Stadtentwicklung 22. Jul 2022 Von Eve Tsakiridou

Stadt der Zukunft braucht Mut und sie muss schnell lernen

Wie gelingt Kommunen – nicht nur angesichts aktueller Krisensituationen – der Ausgleich zwischen sozialen, ökologischen und wirtschaftlichen Belangen in ihrer Stadtplanung? Klar ist: Für gute Lösungen braucht es Mut, Ideen auszuprobieren und daraus zu lernen. Deutsche Metropolen können da zum Beispiel von New York lernen.

2009 hat die Stadtverwaltung von New York den Times Square für 1,5 Mio. $ umgestaltet. Von oben sehen die Straßen wie ein X aus. Diesem wurden bei der Umgestaltung zwei „Ärmchen“ abgetrennt, die von Fußgängern genutzt werden und für den Autoverkehr gesperrt sind. Der Verkehr verläuft nur noch über eine Diagonale. Auf den ehemaligen Straßen wurden Bänke, Treppen und Schirme aufgestellt.
Foto: imago images/NurPhoto/Deccio Serrano

„Mehr Mut für Innovation!“ Diese Empfehlung stammt vom Bürgerrat der Stadt München und war an Oberbürgermeister Dieter Reiter, Stadtrat und Verwaltung gerichtet. Die bayerische Hauptstadt solle ihr Selbstverständnis als Autostadt aufgeben, den ÖPNV stärken und sich zur vernetzten Fahrradstadt mit gut ausgebauten Spuren wandeln, lautete die Forderung eines Bürgergremiums auf der „Konferenz der StadtmacherInnen“. Anfang des Monats diskutierten in München Fachleute und Öffentlichkeit über die Zukunft der Stadtplanung.

Städte im Schwitzkasten

Stadtentwicklung im Konflikt: Oktoberfest versus grüner Park

Mit welch schwierigen Interessenlagen Kommunen konfrontiert sind, zeigt ein Beispiel vom Tagungsort. Der Bürgerrat aus 130 zufällig ausgesuchten Münchnern und Münchnerinnen wünschte sich beispielsweise bessere Aufenthaltsqualität und Nutzungsmöglichkeiten der Theresienwiese. Diese innerstädtische Freifläche ist wegen der Aufbauten für das Oktoberfest jedes Jahr mehrere Monate lang für die Öffentlichkeit gesperrt. Außerhalb der Oktoberfestzeit wird die Fläche kaum bespielt. Auf diesem 42 ha großen, betonierten Gelände finden nur einige wenige Veranstaltungen statt.

Das Gremium hofft, dass seine Ideen möglichst in den Münchner Stadtentwicklungsplan (STEP 2040) einfließen. „Das sind tolle Vorschläge und Ideen“, lobte Münchens Oberbürgermeister, aber dies bedeute: Oktoberfest versus begrünter Theresienwiese. Grünflächen an anderen Plätzen seien denkbar. Und dem Vorschlag, „das Tal“ in eine Fußgängerzone umzuwidmen, würden offenbar viele Bürgerinnen und Bürger zustimmen – gemeint ist Münchens mittelalterliche alte Salzstraße, die direkt zum Marienplatz führt. Aktuell ist sie eine stark befahrene Geschäftsstraße. Die Geschäftsleute dort würden eine Umwidmung zur Fußgängerzone anders sehen.

Mut in der Stadtentwicklung von Metropolen wie New York lernen

Was passiert, wenn eine Kommune Mut fasst, zeigte Rasmus Duong-Grunnet an einem prominenten Beispiel: „There was no square in Times Square“, fasste der Direktor des Architekturbüros Gehl in Kopenhagen die Situation an New Yorks berühmten Broadway zusammen. Auf Fotos ist zu sehen, wie Pkw und Lieferwagen die vierspurige Straße dominieren, während sich die Fußgänger an den Rändern drängen.

Der Times Square in New York in alten Zeiten um das Jahr 1952. Der Verkehr drängt die Fußgänger an den Rand.
Foto: imago images/glasshouseimages/Angelo Rizzuto

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