Fahrzeugtechnik 25. Aug 2023 Von Martin Ciupek / Strategy& Lesezeit: ca. 6 Minuten

Deutsche Automobilzulieferer sind bei Umsatzwachstum und Profitabilität global das Schlusslicht

Laut einer neuen Studie der Strategieberatung von PWC verlieren deutsche Hersteller globale Marktanteile. Asiatische Anbieter verändern nachhaltig das Gesicht der Branche.

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Gerade im Batteriegeschäft wird deutlich, wie asiatische Zulieferer inzwischen die globalen Märkte prägen.
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Für deutsche Automobilzulieferer geht es laut der aktuellen „Automobilzulieferer-Studie” von „Strategy&“ – der globalen Strategieberatung von PwC – abwärts. Sie fallen im internationalen Wettbewerb zurück und verlieren hart erkämpfte Weltmarktanteile. Laut der jetzt veröffentlichten Studie kamen deutsche Lieferanten 2022 im Schnitt auf lediglich 13% Umsatzwachstum. Damit bilden sie das globale Schlusslicht, weit abgeschlagen hinter dem Rest Europas (21%), Asien (23%) und Amerika (25%).

Auch bei der Profitabilität landen sie mit 3,9% EBIT-Marge auf dem letzten Platz. Ihre bereits zuvor ungünstigen Kostenstrukturen haben die deutschen Zulieferer laut den Studienautoren ebenfalls kaum verbessern können. Die Konsequenz: Seit 2019 haben die deutschen Zulieferer 2,7 Prozentpunkte Weltmarktanteil eingebüßt. Das entspricht etwas dem Anteil, den sie zuvor in 20 Jahren mühsam hinzugewinnen konnten. Zugleich nimmt der Kapitalstock deutscher Zulieferer seit Jahren ab, was laut Strategy& ein Indikator für drohende weitere Marktverluste sein könnte.

Global auf Wachstumskurs: Asiatische Hersteller drängen auf den Markt

Auf globaler Ebene gelingt der Zuliefererbranche eine Trendwende, und sie knüpft zumindest beim Umsatz an die erfolgreichen Zeiten vor den vergangenen Krisen an. Im Jahr 2022 konnten die weltweiten Top-Zulieferer ihren Umsatz um durchschnittlich 20 % steigern. Weil sie ihre inflationsbedingt gestiegenen Kosten kaum an die Autobauer weiterreichen konnten, bleiben die Margen allerdings niedrig und nahmen im Vergleich zum Vorjahr sogar um 0,5 Prozentpunkte ab. Für die Auswertung in dieser Studie wurden die Bilanzkennzahlen der 82 Top-100 Zulieferer mit mehr als 50% Automotive Umsatzanteil analysiert.

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Im globalen Wettbewerb drängen vermehrt asiatische Anbieter auf den Markt und verändern nachhaltig das Gesicht der Branche. Mit enormen Innovations- und Investitionsvorsprüngen im Bereich Elektromobilität setzen sie die bisherigen Top-Zulieferer unter Druck und erobern zunehmend Spitzenplätze im Ranking der umsatzstärksten Zulieferer. Zwei südkoreanische Batteriehersteller schaffen auf Anhieb den Sprung unter die Top-30, der chinesische Batteriehersteller CATL belegt bereits Platz zwei.

„Um wirtschaftlich vorne mitspielen zu können, kommt es in der Zuliefererbranche seit jeher auf Größe und Skaleneffekte an. Beides beherrschen die asiatischen Zulieferer in der aktuellen Transformationsphase am besten. Die deutschen Zulieferer hinken dagegen hinterher, weil sie im Wachstumsfeld Elektromobilität oft erst zu spät und zu kleinteilig aktiv geworden sind“, sagt Henning Rennert, Studienautor und Partner bei Strategy& Deutschland. „Um nun aufzuholen, müssen die ehemaligen Platzhirsche wieder echte Innovationen vorantreiben, Skaleneffekte erzielen und zügig neue Wachstumsstrategien entwickeln. Zudem gilt es, das Wachstum in einem herausfordernden geopolitischen Umfeld abzusichern und wettbewerbsfähige, teilglobalisierte Lieferketten zu schaffen.“

Investitionen: Deutsche Hersteller setzen auf Forschung und Entwicklung

Im Ringen um Weltmarktanteile setzen die deutschen Automobilzulieferer vor allem auf ihre traditionelle Innovationskraft. „Die deutschen Zulieferer investieren aktuell so viel wie noch nie in Forschung und Entwicklung. Damit diese Investitionen auch Früchte tragen, sollten sie ihre Technologieentwicklung allerdings noch stärker auf den Marktbedarf sowie die Situation im Wettbewerb ausrichten, statt längst gesetzten Trends wie im Batteriegeschäft hinterherzulaufen“, sagt Henning Rennert.

Bei den Ausgaben für Forschung und Entwicklung liegen die deutschen Hersteller weiterhin sowohl gemessen in absoluten Werten als auch relativ zum Umsatz an der Spitze. Trotz niedriger Profitabilität und geringem Umsatzwachstum investierten sie im vergangenen Jahr 15,9 Mrd. € – und liegen damit weit vor Asien mit 15,3 Mrd. €, dem Rest Europas mit 8,2 Mrd. € und Amerika mit 3,6 Mrd. €.

Rennert: „Die Kombination aus Innovationskraft, Produktreife und steiler Lernkurve, mit der sich die deutschen Zulieferer jahrzehntelang vom Wettbewerb abgehoben haben, verfängt auch heute noch. Diese alten Tugenden müssen nun fit für die Zukunft gemacht werden, um Innovation in Wachstum umzusetzen.“

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