Generationenstudie 24. Nov 2022 Von Wolfgang Schmitz Lesezeit: ca. 2 Minuten

Der Blick der Jugend auf die Zukunft verdüstert sich

Die aktuellen Krisen gehen nicht spurlos an der Jugend vorbei. Pandemie und Krieg hinterlassen ihre seelischen Spuren. Ängste verstärken das Verlangen nach Sicherheit. Deshalb sehen junge Menschen das Geld wieder als größten Motivationsfaktor bei der Arbeit.

Wenn sich junge Menschen mehr Fragen als Antworten stellen, führt das zwangsläufig zum Frust.
Foto: PantherMedia / ridofranz

In den vergangenen Monaten gab es viel Kritik an der jungen Generation. Sie sei wenig leistungsorientiert, habe von Wirtschaft keine Ahnung und sei nur auf sozialen Kanälen unterwegs. Ob das wirklich so ist, ist die eine Frage. Die andere ist, was sich hinter den Fassaden junger Menschen abspielt. Antworten darauf liefern jetzt die Jugendforscher Simon Schnetzer und Klaus Hurrelmann mit ihrer Trendstudie „Jugend in Deutschland“.

„Die junge Generation in Deutschland leidet unter der Last von vielfältigen Krisen. Die Einschränkungen aufgrund der Coronapandemie hinterlassen in der Psyche der Jugend dramatische Langzeitspuren“, heißt es in der Studie. Gleichzeitig verdüstere sich der Blick in die Zukunft unter dem Eindruck von Klimakrise, Krieg und Inflation zu einer unbequemen Gewissheit, dass die Wohlstandsjahre in Deutschland vorbei sind.

Die Umwelt und Flexibilität bei der Arbeit ist jungen Generationen wichtig

Die Jugend sieht Lebensqualität, wirtschaftliche Lage und gesellschaftlichen Zusammenhalt gefährdet

Demnach geben 25 % der befragten 14- bis 29-Jährigen an, mit ihrer psychischen Gesundheit unzufrieden zu sein. Bei 16 % macht sich Hilflosigkeit breit, 10 % berichten sogar von Suizidgedanken. Diese Werte seien seit der letzten Trendstudie vom Mai 2022 angestiegen. „Bei einer erschreckend großen Minderheit haben sich die psychischen Sorgen verfestigt und verdichtet, sodass dringende Unterstützung notwendig ist. Es ist nicht zu übersehen: Bei vielen jungen Menschen sind die Kräfte der psychischen Abwehr verbraucht und die Risikofaktoren mehren sich. Wir werten das als ein dringendes Warnsignal“, so die Studienautoren.

Lebensqualität, wirtschaftliche Lage, gesellschaftlicher Zusammenhalt und politische Verhältnisse werden aktuell deutlich schlechter empfunden als noch vor sechs Monaten. Auch die Erwartung an die Zukunft fällt deutlich negativer aus. Die größten Sorgen der Jugend sind Inflation (71 %), gefolgt von dem Krieg in Europa (64 %) und dem Klimawandel (55 %). Weitere schwierige und mit Sorgen verbundene Themen der Jugend sind die Wirtschaftskrise (54 %), Knappheit von Energie (49 %) und Altersarmut (43 %).

An der Spitze der befürchteten Auswirkungen des Ukrainekrieges stehen Preissteigerungen und Geldabwertung (69 %) sowie steigende Energie- und Rohstoffpreise (68 %) als auch die Sorge vor einer Zunahme von Flüchtlingsströmen (44 %). Weitere Auswirkungen, die viele umtreiben, sind ein Leben in Angst vor Krieg (35 %), die Ausweitung des Kriegs auf Deutschland (28 %), dass junge Menschen als Soldatinnen und Soldaten eingezogen werden (17 %) und Atomwolken über Deutschland (14 %). Der Krieg in der Ukraine wird, so lässt sich diese Tendenz interpretieren, von einer Mehrheit in der jungen Generation vor allem in seinen finanziellen und wirtschaftlichen Folgen gefürchtet.

Unter dem Eindruck der Krisenlage verschieben sich die Erwartungen an Beruf und Arbeit

Bei den konkreten Auswirkungen der Inflation gaben die Befragten an, es seien vor allem die Preissteigerungen bei Nahrungsmitteln (75 %) sowie bei Strom und Gas (72 %), die sie finanziell belasten. Mit Abstand folgen die Kosten für Mobilität/Verkehrsmittel (41 %), Miete (37 %) und Freizeitaktivitäten (34 %). Stark betroffen sind vor allem junge Leute, die nicht mehr bei den Eltern wohnen, sondern in einer eigenen Wohnung. „Eine erschreckende Erkenntnis ist, dass 20 % aller 14- bis 29-Jährigen angeben, Schulden zu haben“, betonen Schnetzer und Hurrelmann.

Arbeit: Generationenwissen als Schlüsselkompetenz

Unter dem Eindruck der Krisenlage verschieben sich die Erwartungen an Beruf und Arbeit, sodass Geld (60 %) erneut das Motivationsranking mit deutlichem Abstand vor Spaß (43 %) und dem Erreichen von Zielen (33 %) anführt. „Genug Geld ist für sich kein guter Motivator, doch es steht in Zeiten der Krisen für Sicherheit und stellt für viele die Grundvoraussetzung für Leistungsmotivation dar“, erklärt Simon Schnetzer den für Arbeitgeber und Führungskräfte herausfordernden Befund. Weitere wichtige Aspekte der Motivation junger Menschen sind die Sinnhaftigkeit der Tätigkeit (22 %) und Anerkennung (21 %) beispielsweise in Form von positivem oder konstruktivem Feedback.

Insgesamt wurden für die Studie 1027 junge Menschen befragt.

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