Sport und Freizeit 13. Jul 2022 Von Stefan Asche

3D-Druck erschafft Hightech-Helm und Mars-Mobil für Fahrradfahrer

Die Berliner Innovationsberatung nFrontier baut mithilfe der additiven Fertigung das abgespacte E-Bike „Uila“ sowie den Fahrradhelm „Pylo“, der bisher ungekannte Sicherheitsfeatures bietet.

„Uila“ sieht aus, wie von einem anderen Stern. Tatsächlich aber ist das Elektrofahrrad in Berlin entwickelt worden. Es soll Pendlern die Abkehr vom Auto vereinfachen. Zwei Nabenmotoren an der Hinterachse sollen das vierrädrige Gefährt künftig in Schwung bringen. Bei 25 km/h ist aber Schluss. Die Reichweite: Knapp 70 km. Der voraussichtliche Preis: vierstellig.
Foto: nFrontier

Was ist denn das!? Ist es ein Mobil für Marsmissionen? Oder eine Raumfähre aus dem Star-Trek-Universum? Weder noch. „Uila“ ist ein E-Bike! Und so viel ist sicher: Wer mit den vermeintlich eckigen Rädern durch die Stadt surrt, wird alle Blicke auf sich ziehen.

Noch ist Uila (samoisch für „Blitz“) lediglich ein Prototyp, entwickelt von der Innovationsberatung nFrontier. Doch die Berliner sind fest entschlossen, das vierrädrige Gefährt auf die Straßen dieser Welt zu bringen. „Wir wollen allen Berufspendlern und Touristen eine nachhaltige Mobilität ermöglichen“, so Stephan Beyer, Chief Venture Officer des Unternehmens.

Die Reichweite des E-Bikes Uila liegt bei 60 km bis 70 km

Bisher gibt es lediglich einen Prototypen. Aber wenn "Uila" wirklich ins Rollen kommt, sind dem Gefährt alle Blicke sicher.
Foto: nFrontier

Zur Technologie: Angetrieben wird Uila von zwei Radnabenmotoren an der Hinterachse. Jeder hat eine Leistung von 250 W. Ihre Energie beziehen sie aus einem Akku mit einer Kapazität von 1200 Wh. Die Reichweite liegt laut nFrontier bei 60 km bis 70 km.

Gedrucktes Fahrrad bietet Fahrspaß dank Form mit Funktion

Ambitionierte Sportler könnten die maximale Strecke aber erweitern. Dazu ist ein pedalbetriebener Aktuator verbaut. Gemeint ist eine Art Dynamo, der den Stromspeicher speist. Experten sprechen in diesem Zusammenhang von „Chainless Drive“, also einem kettenlosen Antrieb.

Verzögert wird mit zwei unabhängigen, hydraulischen Bremskreisläufen. Die Bremsscheiben sind montiert an den vier 20-Zoll-Rädern.

Am Heck des E-Bikes ist eine Art Kofferraum. Er bietet Platz für mindestens eine Getränkekiste.
Foto: nFrontier

Die maximale Geschwindigkeit liegt bei 25 km/h, die Gesamttrag­last bei 250 kg. „Es können also zwei erwachsene Personen bequem hintereinander sitzen“, erklärt Geschäftsführer Daniel Büning. „In dem Fall bietet die optionale Transportbox noch ausreichend Raum für eine Getränkekiste.“ Alternativ könne der hintere Sitz auch kurzerhand zum Stauraum umfunktioniert werden. „Dann verdreifacht sich das Transportvolumen etwa.“ Wem das noch nicht reiche, der könne sich eine Anhängerkupplung montieren lassen.

Die Verkleidung von Uila lässt sich individuell gestalten

Basis von Uila ist ein stabiler Rohrrahmen aus Aluminium. Verkleidet wird er mit Kunststoffteilen aus dem 3D-Drucker. Deren Optik können Käuferinnen und Käufer mitbestimmen. Dabei geht es nicht nur um die Farbe, auch die Form ist individualisierbar. Möglich macht das ein selbstentwickelter Konfigurator. Büning: „Darin enthalten ist beispielsweise ein Schieberegler, bei dem stufenlos zwischen einer eher runden Anmutung und einem kantigen, aggressiveren Auftritt gewählt werden kann.“ Gedruckt werde in Deutschland. Auf den Markt rollen soll Uila in etwa einem Jahr. Der Preis wird dann laut Büning „signifikant unter 10 000 €“ liegen.

Fahrradhelm Pylo schützt auch das Gesicht

Der Airbag für das Gesicht im Helm „Pylo“ öffnet sich in einer Zehntelsekunde. Ausgelöst wird er, wenn G-Sensoren hohe Beschleunigungswerte registrieren – etwa bei einem Sturz.
Foto: nFrontier

Früher am Start ist eine weitere fahrradnahe Innovation von nFrontier: der Helm „Pylo“ (abgeleitet griechisch: Helm). Seine Besonderheit: Er beherbergt einen Airbag für das Gesicht. „Bisherige Helme bewahren bestenfalls vor Schädel-Hirn-Traumen“, erläutert Büning. „Verletzungen im Gesicht kommen aber viel häufiger vor. Genau da setzen wir mit unserer Innovation an.“

Die Funktionsweise: Integrierte Beschleunigungssensoren überwachen laufend die Bewegungen des Radlers. Werden kritische Werte überschritten – etwa bei einem Sturz oder einer Kollision – füllen sich zwei Luftkissen innerhalb einer Zehntelsekunde und schießen vor das Gesicht.

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Doch das ist nicht alles: Pylo ist obendrein mit vier Lidarsensoren ausgestattet, die das gesamte Umfeld des Fahrers überwachen. „Nähert sich beispielsweise von hinten ein Lkw, ertönt im Kopfhörer eine richtungsdimensionale Warnung“, so Büning.

Wie bitte, Kopfhörer im Straßenverkehr? „Kein Problem“, so Beyer. „Die Buds verfügen über einen Transparentmodus. Umgebungsgeräusche können also problemlos wahrgenommen werden. Sie werden sogar verstärkt.“

In Zukunft wollen die Berliner zusätzlich ein aktives Warnsystem integrieren. Der Plan: In Lkw sollen Empfänger integriert werden, die ein Signal vom Helm empfangen. Tödliche Unfälle beim Rechtsabbiegen der Brummis könnten so verhindert werden.

Das Gewicht von Pylo ist kaum größer als das von klassischen Fahrradhelmen. Statt Hartschaumstoff sorgt nämlich eine sehr leichte, additiv gefertigte Wabenstruktur für die Stoßabsorption. „Der 3D-Druck ermöglicht uns außerdem, das Gitter genau dort zu verstärken, wo im Falle eines Unfalls in der Regel die meiste Energie einwirkt. Wir sprechen hier von digitaler Materialität.“

3D-gestricktes Textil sorgt für Tragekomfort beim Helm Pylo

Für Tragekomfort sorgt ein 3D-gestricktes Textil. Es schirmt die Wabenstruktur vom Kopf ab und garantiert neben einer ausreichenden Belüftung auch einen guten Sitz.

LED-Bremslichter, gekoppelt an die integrierten Beschleunigungssensoren, informieren den nachfolgenden Verkehr über etwaige Vollbremsungen.
Foto: nFrontier

Genau wie bei Uila soll auch Pylo individualisierbar sein. „So kann beispielsweise das Muster des Bremslichts, das ebenfalls an die G-Sensoren angeschlossen ist, weitgehend frei gewählt werden“, so Büning. Die Form hingegen sei fix.

Der Preis des Fahrradhelms dürfte bei rund 300 € liegen

Und der Preis? Den bestimmt letztlich der Hersteller. nFrontier liefert beim Pylo lediglich das Know-how. „Aber ganz günstig wird es wohl nicht“, räumt Beyer ein. „Mit rund 300 € muss man rechnen.“

Die Gründer von nFrontier: Daniel Büning, Stephan Beyer und Pervin Adiyaman (v.l.). Sie bringen mit ihrem Team neue Ideen in Firmen mit Innovationsdruck.
Foto: nFrontier

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