AUTOMOBIL 26. Jun 2019 Michael Specht

Mercedes C-Klasse: Unterwegs zum Klassenprimus

Die Zeiten, als die C-Klasse, immerhin volumenstärkstes Modell bei Mercedes-Benz, in ihrem Segment auf der Poleposition fuhr, sind Geschichte. Links und rechts überholt wurde die Mittelklasselimousine auf dem Heimatmarkt von den Konkurrenten Audi A4 und 3er-BMW. Das soll sich nach dem Willen von Entwicklungsvorstand Thomas Weber ändern. Dabei helfen soll ein Technik-Potpourri bei Fahrwerk und Sicherheit.

Mercedes-Benz C 300 BlueTEC HYBRID, Exclusive Line, Cavansitblau metallic, Leder ARTICO Kristallgrau/Tiefseeblau, Zierelemente Holz Linde linestructure, (W205), 2013
Foto: Daimler

Wenn es um die neue Mercedes-C-Klasse, „W 205“ genannt, geht, kommt selbst ein sonst so sachlicher Ingenieur wie Mercedes-Entwicklungschef Thomas Weber ins Schwärmen: „Am Markt gibt es in dieser Klasse kein so hochwertiges Auto“, sagt Weber und ergänzt: „Das ist die attraktivste C-Klasse, die wir je gemacht haben.“

So zählten Weber zufolge zu den wichtigsten Punkten im Lastenheft der Entwickler nicht nur „Best in class“ bei Aerodynamik, Verbrauch und Gewicht. Darüber hinaus habe man sich auch zum Ziel gesetzt, Maßstäbe in Sachen Qualität und Sicherheit sowie in Fahr- und Geräuschkomfort zu setzen.

Was zunächst klingt wie einer der branchenüblichen Marketingsprüche, wird im praktischen Fahrbetrieb überzeugend eingelöst. Das wird schon auf den ersten Testkilometern spürbar: Die C-Klasse rollt selbst mit dem konventionellen Stahlfahrwerk ungewöhnlich leise und geschmeidig ab. Auch Windgeräusche bleiben dort, wo sie hingehören: draußen.

Neue Achsgeometrie: Bei der Vorderachse in Vierlenker-Bauweise ist die Radaufhängung nun vom Federbein entkoppelt. So sollen Lenkimpulse sensibler umgesetzt werden.
Foto: Daimler

Gleichzeitig wird der hohe Komfort des schwäbischen Mittelklässlers nicht mit Schwächen in der Kurvendynamik erkauft. Das C-Klasse Fahrwerk hat in der Tat Oberklasse-Niveau und zeigt den hohen Entwicklungsaufwand, den die Stuttgarter beim Thema Karosseriesteifigkeit und Achskinematik getrieben haben. Während Mercedes es hinten bei seinem bewährten Fünflenker-Konzept („Raumlenkerachse“) beließ, entschied man sich vorne für eine neue Geometrie. Zum Einsatz kommt eine Achse in Vierlenker-Bauweise, bei der die Radaufhängung vom Federbein entkoppelt wird und so sensibler auf Lenkbewegungen reagieren kann.

Diese Konstruktion ist von der S-Klasse (W 222) abgeleitet, die voriges Jahr auf den Markt kam. Daher bietet Mercedes nun auf Wunsch auch erstmals für die C-Klasse eine „Airmatic“ genannte, adaptive Luftfederung an. Sie regelt elektronisch und kontinuierlich Dämpfung und Höhenniveau, wobei der Fahrer zwischen drei unterschiedlichen Kennfeldern wählen kann: „Komfort“, „Sport“ und „Sport Plus“.

Als „Leichtbau-Leader im Segment“ bezeichnet Entwicklungsvorstand Weber die in der Basismotorisierung weniger als 1400 kg wiegende C-Klasse. „Wir sind durch verstärkten Einsatz von Aluminium und zahlreichen weiteren Maßnahmen bis zu 100 kg leichter als beim Vorgänger“, betonte Weber bei der Fahrpräsentation in Südfrankreich. Allein das Dach spart 4 kg ein – und dies, bezogen auf den Gesamtschwerpunkt des Fahrzeugs, an einer Stelle, an der „Abspecken“ besonders viel Wirkung zeigt. Diese Leichtbaumaßnahme in Kombination mit dem laut Mercedes „klassenbesten Luftwiderstandsbeiwert“ (cw=0,24) fällt besonders beim Thema Verbrauch auf fruchtbaren Boden.

Die besten Resultate dürfte hier der kleine Vierzylinder-Dieselmotor (OM 626) erzielen, der aus der Kooperation mit Renault stammt. Der 1,6-l-Vierzylinder mit 100 kW Leistung hinterließ bei der Testfahrt durch seine exzellente Laufruhe einen überaus guten Eindruck. In der Efficiency-Ausstattung soll er mit einem Normverbrauch von 3,7 l/100 km für geringe Unterhaltskosten sorgen. Ihn allerdings bietet Mercedes erst im September an. Dasselbe gilt für den ersten Diesel-Hybrid in der C-Klasse. Hier arbeitet der bekannte 2,2-l-Selbstzünder OM 651 (150 kW) mit einem 20-kW-E-Modul. Als C 300 BlueTec Hybrid soll das Modell dank vorausschauender Betriebsstrategie – Gefälle und Steigungen sind im Navigationssystem hinterlegt – nur noch 3,6 l Diesel je 100 km verbrauchen, was einem CO2-Ausstoß von 94 g/km entspräche.

Zudem kündigte Weber für Anfang 2015 eine Plug-in-Version an, verschwieg dabei aber noch die elektrische Reichweite. Noch ist über das Batterie-Package (Größe, Leistung, Einbaulage) nicht viel bekannt. Geopfert werden soll der Speichereinheit möglichst wenig Kofferraumvolumen, das in der Normalversion 480 l beträgt.

Bei den aktuell zur Verfügung stehenden Benzinmotoren handelt es sich durchweg um bekannte Aggregate. Sie wurden mit auf besseres Ansprechverhalten und höhere Effizienz hin optimiert. So sollen der C 180 mit 115 kW sowie der C 200 mit 135 kW nach EU-Norm im Mix mit 5,0 l beziehungsweise 5,3 l Kraftstoff auf 100 km auskommen – erneut verbunden mit dem Anspruch, „Klassenbester“ zu sein. Nach oben begrenzt wird das Motorenangebot derzeit mit dem C 300, dessen 3-l-Biturbo-V6 245 kW leistet und den es ausschließlich in Kombination mit dem Allradantrieb 4Matic gibt. Die Markteinführung ist für September vorgesehen. Zur gleichen Zeit will Mercedes auch die Kombivariante („T-Modell“) in den Handel bringen.

Führungsanspruch hegen die C-Klasse-Entwickler aber nicht nur beim Komfort, sondern auch bei der Sicherheit. Einzug finden Systeme, die erst vor einigen Monaten in der überarbeiteten E- sowie in der neuen S-Klasse Premiere feierten. Unter anderem zählt hierzu der Staupilot „Distronic Plus mit Lenk-Assistent“, der im Kolonnenverkehr bis 60 km/h selbstständig dem Vordermann folgt.

Das klappt im Realverkehr sogar ohne Straßenmarkierung. Auf dem Testgelände von Michelin in Salon-de-Provence (Südfrankreich) gab Mercedes den VDI nachrichten zudem Gelegenheit, den serienmäßigen Notbremsassistenten „Collision Prevention Assist Plus“auszuprobieren. Egal, ob man sich einem langsameren Vordermann oder gar einer Person auf der Fahrbahn nähert, stets reagierten die Sensoren zuverlässig, lösten die autonome Vollbremsung aus und vermieden eine Kollision.

Die neue C-Klasse startet zu Preisen ab 33 558 €. Zugleich ist sie das erste Modell von Mercedes-Benz, das weltweit an vier Standorten produziert wird. Das Hauptwerk bleibt Bremen, wo derzeit täglich etwa 300 Fahrzeuge vom Band laufen. In East London, Südafrika, werden hauptsächlich Modelle für Rechtslenker-Märkte gebaut. Das US-Werk in Tuscaloosa, bislang ausschließlich für die SUV und die R-Klasse zuständig, wurde erweitert. Und für Peking steht die Produktion der C-Klasse mit kurzem wie auch erstmals mit langem Radstand auf dem Plan, die im April in China Messepremiere feierte.

Mercedes reagiert damit auch in der Mittelklasse auf das spezielle Komfortbedürfnis der chinesischen Geschäftskunden. Ein weiterer Grund: Auch die Premium-Rivalen Audi und BMW haben mit dem A4L sowie 320Li und Co bereits seit Jahren entsprechende Angebote im boomenden chinesischen Markt platziert. Das Rennen bleibt also spannend.

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