Digitalisierung der Produktion 06. Sep 2022 Von Manfred Schulze

Datenaustausch in der Industrie: Manufacturing X bleibt ein Phantom

Offiziell redet noch niemand über das virtuelle Vernetzungsprojekt „Manufacturing X“. Doch der Druck wächst, die Digitalisierung und Vernetzung in der deutschen Industrie zu forcieren. Was bereits bekannt ist.

Unternehmen sollen sich in virtuellen Datenräumen sicher vernetzen können. Wie gut die die digitalen Plattformen von Industrieunternehmen angenommen werden, hängt dabei aber stark von der Vertrauenswürdigkeit der Infrastruktur ab.
Foto: panthermedia.net/ vizualni

Mitte August schlug Telekom-Chef Timotheus Höttges Alarm. Nach seiner Ansicht bröckelt das Label „Made in Germany“ überall. Er ist, wie auch andere Firmenlenker, der Meinung, dass Deutschlands wirtschaftliche Zukunft letztlich vom Tempo bei der Digitalisierung abhängt – und das sei viel zu gering. Dass die Digitalstrategie auch in der Industrie inzwischen Chefsache ist, dürfte kaum noch irgendwo in Abrede gestellt werden. Die Steuerungen in den Werken brauchen immer mehr Daten. Die Knappheit bei Fachkräften, Energie und Rohstoffen wäre sonst kaum zu bewältigen. Zudem verlangen die großen Hersteller zunehmend von ihren Lieferanten, dass für ihre Produkte neben einer digitalen Fertigungsdokumentation auch detaillierte Informationen über die vorgelagerten Lieferketten, über Transporte und zum CO2-Fußabdruck geliefert werden.

Die Bedeutung für die deutsche Industrie wurde auch auf politischer Seite längst erkannt. Bereits 2013 wurde dazu die Plattform Industrie 4.0 geschaffen, die inzwischen vom Bundeswirtschaftsministerium sowie dem Bundesforschungsministerium geleitet wird. Sie soll jetzt auf eine neue Stufe gehoben werden. Das Projekt gilt als besonders anspruchsvoll, doch es scheint derzeit Sand ins Getriebe geraten zu sein.

Software-Konzern SAP preschte vor und machte Manufacturing X öffentlich

Derzeit scheint es in den verantwortlichen Ministerien dazu keine klare Linie zu geben. Hinsichtlich des Ende August beispielsweise durch den Software-Konzern SAP an die Öffentlichkeit gelangten Projektnamens „Manufacturing X“, mit dem die Automobilplattform „Catena X“ deutlich ausgeweitet werden soll, ist von offizieller Seite auch auf Nachfragen nichts zu hören. Auch bei den Unternehmen, wie etwa dem SAP-Konzern, die ein erhebliches wirtschaftliches Interesse an einer solchen Plattform haben dürften, wird derzeit wieder eisern geschwiegen. Es sei noch zu früh dazu mehr zu sagen, lässt ein Sprecher von SAP wissen, wobei der Konzern als einer der Treiber des Projektes gilt.

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