Schutz gegen Diebe 03. Jan 2023 Von Martin Ciupek

Sprengung von Geldautomaten: Jetzt sind technische Maßnahmen gefragt

Die Zahl der Sprengungen von Geldautomaten hat 2022 in Deutschland einen neuen Höchststand erreicht. Die Innenminister der Bundesländer fordern Banken auf, die Sicherheitsmaßnahmen gegen Sprengungen zu verbessern.

Vorbereitung einer Automatensprengung: Eine Überwachungskamera filmte im August 2022 einen Tatverdächtigen beim Anbringen einer Sprengladung am Geldautomaten. Zuvor hatte er das Gehäuse aufgehebelt.
Foto: Polizei NRW

Rund 800 Geldautomaten wurden in Deutschland nach Angaben des Bundesinnenministeriums allein in den beiden Jahren 2020 und 2021 von Dieben gesprengt. Für 2022 wird ein neuer Jahreshöchstwert von etwa 450 Sprengungen erwartet. Besonders betroffen ist Nordrhein-Westfalen (NRW), insbesondere in Grenznähe zu den Niederlanden. Mehr als 180 Automatensprengungen wurden hier laut Landeskriminalamt NRW bis zum Silvestertag 2022 verzeichnet – rund 20 % mehr als im Vorjahr. Fast 11 Mio. € habe demnach allein der im ersten Halbjahr 2022 entstandene Schaden betragen. Dabei konnte in vielen Fällen nicht einmal Geld erbeutet werden.

Höchststand bei Automatensprengungen 2022

In den Behörden wächst die Sorge: Denn immer häufiger entstehen dabei schwere Schäden an Gebäuden. Ende November 2022 hatte sich Bayerns Innenminister Joachim Hermann auf der Innenministerkonferenz (IMK) in München deshalb dafür ausgesprochen, den Druck auf international agierende Tätergruppen zu erhöhen. Auf der Konferenz wurde beschlossen, die Betreiber künftig zur Sicherung der Geldbestände vor Sprengungen zu verpflichten. Begründet wurde das mit der inzwischen oft rücksichtslosen Gefährdung von unbeteiligten Dritten, Anwohnern und Einsatzkräften durch Sprengungen.

Wie schützt man Geldautomaten vor der Sprengung?

Laut Hermann müssten beispielsweise die Aufstellorte und auch die Automaten selbst besser gesichert werden. Zudem liege es in der Verantwortung der Banken und Automatenhersteller, es den Kriminellen durch technische Einrichtungen möglichst schwer zu machen, Geld zu erbeuten. Das erhöht den Aufwand für die Automatenbetreiber und hat teilweise bereits zur Folge, dass Banken Automaten an Standorten mit hohem Angriffsrisiko abbauen. Kunden müssen dann deutlich größere Wege in Kauf nehmen, um an Bargeld zu kommen.

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Von Banken genutzte technische Maßnahmen, um Sprengungen für Diebe möglichst unattraktiv zu machen, sind Einbruchmeldetechnik, Erschütterungsmelder, Videoüberwachung sowie die verbesserte Sicherung von Fenstern und Zugangstüren. Auch Einsätze, die die Geldscheine bei gewaltsamem Öffnen der Automaten mit Farbe markieren oder durch Klebstoffe für die Täter unbrauchbar machen, zählen dazu. Teilweise wird auch auf Vernebelungseinrichtungen gesetzt, die den Tätern die Sicht einschränken, wodurch sie beim Einsammeln der Beute Zeit verlieren. Deren Einsatz soll laut einer gemeinsamen Erklärung von Banken und Sparkassen noch verstärkt werden.

Schutzmaßnahme: Eine Überwachungskamera filmt den Einsatz eine Nebelanlage am Bankautomaten in einer Sparkasse.
Foto: Polizei NRW

Inertgas soll Sprengung von Geldautomaten verhindern

Eine andere Lösung ist beim Deutschen Patent- und Markenamt zu finden. Dort hat der Ingenieur Hermann-Josef Schmidt aus Gaimersheim Mitte 2020 eine „Vorrichtung zum Schützen mindestens eines Behälters“ als Gebrauchsmuster (Aktenzeichen DE 20 2020 001 447 U1) eintragen lassen. Vereinfacht beschrieben erkennt ein Sensor dabei einströmendes Gas und setzt ein in einem Druckbehälter gelagertes Inertgas frei, beispielsweise Stickstoff (N2). Das reaktionsträge Edelgas verdrängt in dem Fall das explosive Gas (beispielsweise Propan) aus dem Automaten und verdünnt es. Ziel ist es, damit die Sprengung des Automaten zu verhindern oder zumindest in ihren Folgen deutlich abzumildern.

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