Produktion und Nachhaltigkeit 16. Dez 2022 Von Tobias Meyer

CO2-Bilanz von Lieferketten: Wieso sich ein Forstdienstleister bei einer Plattform für die Industrie engagiert

Das Netzwerk Estainium will die CO2-Daten von Produkten entlang der gesamten Lieferkette erfassen. Neben Siemens sticht ein kleiner Forstdienstleister als Gründungsmitglied des Vereins heraus.

CO2-Bilanzen in der Industrie gewinnen in Deutschland und Europa immer mehr an Bedeutung. Eine Cloud-Plattform soll nun dabei helfen, diese entlang der Wertschöpfungskette zu erfassen. Mit dabei ist ein Unternehmen aus der Forstwirtschaft.
Foto: PantherMedia / malpetr

Wenn Buchenkronen absterben, kann das aufgrund von Kavitation geschehen: „Das Wasser wird ab einer bestimmten Höhe im Stamm unpumpbar, infolge des mit der Temperatur auch steigenden Dampfdrucks“, erklärt Ulrich Grauvogel. „In diesem Fall stirbt nicht der ganze Baum, sondern nur die oberen Äste, weiter unten treibt er sogar neu“, verdeutlicht der Mitbegründer von Bison Forest. Dann fallen Schlagwörter wie „vertikale Integration“ oder „Continuous Flow“.

Führt man ein Gespräch mit Grauvogel, erkennt man schnell seine beiden Leidenschaften: Ingenieurwesen und Forstwirtschaft. Das machte ihn zu einem passenden Ansprechpartner für die Gründer des Estainium-Vereins, der im Mai 2022 von Siemens auf der Hannover Messe vorgestellt wurde.

Product Carbon Footprint: Individueller CO2-Fußabdruck des Produkts als Ziel

Dahinter steckt die Idee eines Netzwerks, in dem Industriebetriebe die CO2-Abdrücke ihrer Produkte für ihre Kunden geschützt zugänglich machen. Denn der größte Teil der Emissionen entsteht nicht im Endprodukt, sondern weiter vorne in der Lieferkette. Klimatechnisch bessere Zulieferer – etwa solche mit eigenem Solarstrom – werden bisher aber meist genauso in den CO2-Abdruck eines Produkts einkalkuliert wie reine Kohlestromnutzer. Denn mangels genauer Daten nutzt man branchenübliche Mittelwerte.

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Das Netzwerk Estainium soll das ändern und die Möglichkeit bieten, mit den exakten Emissionswerten jeder Firma zu arbeiten und so den gesamten Produktionsprozess transparenter zu machen. Gründungsmitglieder sind Industriegrößen wie Merck, Weidmüller, Faber-Castell und der TÜV-Süd. Grauvogel ist als Vertreter des kleinen, aber überregional arbeitenden Forstdienstleisters Bison Forest mit Sitz in Wiesbaden mittendrin.

Forstdienstleister Bison Forest „fertigt“ Pflanzpatronen für Baumsetzlinge

Das Portfolio seines Unternehmens besteht dabei nicht nur aus klassischen Tätigkeiten wie Holzernte und Aufforstung. Vor einigen Jahren erfand der Forstunternehmer Johannes Wagner ein Vorzuchtverfahren für Waldbaumsetzlinge, mit dem die Nachteile sowohl wurzelnackter Pflanzungen als auch geschlossener Pflanzcontainer der Vergangenheit angehörten. Stattdessen keimen die Samen in einer Netzstruktur – Patrone genannt – aus einer Vielzahl möglicher biogener Werkstoffe. Die Anwuchsraten in Pilotprojekten waren reproduzierbar derart erfolgreich, dass sich für Wagner bald das Lieblingsproblem eines jeden Erfinders einstellte: Kunde droht mit Auftrag. Zur echten Massenproduktion hatte Wagner aber mehr Fragen als Antworten.

Automatisierung für Nachhaltigkeit: Die pflanzfertige Patrone, wenige Wochen nach der Keimung, ist von der Industrie inspiriert.
Foto: BISON FOREST

Auftritt Ulrich Grauvogel: Der selbstständige Interimsmanager ist Ingenieur für Fertigungstechnik mit Erfahrung aus vielen Industrialisierungsprojekten rund um den Globus. In der Heimat ist er dagegen vor allem eines: leidenschaftlicher Waldbesitzer, dem Erde unter den Fingernägeln mehr Freude als Ärgernis ist. Zusammen brachte man 2018 als Bison Forest – Wagner ist Geschäftsführer – die Pflanzpatronen zur Marktreife. Inzwischen kratzt man stückzahltechnisch bereits an der Million.

Automatisierte Aufzucht von regionalem Saatgut für die Aufforstung

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