Weniger Autoschadstoffe 19. Dez 2023 Von Dominik Hochwarth Lesezeit: ca. 3 Minuten

Einigung über neue Schadstoffnorm Euro 7

Die neue Abgasnorm der EU kommt ohne eine deutliche Verschärfung für die Industrie. Die Schadstoffnorm Euro 7 sieht strengere Regeln für Abgase nur für Busse und Lastwagen vor. Dafür gibt es nun auch Anforderungen für die Lebensdauer von Batterien in E-Autos. Erstmals wurden auch Grenzwerte für Brems- und Reifenabrieb eingeführt.

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Die neue Abgasnorm Euro 7 bringt einige Neuerungen, bei den Autoabgasen bleibt jedoch alles beim Alten.
Foto: PantherMedia / Andriy Popov

In Brüssel haben Verhandlungsführer des Europaparlaments und der EU-Mitgliedsstaaten eine Einigung über die Einführung der neuen Schadstoffnorm Euro 7 erzielt. Diese Regelung soll die Schadstoffemissionen von Fahrzeugen strenger kontrollieren als bisher, ohne jedoch eine drastische Verschärfung für die Automobilbranche darzustellen. Ziel ist es, dass Autos, Busse und andere Fahrzeuge in der EU künftig weniger umwelt- und gesundheitsschädliche Stoffe verursachen.

Was ist neu?

Die neuen Regelungen zielen darauf ab, die Umweltbelastung durch Fahrzeuge strenger zu kontrollieren. Eine wichtige Neuerung ist die Einbeziehung von gesundheitsschädlichen Substanzen wie Feinstaub, der durch Abrieb von Reifen oder Bremsen entsteht, in die Regelungen. Dies betrifft somit auch Elektro- und Wasserstofffahrzeuge.

Der Kaltstart – ein ganz heißes Thema

Zudem sind nach Angaben des Parlaments Mindeststandards für die Batterielebensdauer bei Elektro- und Hybridautos vorgesehen. Ein weiterer Aspekt der Regelung ist die Einführung eines Umweltpasses für jedes Fahrzeug. Dieser Pass soll Auskunft über Verbrauchsdaten wie Kraftstoff- und Stromverbrauch sowie Batterielebensdauer geben. Aktuelle Informationen dazu werden Fahrzeugnutzern über die Bordelektronik zur Verfügung gestellt.

Was bleibt gleich?

Die bisherigen Euro-Normen konzentrierten sich vorrangig auf Abgasemissionen. Unter der Euro-6-Norm wurden Emissionsgrenzwerte für Stickoxide (NOx), Kohlenmonoxid (CO), Partikel, Kohlenwasserstoffe, Methan und Ammoniak speziell für Lastkraftwagen und Busse festgelegt. Die neue Euro-7-Norm sieht strengere Emissionsvorschriften für Auspuffgase vor, allerdings nur für Busse und Lastwagen.

Bei Autos und Kleintransportern haben sich die Länder und das Parlament darauf geeinigt, die aktuell gültigen Euro-6-Normen beizubehalten. Zudem sollen nach Informationen des Parlaments die Testbedingungen der Euro-6-Norm für alle Fahrzeugtypen weiterhin Anwendung finden.

Vorschläge der Kommission deutlich abgeschwächt

Die neue Euro-7-Abgasnorm geht auf einen Vorschlag der EU-Kommission aus dem vergangenen Jahr zurück. Dieser Vorschlag wurde jedoch vom Europaparlament und den EU-Ländern erheblich abgemildert. Ursprünglich war geplant, die neuen Regeln 2025 für Autos und 2027 für Lkw und Busse einzuführen. Jedoch stießen diese Pläne weder im Europaparlament noch bei den EU-Mitgliedstaaten auf breite Zustimmung.

Selbst das von der Grünen-Politikerin Steffi Lemke geleitete Umweltministerium fand einige der vorgeschlagenen Maßnahmen, insbesondere die kurzen Einführungsfristen, zu ambitioniert. Der nun erreichte Kompromiss sieht vor, dass die neuen Bestimmungen für Pkw und Kleintransporter erst 30 Monate und für Busse und Lastwagen vier Jahre nach ihrer endgültigen Annahme durch das Europaparlament und die Mitgliedstaaten in Kraft treten.

E-Fuels wurden nicht berücksichtigt

Autohersteller protestierten zunächst heftig gegen die geplanten neuen Abgasnormen, da diese erhebliche Zusatzkosten verursachen würden. Diese Mittel wären eigentlich für Investitionen in alternative Antriebe wie Elektroautos gedacht, argumentierte der europäische Herstellerverband Acea. In der EU ist ein Ausstieg aus dem Verbrennungsmotor für 2035 beschlossen.

Die deutsche Autoindustrie sieht in der neuen Norm nun eine Chance, die Emissionen im Straßenverkehr weiter zu reduzieren. Trotz ambitionierter Anforderungen ist die Branche entschlossen, diese zu erfüllen, so Hildegard Müller, Präsidentin des Verbands der Automobilindustrie (VDA). Sie betont, dass der Euro-7-Beschluss sowohl die Luftqualität verbessert als auch für die Industrie umsetzbar ist.

Umweltschützer kritisieren jedoch, dass die neuen Vorschriften kaum über die aktuelle Euro-6-Norm hinausgehen. Obwohl die Bundesregierung unter Druck der Grünen für strengere Abgaswerte plädierte, setzte sie sich nicht durch. Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) forderte die Berücksichtigung von E-Fuels, fand dafür aber weder im Parlament noch unter den EU-Ländern Unterstützung.

Geteiltes Echo aus der Politik

Der CDU-Europaabgeordnete Jens Gieseke, verkehrspolitischer Sprecher seiner Fraktion, sieht in den neuen Regeln einen Weg zu besserer Luftqualität, ohne die Industrie übermäßig zu belasten. Er betont, dass die Industrie bereits mit dem Übergang zur Elektromobilität gefordert sei und lobt das Gleichgewicht zwischen Gesundheitsschutz und Wettbewerbsfähigkeit.

Euro 7: Wie die EU den Wandel im Automobilsektor antreibt

Michael Bloss von den Grünen hingegen kritisiert das Verhandlungsergebnis als verpasste Chance. Er argumentiert, für die Beibehaltung der weltweiten Goldstandards in der Industrie seien zukunftsweisende Regeln notwendig, die zur Weiterentwicklung der Industrie beitragen. Andernfalls könnten andere Weltregionen die Standards übernehmen.

Wie geht es nun weiter?

Die Einigung über neue Umweltregeln für Fahrzeuge in der EU steht bevor, bedarf jedoch noch der formellen Zustimmung der EU-Staaten und des Europaparlaments. Nach Inkrafttreten dieser Regeln gelten sie innerhalb von 30 Monaten für Autos und Kleintransporter sowie innerhalb von 48 Monaten für Busse und Lkw.

Der Straßenverkehr war 2018 laut Studien der Europäischen Umweltagentur und der Gemeinsamen Forschungsstelle mit 39 % der NOx-Emissionen (Stickoxide) und 11 % der PM10-Emissionen (Feinstaub) eine Hauptquelle der Luftverschmutzung in Städten. Besonders besorgniserregend ist, dass 2018 in der EU über 70 000 Todesfälle auf langfristige Belastungen durch Luftverschmutzung, die durch Feinstaub und Stickoxide aus dem Straßenverkehr verursacht wurden, zurückzuführen waren. (dpa/hoc)

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