deutschland um fast 8 % über dem Vorjahresniveau. Das zehrt an der Kaufkraft der privaten Haushalte. Somit kommen zu den Produktionsstörungen in den Unternehmen auch Nachfrageausfälle. Diese beziehen sich nicht nur auf Konsumgüter. Angesichts der unsicheren Wirtschaftsperspektiven halten sich die Unternehmen auch mit ihren Investitionen zurück. Das gilt nicht nur für Investitionen in Maschinen, Fahrzeuge und Geschäftsausstattungen. Die stark angestiegenen Baupreise bremsen die bislang gut laufenden Bauinvestitionen aus.

Die Weltwirtschaft lahmt, der Export leidet

Schließlich betreffen all diese Lasten nicht nur die Binnenkonjunktur. Die Weltwirtschaft verliert heftig an Schwung und dies dürfte auch dem deutschen Exportgeschäft zusetzen.

VDMA: Maschinenbauer erwarten Produktionsrückgang

Diese Kombination aus Produktions- und Nachfrageschocks lässt für die deutsche Wirtschaft eine dunkle Zeit erahnen. Im Gegensatz dazu sollte ein Ende der russischen Invasion in der Ukraine eine erhebliche Aufhellung der politischen und ökonomischen Perspektiven zur Folge haben. Dieses Konjunkturszenario wird derzeit freilich nicht hoch gehandelt, es ist jedoch nicht völlig „out of the box“.

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