Automobilgeschichte 17. Mrz 2023 Von Hans W. Mayer Lesezeit: ca. 4 Minuten

Als der Opel Rekord dem VW Käfer Konkurrenz machte

Der am 19. März 1953 auf der IAA vorgestellte Opel Rekord war eines der beliebtesten Opel-Modelle aller Zeiten. Erst nach mehr als drei Jahrzehnten wurde die Serie eingestellt.

Das Werbefoto von Opel demonstriert, wie sehr der Rekord die Sehnsüchte im Nachkriegsdeutschland nach Reisen und Wohlstand ansprach.
Foto: Opel Automobile GmbH

Zehnmal wechselte er im Laufe seines 33-jährigen Lebens seinen Anzug und ließ sich liften, wurde immer größer, stärker und schwerer. Als er im März 1953 zur Welt kam, war er ein Auto für Besserverdienende. Später sah man – vor allem in der geräumigen Caravan-Ausführung – vorwiegend Handwerker und Außendienstler darin sitzen. In seinen letzten Lebensjahren kauften ihn hauptsächlich Rentner, die sich vom Volkswagen Käfer über Kadett und Ascona zu ihm hochgedient hatten. Mit rund 7,3 Mio. Exemplaren bis zur Produktionseinstellung im August 1986 war der am 19. März 1953 auf der Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) in Frankfurt vorgestellte Opel Olympia Rekord eines der beliebtesten Opel-Modelle aller Zeiten.

DeLorean DMC-12 aus „Zurück in die Zukunft“: erst Flop, dann Kult

Nicht nur im nostalgischen Rückblick aus der von Elektronikpannen und Rückrufaktion heimgesuchten Gegenwart erscheint der Opel Rekord wie ein Auto aus einer besseren Zeit, er war es tatsächlich. „Ein wirtschaftlicher, in jeder Hinsicht unproblematischer Wagen“, urteilte einst wohlwollend der ob seiner bissigen Kritik berüchtigte Automobilchronist Werner Oswald. Viele Jahre lang war er hinter dem Wolfsburger Käfer das meistverkaufte Auto in Deutschland.

Der erste Opel Rekord bekam den Motor des Opel Olympia und die Lenkung des Opel Kapitän

Das Opel-Rezept von 1953 war einfach, traf aber voll den Geschmack der Kunden. Man nehme bewährte Vorkriegszutaten wie den kurzhubigen 1,5-l-Vierzylinder, der bereits im Olympia von 1938 debütiert hatte, die Vorderachse des bis 1952 gebauten Nachkriegs-Olympia, die Lenkung vom Opel Kapitän und garniere das Ganze mit einer amerikanisch angehauchten Pontonkarosserie – der dritten auf dem deutschen Markt nach Borgward Hansa 1500 (1949) und Ford 12 M (1952). Das 29 kW bei 3800 min-1 leistende Graugusstriebwerk verhalf der 4,24 m langen und 920 kg schweren Stufenhecklimousine zu 115 km/h Höchstgeschwindigkeit. Der Kraftstoffverbrauch war mit 8,2 l Normalbenzin/100 km für damalige Zeiten recht bescheiden.

Die Betätigung des teilsynchronisierten Dreiganggetriebes – zweiter und dritter Gang – mittels Lenkradschaltung galt als technischer Fortschritt. Im September 1953 folgte die Caravan genannte Kombiversion, ab März 1954 gesellte sich eine Cabriolimousine hinzu. Diese in der Vorkriegszeit recht beliebte Karosserievariante mit feststehenden Seitenfenstern baute Opel als letzter deutscher Hersteller noch bis 1956.

In der Bildergalerie erfahren Sie mehr zur vielfältigen Modellgeschichte des Opel Rekord:

Wer sich in den 1950er-Jahren einen Opel Rekord leisten konnte, der hatte den sozialen Aufstieg geschafft. Dieser Traum spiegelte sich in der Werbung wider.

Foto: Opel Automobile GmbH

Das erste Auto war für viele Deutsche ein VW Käfer – oder der Opel Kadett, hier die Version B von Anfang der 1970er-Jahre. Mit steigendem Einkommen und wachsender Familie konnte man zum Rekord wechseln.

Foto: Opel Automobile GmbH

Die Kombiversion des Opel Olympia Rekord war naturgemäß besonders bei Handwerkern und Jägern beliebt.

Foto: Opel Automobile GmbH

Für den Opel Rekord von 1953 verwendeten die Rüsselsheimer Autobauer bewährte Komponenten: einen 1,5-l-Vierzylinder von 1938, die Vorderachse des bis 1952 gebauten Nachkriegs-Olympia und die Lenkung vom Opel Kapitän.

Foto: Opel Automobile GmbH

Dieses Opel-Rekord-Coupé tarnte sich mit seiner Commodore-Front als Sechszylinder.

Foto: Steinmüller

Bis einschließlich 1957 wechselte der Rekord in schöner Regelmäßigkeit nach den jährlichen Werksferien Kühlergrill, Stoßstangen, Scheinwerfer und Heckleuchten. Zwischen 1955 und 1957 gab es für einige Hundert Mark weniger eine abgespeckte Version namens Olympia ohne Rekord-Emblem und mit deutlichen Abstrichen an Innenausstattung und Chromschmuck. Das letzte Modell dieser ersten Rekord-Baureihe kostete 1957 mit 6260 DM sogar 150 DM weniger als der Debütant von 1953. Hinzu kamen allerdings 160 DM Aufschlag für die „Frischluftheizung“, in jenen bescheidenen Zeiten ein Luxusaccessoire, das in die für die südeuropäischen Märkte bestimmten Exportmodelle serienmäßig gar nicht erst eingebaut wurde. Der zuvor noch fußbetätigte Starterknopf war 1957 einem modernen Zündanlassschalter neben dem Lenkrad gewichen und das Dreiganggetriebe war erstmals vollsynchronisiert.

Der Olympia Rekord P bescherte eine Designrevolution

Im August 1957 löste der Nachfolger Olympia Rekord P – von Oldtimerfreunden gerne P 1 genannt – eine kleine Designrevolution aus. Inspiriert vom Styling des Chevrolet Bel Air brachte der um 19 cm länger gewordene P 1 mit seinen aufsehenerregenden Panorama-Front- und Heckscheiben US-amerikanisches Traumwagenflair nach Deutschland. Zwar lädierte man sich an der weit herumgezogenen A-Säule beim Einsteigen gerne das Knie, aber nur böse Zungen behaupteten, dies sei der Grund für die ab September 1958 erhältliche automatische Kupplung Olymat gewesen.

Dieses Video erinnert an die Schwarze Witwe – den Opel Rekord im Rennsporteinsatz

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