Studie zu Telekommunikationsnetzen 02. Jun 2020 Von Regine Bönsch

Glasfasernetze erweisen sich als nachhaltig

Im Vergleich zu Kupferleitungen verbrauchen Glasfasernetze bis zu 17-fach weniger Strom. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie, die der Bundesverband Breitbandkommunikation in Auftrag gegeben hat.


Foto: PantherMedia /alexlmx

Die Themen Digitalisierung und Nachhaltigkeit, die vor Corona in Deutschland und Europa ganz oben auf der politischen Agenda standen, müssen jetzt erst recht weiterverfolgt werden. Davon ist der Bundesverband Breitbandkommunikation, kurz Breko, überzeugt.

Einen wichtigen Beitrag zu mehr Klimaschutz und Nachhaltigkeit leisten echte Glasfasernetze, im Fachjargon Fibre to the Home, kurz FTTH. Sie sollten, so der Breko, die Grundlage für die fortschreitende Digitalisierung sein. Dies bestätigt ein aktuelles Gutachten von Kristof Obermann von der Technischen Hochschule Mittelhessen. Er hat die Nachhaltigkeit von reinen Glasfasernetzen im Vergleich zu kupferbasierten Telekommunikationsnetzen (Fibre to the Curb, FTTC) und damit auch zu Vectoring-Techniken untersucht.

Der Schwerpunkt der Untersuchung lag auf einer vergleichenden Darstellung des Energiebedarfs im laufenden Netzbetrieb. Bezogen auf den Stromverbrauch pro Bitrate kommt das Gutachten zu dem Ergebnis, dass kupferbasierte Netze bei einer angenommenen Auslastung von 50 % bis 100 % um das Drei- bis 17-Fache mehr Strom verbrauchen als echte Glasfasernetze.

Bei einer deutschlandweiten Versorgung mit echten Glasfasernetzen lassen sich pro 1 Gbit bis zu 1100 MW an elektrischer Leistung gegenüber kupferbasierten Netzen einsparen. Zum Vergleich: Das siebtgrößte deutsche Kohlekraftwerk „Schwarze Pumpe“ erreicht eine Leistung von 1600 MW.

Der Effekt zeigt sich auch in verschiedenen Szenarien – deutschlandweit, in städtischen ebenso wie in ländlichen Gebieten. „Obwohl wir in Bezug auf FTTC-Netze einige optimistische und für FTTH-Netze sehr konservative Annahmen getroffen haben, sind FTTH-Netze überall nachhaltiger als FTTC-Netze“, so Obermann. Das Gutachten zeige außerdem klar: Je stärker die Datenraten steigen, desto größer sei das Einsparpotenzial der Glasfaser.

Der Bundesverband Breitbandkommunikation mit seinen rund 200 Netzbetreibern fühlt sich durch dieses Ergebnissen bestätigt. Mit dem Fokus auf den jetzt auch wissenschaftlich bestätigten nachhaltigen Glasfaserausbau habe der Verband die Weichen richtig gestellt, ist Geschäftsführer Stephan Albers überzeugt.

Grund genug für den Breko in einem heute veröffentlichten Positionspapier auch Forderungen an die Politik zu formulieren. Dazu gehört u. a. der Start einer europäischen Kampagne zu Digitalisierung und Nachhaltigkeit im Rahmen der deutschen EU-Ratspräsidentschaft im zweiten Halbjahr 2020.

„Wenn wir es ernst meinen mit dem ,European Green Deal‘ und den Klimazielen 2030, müssen wir Nachhaltigkeit und Digitalisierung zusammen denken und stärker miteinander verknüpfen“, erklärt Gerold Janssen vom Leibniz-Institut für ökologische Raumentwicklung in Dresden, der Mitglied des Breko-Beirats ist. Glasfasernetze, die einen nahezu unbegrenzten Datentransport ermöglichten, seien die Grundlage für den Einsatz von digitalen Anwendungen zur Energie- und Ressourcenoptimierung. Die Politik müsse die Digitalisierung unter Einsatz der Glasfasernetze als wichtigen Hebel für die Erreichung der Klima- und Nachhaltigkeitsziele anerkennen und in ihre Strategien einbeziehen.

Die Corona-Krise habe, so der Bundesverband, gezeigt, welche Chancen in der Digitalisierung stecken. Die Vorteile seien für viele Menschen, Unternehmen und in der Verwaltung in den letzten Wochen und Monaten erlebbar geworden – ob im Homeoffice, beim Homeschooling, bei Videokonferenzen oder digitalen Angeboten der Verwaltung. Eine Rückkehr zum Status quo vor dem Lockdown dürfe es nicht mehr geben.

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