Waffenlieferungen an die Ukraine 06. Jan 2023 Von Peter Steinmüller

Wie der Schützenpanzer Marder die Ukraine in ihrer Verteidigung unterstützt

Für welche Kriegsführung wurde der Schützenpanzer Marder für die Bundeswehr gebaut und mit welcher Bewaffnung und Taktik nutzt er der Ukraine? Die wichtigsten Antworten.

40 Schützenpanzer Marder will die Bundesregierung an die Ukraine liefern. Für deren Streitkräfte stellen sie eine wertvolle Verstärkung dar.
Foto: Marco Dorow/Public domain

Am 316. Tag des russischen Angriffskriegs gab Bundeskanzler Olaf Scholz seinen Widerstand gegen die Lieferung schwerer Waffen an die Ukraine auf. Nach einem Gespräch mit US-Präsident Joe Biden kündigte er die Übergabe von Schützenpanzern des Typs Marder an.

Doch wie sind diese Fahrzeuge ausgestattet, was ist das Konzept dahinter und wie können sie den Krieg in der Ukraine beeinflussen? Wir beantworten die wichtigsten Fragen.

Was für ein Fahrzeug ist der Schützenpanzer Marder?

Als der Marder Anfang der 1970er-Jahre bei der Bundeswehr eingeführt wurde, erhielten die Panzergrenadiere ein Gefechtsfahrzeug mit hervorragender Geländegängigkeit, gutem Leistungsgewicht und relativ starker Panzerung. Damit war es erstmals möglich, dass Grenadiere und Kampfpanzer sich in jedem Gelände und unter Beschuss mit dem gleichen Tempo bewegen konnten – ein Vorteil, der knapp zehn Jahre später wieder verloren ging, als mit dem Leopard 2 der aktuelle Kampfpanzer der Bundeswehr eingeführt wurde.

Die Besatzung des 33,5 t schweren Marders besteht aus neun Soldatinnen und Soldaten: Fahrer, Kommandant und der Richtschütze für die Maschinenkanone bedienen das Fahrzeug.

Panzergrenadiere müssen den Kampf vom Fahrzeug aus wie als Infanteristen beherrschen. Hier sichert ein Schützentrupp neben der Heckrampe des Marder.
Foto: Bundeswehr/Michael Mandt

Im sogenannten hinteren Kampfraum ist der sechs Köpfe starke Schützentrupp untergebracht. Zu seiner Bewaffnung gehören neben Sturm- und Maschinengewehren Panzerfäuste, Bunkerfäuste zum Bekämpfen von Befestigungen und Sprengrohre zum Überwinden von Stacheldrahtsperren. Die Grenadiere können aufgesessen über Luken in der Wanne kämpfen oder nachdem sie über die Heckrampe das Fahrzeug verlassen haben.

Der gewalzte Panzerstahl der Wanne schützt die Besatzung vor Granaten bis zum Kaliber 20 mm mit der seit Langem eingeführten Schottpanzerung bis 30 mm.

Wie ist der Marder bewaffnet?

Seine Hauptwaffe ist eine 20-mm-Maschinenkanone. Sie kann ungepanzerte Fahrzeuge und Feldstellungen bis 2000 m bekämpfen, Panzerfahrzeuge bis 1500 m. Ein Wärmebildgerät macht das Zielen auch bei Nacht und schlechter Sicht möglich. Die Maschinenkanone verfügt auch über ein Visier zum Schießen auf Flugzeuge und Hubschrauber im Tiefflug. Um schnell auf wechselnde Bedrohungen reagieren zu können, ist das Geschütz mit einem Doppelgurtzuführer ausgerüstet. Per Knopfdruck werden entweder panzerbrechende oder Sprengbrand-Granaten nachgeladen. Nachteil der Kanone ist ihre fehlende Waffenstabilisierung. Da das Rohr kurz genug ist, um nicht über die Wanne hinauszuragen, kann die Kanone ohne Rücksicht auf Hindernisse wie Bäume und Häuser in alle Richtungen gedreht werden. Um die Waffe auszurichten und zu schießen, muss der Marder jedoch anhalten, gezielte Schüsse in voller Fahrt wie beim Leopard sind nicht möglich.

Was der Nachfolger des Kampfpanzers Leopard 2 können muss

Wenige Jahre nach der Einführung wurde der Turm des Marders mit einer Lafette zum Abfeuern von Panzerabwehrlenkwaffen des Typs Milan ausgestattet, die inzwischen vom System Mells abgelöst wurde. Mit der Milan erhielten die Panzergrenadiere eine wirksame Waffe zur Verteidigung gegen Kampfpanzer. Sie konnte vom Schützentrupp mithilfe einer Erdlafette auch außerhalb des Marder abgefeuert werden.

Was ist die Aufgabe von Panzergrenadieren?

Panzergrenadiere sind nicht einfach „Infanterie mit einem gepanzerten Fahrzeug“. Vielmehr sind sie integraler Bestandteil der Panzertruppe. Denn nur mit Unterstützung der Panzergrenadiere können Kampfpanzer ihren Auftrag erfüllen.

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