Autonomes Fahren vor dem Durchbruch 30. Apr 2024 Von Peter Kellerhoff Lesezeit: ca. 3 Minuten

Fahrerlose Lkw im Regelverkehr auf US-Highway

Im US-Bundestaat Texas nehmen Ende des Jahres autonome Lkw den Frachtverkehr auf. Ohne Fahrer geht es über 400 km von Dallas nach Houston und zurück.

Fahrerlose Lkw übernehmen erstmals in den USA auf dem Highway 45 zwischen Dallas und Houston reguläre Frachtfahrten, u.a. für Fedex.
Foto: Aurora

Ab Ende dieses Jahres plant die US-Firma Aurora, mit 20 fahrerlosen Lastwagen Fracht auf der Interstate 45 zwischen den Gebieten Dallas und Houston zu transportieren. Die selbstfahrenden Sattelschlepper der Marke Peterbilt, Modell 579, sind ausgestattet mit 25 Laser-, Radar- und Kamerasensoren und gehören der in Pittsburgh ansässigen Aurora Innovation Inc., einem auf selbstfahrende Fahrzeuge spezialisierten Technologieunternehmen. Fast 400 km geht es auf dem dreispurigen Highway entlang des Monongahela River, vorbei an Städtchen wie Fairfield und Buffalo, die namensgleichen Miniausgaben der viel größeren Städte in den Bundesstaaten Connecticut und New York.

Transportiert werden Ladungen zwischen Terminals von Fedex, Uber Freight, Werner und anderen. Aurora und die meisten Konkurrenten planen, Frachtrouten in Texas zu betreiben, wo Schnee und Eis im Allgemeinen selten sind. Unterwegs sind die Trucks dann nach dem Autonomielevel der Stufe 4 (s. Kasten), das heißt,  vollautomatisiert und ohne Fahrer.

Die einzelnen Level des automatisierten Fahrens. Grafik: VDA

Schon in Kürze sollen Tausende autonome Lkw auf die Straße

Vorausgegangen waren umfangreiche Tests. So erkannten die Sensoren des Fahrzeugs in einer Entfernung von 400 m eine Mülltonne, die eine Spur blockierte, und einen Reifen in einer anderen. In weniger als 1 s gab es ein Signal, der Lkw bewegte sich auf die freie Spur und rollte an den Hindernissen vorbei. Innerhalb von drei oder vier Jahren erwarten Aurora und seine Konkurrenten Tausende von selbstfahrenden Lastwagen auf Amerikas öffentlichen Autobahnen zu haben. Ziel ist es dabei, den Fluss von Waren zu beschleunigen, die Lieferzeiten zu verkürzen und dem Fahrermangel entgegenzuwirken, der auch in den USA immer größere Ausmaße annimmt.

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Die Zeichen für selbstfahrende Lkw stehen gut

Jahrelang schien es, als wäre das erste Projekt für autonome Fahrzeuge der Fahrdienst in großen US-Städten. Aber General Motors‘ Cruise-Robotaxi-Einheit hat mit den Folgen eines schweren Unfalls zu kämpfen. Und Alphabets Waymo stößt auf Widerstand bei der Ausweitung seines autonomen Fahrdienstes in Kalifornien. Deshalb stehen selbstfahrende Lastwagen offenbar kurz davor, die ersten computerkontrollierten Fahrzeuge in großer Anzahl auf öffentlichen Straßen zu werden.

Unternehmen dürfen in den USA selber entscheiden, wann sie ihre fahrerlosen Fahrzeuge auf die Straße bringen

Ein Szenario, das in Europa derzeit nicht denkbar ist, denn staatliche Regulierungen sind hier ganz anders als in den USA. Es gibt sie in vielen US-Bundesstaaten eigentlich gar nicht. In den USA ist es hauptsächlich den Unternehmen überlassen zu entscheiden, wann die Sattelschlepper sicher genug sind, um ohne Menschen an Bord zu fahren. Die US-Behörden haben schlicht nicht die Befugnis, autonome Fahrzeuge daran zu hindern, auf die Straßen zu gelangen. Wenn jedoch etwas schiefgeht, können sie Rückrufe verlangen oder Fahrzeuge außer Betrieb setzen.

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Doch Aurora beteuert, dass nichts schiefgehen wird: Seit 2021 hätten Aurora-Lastwagen autonom über 1,6 Mio. km auf öffentlichen Autobahnen mit menschlichen Sicherheitsfahrern an Bord abgespult. „Es gab nur drei Unfälle“, sagte Chris Urmson, Mitbegründer und CEO von Aurora. „Alle wurden verursacht durch Fehler von menschlichen Fahrern in anderen Fahrzeugen.“ Er weist darauf hin, dass die Laser- und Radarsensoren der Fahrzeuge weiter sehen können als menschliche Augen und die Lastwagen niemals müde bzw. abgelenkt werden oder durch Alkohol oder Drogen beeinträchtigt.

Phil Koopman, Professor an der Carnegie Mellon University, der Fahrzeugautomatisierung studiert, stimmt zwar zu, dass selbstfahrende Lastwagen theoretisch sicherer sein können. Aber er warnt davor, dass die Computer der Fahrzeuge zwangsläufig Fehler machen werden. Und wie sich die Lastwagen auf echten Straßen schlagen werden, hängt seiner Meinung nach von der Qualität ihrer Sicherheitstechnik ab.

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Um in die Gewinnzone zu kommen, muss Aurora viele Tausend Lkw autonom betreiben

„Wir möchten da draußen sein mit Zehntausenden von Lastwagen auf der Straße“, sagt Urmson. „Und um das zu tun, müssen wir sicher sein. Das ist der einzige Weg, wie die Öffentlichkeit es akzeptieren wird. Offen gesagt, das ist der einzige Weg, wie unsere Kunden es akzeptieren werden.“ Die Wettbewerber des Unternehmens – Plus.ai, Gatik, Kodiak Robotics und andere – planen ebenfalls, bald fahrerlose Lastwagen auf die Straßen zu bringen, um Fracht für Kunden zu transportieren. Gatik erwartet dies in diesem oder im nächsten Jahr; die anderen haben noch keine Zeitpläne festgelegt.

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