Excellence in Production 27. Okt 2022 Von Martin Ciupek

Der beste Werkzeugbau 2022: Stepper holt zum zweiten Mal den Gesamtsieg

Elf Unternehmen hatten es in das Finale des Wettbewerbs Excellence in Production geschafft. Gestern wurden die besten ausgezeichnet. Für Organisator Günther Schuh von der RWTH Aachen gilt der Werkzeugbau als „Königsdisziplin der Industrieproduktion“.

Bester Werkzeugbau 2022: Das Team der Fritz Stepper GmbH&Co. KG, um Geschäftsführer Michael Stepper (2. v. li.) ist Gesamtsieger im Wettbewerb "Excellence in Production".
Foto: M. Ciupek

Wandlungsfähig zeigt sich der deutschsprachige Werkzeugbau. Das wurde gestern bei der Preisverleihung zum Wettbewerb „Excellence in Production“ im geschichtsträchtigen Krönungssaal des Aachener Rathauses deutlich. Elf Unternehmen hatten es unter die Finalisten geschafft – darunter auch zwei Teams des Automobilherstellers BMW aus den Werken Landshut und München. Nach zwei Jahren Corona-Pandemie mit unterbrochenen Lieferketten und Produktionsstillständen in den Abnehmerbranchen sowie dem Wandel im Automobilbau und der Industrieproduktion durften sich alle Teams über die Anerkennung ihrer Leistung freuen. „Die Branche bleibt dran“ und habe sich in der Krise robust gezeigt, lobte Günther Schuh, Direktor vom Werkzeugmaschinenlabor (WZL) an der RWTH Aachen und Organisator der Veranstaltung. Das Niveau der Finalisten sei in diesem Jahr „extrem hoch“, hob der Produktionswissenschaftler hervor. So lagen auch die Gewinner in den vier Kategorien – wo u. a. zwischen internem und externem Werkzeugbau unterschieden wird – sehr eng beieinander.

Der Wettbewerb Excellence in Production

Schuh bezeichnete den Werkzeugbau als „Königsdisziplin der Industrieproduktion“, in der Teamfähigkeit ein wichtiges Erfolgskriterium sei. Als künftige Herausforderung nannte er die Kreislaufwirtschaft sowie die Transparenz bei Nachhaltigkeitskriterien. Beispielsweise würden an verschiedenen Instituten in Aachen Lösungen erarbeitet, um genaue CO2-Äquivalente für die Werkstückbearbeitung erfassen zu können.

Externer Werkzeugbau: Gesamtsieger Stepper bestätigt seine Leistung von 2019

In dem engen Finale um den Titel „Werkzeugbau des Jahres 2022“ setzte sich die Fritz Stepper GmbH & Co. KG aus Pforzheim durch, die gleichzeitig Sieger in der Kategorie externer Werkzeugbau mit mehr als 50 Mitarbeitenden wurde. Auf den Werkzeugen des Unternehmens werden beispielsweise elektrische Kontakte und Elektronikkomponenten in großen Stückzahlen aus Metallblechen gestanzt und umgeformt. Die Jury überzeugte dabei vor allem die technologische Leistungsfähigkeit des Teams um Geschäftsführer Michael Stepper, der den Preis entgegennahm. Besonders hervorgehoben wurden der Maschinenpark höchster Qualität, proaktive Kooperationen mit führenden Werkzeugmaschinen- und Anlagenherstellern sowie der hohe Automatisierungsgrad in sämtlichen Fertigungstechnologien und ein sehr geringes Durchschnittsalter der Beschäftigten.

Hier finden Sie Kurzporträts aller Finalisten

Bereits 2019 hatte das Unternehmen auch anhand seiner hervorragenden Kennzahlen und seiner Technologieführerschaft bei hochpräzisen Folgeverbundwerkzeugen den Gesamtsieg erzielt. Auch in diesem Jahr konnte Stepper auf organisatorischer Seite glänzen. Laut Jury gewährleiste beispielsweise die effiziente Planung durch den Einsatz standardisierter Arbeitspläne im eigens entwickelten ERP-System die automatisierte Einplanung von Aufträgen. Zudem würden die Auszubildenden früh in produktive Prozesse einbezogen. Auch die sehr hohe Eigenverantwortung der Mitarbeitenden gefiel der Jury.

Ebenfalls im „externen Werkzeugbau“, aber in der Kategorie der Unternehmen mit bis zu 50 Mitarbeitenden, konnte sich die RKT Rodinger Kunststoff-Technik GmbH aus Roding in der Oberpfalz durchsetzen. RKT ist Hersteller von Spritzgieß-Werkzeugen, Anlagen und Sondermaschinen für die Medizintechnik und die Elektroindustrie. Hier überzeugte die Jury besonders die systematische Implementierung von Lean-Prinzipien im Werkzeugbau. Durch ein strukturiertes Fehlermanagement inklusive Ursachenanalyse und Wirksamkeitsprüfung würden beispielsweise die implementierten Maßnahmen im Alltag kontinuierlich überprüft. Das Unternehmen nutze zudem standardisierte Arbeitsplanvorlagen und habe eine gute Planungssystematik mit transparenter Projektverfolgung. Darüber hinaus engagiere sich RKT in besonderem Maße für Nachhaltigkeitsinitiativen auf der gesamten Unternehmensebene.

Grund zum Feiern: Im Krönungssaal des Aachener Rathauses hielt Steffen Drabek, Director Electrified Powertrain Technology vom Vorjahressieger ZF Friedrichshafen AG aus Schweinfurt, die Laudatio für den Gesamtsieger 2022.
Foto: M. Ciupek

Überraschung im internen Werkzeugbau: Igus vor zwei Teams von BMW und Fischer

Besonders spannend ging es in diesem Jahr in der Kategorie „interner Werkzeugbau ab 50 Mitarbeitende“ zu. Hier waren diesmal zwei Teams des Automobilherstellers BMW mit unterschiedlichem Fokus angetreten, die sich mit dem Werkzeugbau des Dübelspezialisten Fischer Werkzeug- und Formenbau GmbH in Horb am Neckar und des Kunststoffspezialisten Igus GmbH aus Köln messen durften. Am Ende konnten sich die Kölner freuen. Hier zeigte sich die Jury besonders von der organisatorischen Exzellenz bei Igus beeindruckt. Diese äußere sich in einem hohen Grad an Standardisierung und Automatisierung in der Auftragsabwicklung.

Lesetipp: Das zeichnet den Werkzeugbau des Jahres 2021 aus – ZF in Schweinfurt

Durch eine automatisierte, regelbasierte Vermeidung von Engpässen minimiere Igus beispielsweise Planungsaufwände. Zudem nutze das Unternehmen eine standardisierte, automatisierte Kalkulation für ihr Produktspektrum. Auch die Konstruktion sei aufgrund des modularen Werkzeugaufbaus weitreichend standardisiert. Besonders aufgefallen war der Jury dabei eine spezielle „Fast Line“ im Werkzeugbau des Herstellers von Energieketten, Gleitlagern und Robotern aus Kunststoff. Diese halte für alle relevanten Technologien des Werkzeugbaus passende Anlagen vor und stehe ausschließlich für Eilaufträge zur Verfügung. Damit könnten bereits innerhalb von sieben Tagen nach Kundenauftrag erste Teile auf den Werkzeugen hergestellt werden.

In der Kategorie mit bis zu 50 Mitarbeitenden durfte sich der interne Werkzeugbau der Böllhoff Produktion GmbH aus Bielefeld über den Sieg freuen. Das Unternehmen ist auf Verbindungstechnik spezialisiert. Hier hob die Jury die definierte Industrie-4.0-Umsetzungsstrategie hervor, zu der die Konzeption konkreter Lösungen und die gute Nutzung technologieübergreifender Automatisierungslösungen zähle. Im Zuge der Industrie-4.0-Umsetzung habe Böllhoff seine Produktionsstandorte zur Übersicht über den aktuellen Werkzeugstatus in der Produktion vernetzt. Falls ein Problem mit einem Werkzeug auftrete, werde nun auf einem Dashboard mittels Farbcodierung die Störungsursache dargestellt.

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