IW-Konjunkturampel 18. Feb 2021 Von Michael Grömling

Wirtschaft: Erholung mit Risiken

Wie es mit dem Wachstum weitergeht, hängt vom Erfolg des Kampfes gegen die Pandemie ab.

Immer mehr Felder stehen auf grün. Doch der Aufschwung ist fragil. Impffortschritte und politischen Maßnahmen entscheiden über seine Nachhaltigkeit.

IW-Konjunkturampel

Den Start in das Jahr 2021 kennzeichnet ein weit ausdifferenziertes Wirtschaftsbild. Für die deutsche Industrie veranschaulicht die aktuelle IW-Konjunkturampel, dass sie auf eine gute Erholung nach den starken Einbrüchen im Frühjahr 2020 zurückblicken kann. Zum Jahresende lag die Industrieproduktion noch um gut 4 % unter dem Jahresdurchschnitt 2019. Gegenüber 2018 klaffte aber immer noch eine Produktionslücke von 8 %.

Im Vergleich mit den Dienstleistungsbereichen liefert die Industrie ein relativ robustes Bild. Innerhalb der Branche gab es hinsichtlich der Fallhöhe im letzten Frühjahr und der bislang erfolgten Erholung jedoch eine merkliche Ausdifferenzierung: Am wenigsten stark wurden die Hersteller von Konsumgütern getroffen. Im April unterschritten sie ihr Vorjahresniveau um 13 %. Seit Juni 2020 lag die Produktionslücke zum Jahresniveau 2019 konstant bei rund 4,5 % – im Dezember 2020 bei nur noch knapp 3 %. Bei den Herstellern von Vorleistungsgütern brach die Produktion im April 2020 um 18 % gegenüber 2019 ein. Ab Juni zeigte sich hier eine schnurgerade Erholung und zum Jahresende 2020 wurde das Jahresniveau von 2019 um 2 % übertroffen.

Seit Oktober stockt der Aufholprozess bei Investitionsgütern

Die Produktion von Investitionsgütern – zu denen auch die Automobilproduktion zählt – lag im April um 45 % unter dem Jahresdurchschnitt 2019. Bis zum Oktober konnte die Produktionslücke wieder auf knapp 10 % geschlossen werden – seitdem stockt jedoch der Aufholprozess und die Lücke verharrt. Bei den Auftragseingängen, die Aufschluss über die folgende Produktion liefert, zeichnete sich ebenfalls ein gemischtes Bild ab: Die Bestelltätigkeit bei den Herstellern von Konsum- und Vorleistungsgütern lag zum Jahresende bereits über dem Jahresniveau von 2019. Ob dies eine Verstetigung für die kommende Produktion in diesen Industriezweigen darstellt oder vorübergehend von Vorsichtsmotiven bei der Lagerhaltung geprägt war, wird sich an der Bestelltätigkeit im ersten Quartal 2021 zeigen.

Zeichen stehen auf Erholung der Weltwirtschaft bei fortschreitenden Impfungen

Der Einkaufsmanagerindex signalisiert bislang keine direkte Gefahr. Dagegen war die Ordertätigkeit bei den Investitionsgüterfirmen bereits zum Jahresende merklich zurückhaltender. Die Zeichen stehen zwar gut, dass mit den fortschreitenden Impfungen die Weltwirtschaft im Jahresverlauf wieder an Fahrt aufnimmt. Doch bei den Investitionsgütern wird sich noch zeigen müssen, ob und wie nachhaltig der globale und insbesondere der europäische Investitionszyklus anzieht.

Neben diesen Verunsicherungen auf Seiten der Nachfrage bestehen auch angebotsseitige Risiken. Neue Beeinträchtigungen an den Grenzen können sowohl die Just-in-Time-Produktion wie den Weg zu den Kunden stören. Diese produktionsseitigen Stockungen vermindern die Chancen, die sich aus einem Anspringen des internationalen Investitionszyklus ergeben können.

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