Wohnungsbau-Studie 18. Apr 2023 Von Fabian Kurmann Lesezeit: ca. 3 Minuten

Gefahr von Altersarmut durchs Wohnen

Es gibt viel zu wenige altersgerechte Wohnungen, warnt eine Studie des Pestel Instituts auf der Messe BAU in München. Wer etwa pflegebedürftig wird, muss seine Wohnung deshalb oft aufgeben und ins teure Heim umziehen. Mit der Babyboomer-Generation wird Altersarmut in den nächsten 20 Jahren zum Problem für Millionen von Menschen.

Im Alter werden Häuser zu groß und zu teuer für Senioren. Doch für den Umzug in eine altersgerechte Wohnung fehlt es an Angeboten. Ein Umbau mithilfe von Krediten lohnt sich für die Senioren wegen der ungewissen Lebenserwartung selten. Außerderdem bekommen sie nur schwer eine Finanzierung ab einem gewissen Alter.
Foto: PantherMedia / ilixe48

Die Babyboomer-Generation erreicht innerhalb der nächsten zehn Jahre das Rentenalter und viele dieser Menschen sind gefährdet, im Alter zu verarmen. Wissenschaftler des Pestel-Instituts präsentierten auf der Messe BAU in München eine neue Wohnungsbau-Sozialstudie „Wohnen im Alter“. Daraus geht hervor, dass sich immer weniger Rentner das Wohnen, so wie es heute üblich ist, leisten können werden.

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Zwar attestieren die Studien zum Wohnungsbau seit Jahren Ähnliches: Es gibt zu wenige Wohnungen, das Bauen ist zu teuer. Doch statt sich zu verbessern, hat sich die Situation nun noch zugespitzt, wie Matthias Günther, Leiter des Pestel-Instituts, berichtet. „In den 38 Jahren, seit ich den Wohnungsmarkt beobachte, hatten wir noch nie solch einen demografischen Druck, während zeitgleich der Wohnungsbau nach unten ging.“

Wohnen: Mit 100 Sachen in die „Graue Wohnungsnot“

Demografien entwickeln sich eigentlich sehr berechenbar. Dass „über 21 Millionen Menschen – rund 3,6 Millionen mehr als heute – in 20 Jahren zur Altersgruppe „67plus“ gehören werden“, wie die Wissenschaftler schreiben, war schon Ende der 60er-Jahre abzusehen. Anders ist es mit den aktuellen Rahmenbedingungen für den Wohnungsbau. Baustoffe wurden knapp und teurer, und jetzt, wo sich die Verfügbarkeit und die Preise erholen, treibt der Zinsanstieg, der auf die Corona-Pandemie und den Ukraine-Krieg folgt, die Kosten wieder nach oben. Während Wohnungsbauprojekte reihenweise auf Eis gelegt werden, können die Babyboomer ihre Alterung nicht einfach einfrieren.

Die Bemühungen der Politik, kurz noch einen Endspurt hinzulegen, um die lange angehäuften Wohnungsdefizite doch noch abzubauen, zeigen sich daher als fruchtlos. „Deutschland rast gerade mit 100 Sachen in die ‚Graue Wohnungsnot‘. Das Fatale ist, dass wir dazu politisch nur eine Vogel-Strauß-Taktik erleben“, so Institutsleiter Günther.

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Nach Angaben des Pestel-Instituts benötigen bereits heute rund 2,8 Millionen Haushalte, in denen Senioren leben, altersgerechte Wohnungen. „Aber nur etwa 600 000 dieser Haushalte haben überhaupt so eine Wohnung, in der Menschen mit einem Rollator und Rollstuhl klarkommen. Damit herrscht auch jetzt schon ein massiver Mangel an Seniorenwohnungen: Rund 2,2 Millionen altersgerechte Wohnungen fehlen aktuell. Das wird sich in den nächsten Jahren allerdings noch enorm verschlimmern.

Wohnen wird zum Luxus

Zum Mangel an altersgerechten Wohnungen kommt die Altersarmut. Es sei zu befürchten, „dass künftig zwei Drittel der Seniorenhaushalte, die in einer Mietwohnung leben, sich bei steigenden Wohnkosten immer mehr einschränken müssen, weil die Rente für den bisherigen Lebensstandard nicht mehr reiche. In Zukunft werden deutlich mehr Menschen als heute auf staatliche Unterstützung angewiesen sein, um überhaupt ein Dach über dem Kopf zu haben. Und so bitter es ist: Auch ein dramatischer Anstieg der Alters-Obdachlosigkeit ist zu erwarten.

Mehr als die Hälfte der Senioren verdiene weniger als 2000 € im Monat, was im Pflegefall nicht mal für den Eigenanteil von 2410 € monatlich für die stationäre Pflege reiche. „Am Ende ist es also ganz oft der Staat, der einspringen muss. Er sollte schon deshalb ein Interesse daran haben, dass pflegebedürftige Menschen so lange wie möglich zu Hause leben können“, so Günther.

Doch der Bund bremse den altersgerechten Umbau von Wohnungen geradezu aus. So biete die staatliche KfW-Bank – anders als früher – dafür heute keine Zuschüsse mehr. Stattdessen gebe es ein Kreditprogramm mit Zinsen ab 3 % und Laufzeiten von bis zu 30 Jahren. „Das ist eine Farce: Welcher 70-Jährige bindet sich noch so einen Kredit ans Bein, um sein eigenes Haus oder seine Eigentumswohnung altersgerecht umzubauen?“

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Katharina Metzger, Präsidentin des Deutschen Baustoff- Fachhandel (BDB), fordert die Politik auf, das Drehen an der Klimaschutzschraube zu unterlassen, da es die Quadratmeterpreise in die Höhe treibe, ohne dass viel CO2 eingespart würde. „Das macht den Wohnungsneubau mehr und mehr unwirtschaftlich.“ Bundesweit fehlten 700 000 Wohnungen. Gisela Raab, Geschäftsführerin der Raab Baugesellschaft fügte hinzu, dass die rechtlichen Anforderungen es schwierig machten, neue Baustoffalternativen auf den Markt zu bringen. Diese müssten vor Verwendung erst drei Jahre Stand der Technik sein, doch um dahin zu kommen, müssten sie zunächst in realen Projekten angewandt werden.

Wohnen im Alter: Zusätzliche Förderung muss kommen

Grundsätzlich gilt laut Forscher Günther: Ohne eine zusätzliche staatliche Förderung sind neue seniorengerechte Wohnungen für die Mehrheit der Älteren nicht finanzierbar – weder für die, die im Eigentum wohnen, noch für die, die zur Miete wohnen. Deshalb fordert die Studie mindestens eine halbe Mrd. € pro Jahr für altersgerechten Neu- und Umbau zusätzlich bereitstellen.

Forderung wie diese gab es auch schon in den vergangenen Jahren. Das Problem ist nicht neu, aber die Rahmenbedingungen haben sich verschärft. Wie viel davon die Politik umsetzt, wird auch davon abhängen, wie sich die anderen Krisen entwickeln: Krieg, Inflation und Klimawandel. Die Politik neige dazu erst dann zu Handeln, wenn Konsequenzen spürbar werden, sagt Günther. Auch daran wird sich wohl so schnell nichts ändern.

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