100 Jahre VDI nachrichten 27. Mai 2021 Von Bettina Reckter

1981: Furcht vor dem „Pillenknick“

Der Beitrag „Geburtenrückgang: Die Pille ist nicht die Ursache“ von L. Franke erschien in der Ausgabe 3 vom 16. Januar 1981. Denn: Vor 60 Jahren kam die „Pille“ auf den deutschen Markt. Für viele Frauen öffnete sie einen Weg zur selbstbestimmten Empfängnisverhütung.


Foto: VDI nachrichten

Die Angst vor dem „Aussterben“ der Deutschen war groß. Die Rede war gar von einem „nationalen Selbstmord“, verursacht durch die Pille als Methode der Empfängnisverhütung. Aber: Die Pille war wohl nicht Ursache des konstatierten Geburtenrückgangs. Das jedenfalls geht aus einem Bericht zur Bevölkerungsentwicklung hervor, den die Bundesregierung 1981 vorlegte. Vielmehr hatten die vermehrten Eheschließungen nach dem Zweiten Weltkrieg und andere Faktoren zunächst zu einem rasanten Anstieg der Geburtenrate bis in die 1960er-Jahre geführt. Dass dieser Babyboom irgendwann abflachen musste, war nur eine Frage der Zeit.

Im Beitrag „Die Pille ist nicht die Ursache“ von L. Franke erschienen in VDI nachrichten vom 16. Januar 1981 hieß es: „Vielerlei Einflüsse, die unentwirrbar miteinander verwoben sind, haben seither die Geburtenrate beeinflusst, angefangen von der Berufstätigkeit der Frau bis hin zu Rückwirkungen von Bildung, Status und dem Wohnumfeld. Nicht zuletzt scheint das Bedürfnis nach einer kompletten Familie heute mit einem Kind abgedeckt zu sein, die Auswirkungen der ersten Geburt auf das Privatleben der Eltern wirkt über den damit ausgelösten ,Babyschock‘ weiterem Nachwuchs entgegen.“

„Make Love not War“

Entgegen der gängigen Vorstellung war die Pille übrigens auch in Zeiten der Hippie-Bewegung zunächst schwer zu bekommen. Von freier Liebe und unbeschwertem Sex konnte nicht die Rede sein. Das Motto „Make love not war“, das auch als Zeichen sexueller Befreiung galt, brachte vielen jungen Frauen erhebliche Konflikte ein.

Einerseits wollten sie nicht erst heiraten müssen, bevor sie zum ersten Mal mit einem Mann ins Bett gingen. Andererseits entstand schnell eine gewisse Erwartungshaltung bezüglich ihrer permanenten sexuellen Verfügbarkeit. Die Angst vor einer ungewollten Schwangerschaft war damals bei vielen ein ständiger Begleiter im Bett.

Pille immer noch häufigstes Verhütungsmittel

Heute gilt die Pille in Deutschland immer noch als das am häufigsten verwendete Verhütungsmittel. So jedenfalls hat es die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) ermittelt. Doch die Anwenderzahlen gehen laut AOK und der Techniker Krankenkasse zurück, gerade unter den jungen Frauen. So ist der Anteil der Pillenverordnungen bei den bei der AOK versicherten Mädchen und Frauen im Alter bis 22 Jahren von 46 % im Jahr 2010 auf 31 % im Jahr 2019 gesunken. Dabei ist die Pille für Frauen in diesem Alter bei den gesetzlichen Krankenversicherungen kostenlos.

„Immer mehr lehnen heute diesen Eingriff in die natürlichen Vorgänge ihres Körpers ab“, sagt die Gynäkologin Vanadin Seifert-Klauss, Leiterin der Frauenklinik am Klinikum rechts der Isar (MRI) in München. „Hinzu kommen verunsichernde Berichte, etwa über Thrombosen oder Depressionen im Zusammenhang mit der Anwendung.“

Zeitweilige Scheinschwangerschaft

Doch wie wirkt die Pille eigentlich? Sie ist ein künstlicher Ovulationshemmer, der den monatlichen Eisprung verhindert. Dazu wird die Frau durch die künstlichen Hormongaben vereinfacht gesagt zeitweise in eine Scheinschwangerschaft versetzt, innerhalb derer sie logischerweise nicht „erneut“ schwanger werden kann.

Die ersten Präparate zeigten bei der Einnahme noch erhebliche Nebenwirkungen wie Migräne, Gewichtszunahme, psychische Verstimmungen bis hin zum Verlust der Libido, selbst die Bildung von Thrombosen und auch die Entstehung von Krebs wurde ihnen zugeschrieben. Heute gibt es sie in den unterschiedlichsten Hormonkombinationen sowie Dosierungen als Mini- oder gar als Mikropille.

Wo bleibt die Pille für den Mann?

Eine „Pille“ für den Mann allerdings sucht man immer noch vergebens – trotz zahlreicher Entwicklungen in der Pharmaindustrie. Michael Zitzmann, Androloge an der Uniklinik Münster, war mit seinem Team 2009 an einer internationalen Studie der Weltgesundheitsorganisation beteiligt. Getestet werden sollte ein Hormonpräparat, das ähnlich wie die Pille für die Frau wirkte. Es verhindert, dass sich Spermien in den Hoden bilden. „Als die WHO-Studie weltweit angefangen hat und wir hier eines der größten Zentren waren, war ich ziemlich sicher, dass das jetzt kurz vor der Markteinführung sein würde, dass dies die letzte Studie sein würde“, erinnert sich Zitzmann.

Für die Studie schluckten die Männer allerdings keine „Pille“, sie bekamen die Hormongabe einmal monatlich per Spritze. Die Spermienzahl sank tatsächlich bei allen Probanden. Die Wirkung war ähnlich zuverlässig wie die Pille für die Frau. Und neun von zehn Männern vertrugen das Präparat gut. Trotzdem brach die WHO 2011 die Studie ab. Zitzmann: „Das Problem ist, dass ungefähr 10 % Nebenwirkungen haben wie Stimmungsschwankungen, Libidoverlust oder Niedergeschlagenheit bis hin zur Depressivität.“

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