Kommentar 04. Sep. 2024 Von Peter Steinmüller Lesezeit: ca. 2 Minuten

Für den Wunsch nach Arbeitszeitreduzierung gibt es gute Gründe

Generation Z wie Babyboomer wollen ihre Arbeitszeit reduzieren. Sie haben gute Gründe dafür.

Haushalt, Familie, Job: In einer hochkomplexen Gesellschaft brauchen die Menschen Zeit, um sich zu organisieren.
Foto: panthermedia.net/photographee.eu

„Wenn sich Opa am Sonntag auf sein Fahrrad schwingt/Und heimlich in die Fabrik eindringt/Dann hat Oma Angst, dass er zusammenbricht/Denn Opa macht heute wieder Sonderschicht/Ja, dann wird wieder in die Hände gespuckt/Wir steigern das Bruttosozialprodukt.“  Im Jahr 1982 landete die Band Geier Sturzflug mit ihrer beißenden Kritik an der deutschen Arbeitsmoral einen Nummer-eins-Hit.

Xing-Arbeitsmarktreport: Die Hälfte der Beschäftigten will Arbeitszeit reduzieren

Gut 40 Jahre später müssten die Musiker ihren Hit wohl umschreiben: Die Hälfte der Beschäftigten würde gerne weniger arbeiten, meldet der aktuelle Arbeitsmarktreport des Jobportals Xing.

Wenn es um die Ablehnung höherer Arbeitszeiten geht, ist jene Generation vorne dabei, die damals zu den eingängigen Ska-Klängen von Geier Sturzflug abtanzte: Die Babyboomer wollen keinesfalls als Rentner Sonderschichten fahren, um die Konjunktur anzukurbeln. Aber auch bei ihren Kindern sieht es ähnlich aus. In der Generation Z wollen mehr als die Hälfte ihre Arbeitszeit reduzieren.

Dass diese Wünsche so häufig sind, liegt sicher daran, dass die Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen gute Chancen sehen, ihre Vorstellungen zu verwirklichen. Und das nicht nur in tarifgebundenen Unternehmen, wo etwa Verdi für nächstes Jahr die Durchsetzung der 35-Stunden-Woche angekündigt hat.

Verhandlungsmacht der Arbeitnehmer bei der Arbeitszeit ist gestiegen

Auch die gestiegene individuelle Verhandlungsmacht der Mitarbeitenden angesichts des Fachkräftemangels spielt eine Rolle. So war das Rollback beim Homeoffice für die Unternehmen nur teilweise erfolgreich, Worka­tion hat die räumliche Autonomie der Beschäftigten noch einmal gesteigert.

Es ist übrigens keineswegs der Hedonismus, der Jung und Alt dazu bringt, ihre Zeit etwas anderem zu widmen als der Erwerbsarbeit. Vielmehr bewegen sich die Menschen in einer zunehmend kompliziert werdenden Welt: Wenn Partnerschaften immer wieder neu auszuhandeln sind, Freizeit abseits von Vereinen und Kirchen selbstständig zu organisieren ist und jeder sich um seine private Vorsorge kümmern muss, weil sich der Staat zurückgezogen hat – dann benötigen Menschen einfach mehr Zeit abseits der Erwerbsarbeit, um ihr Leben auf die Reihe zu bekommen.

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