Ausstellung 31. Okt 2014 Johannes Wendland Lesezeit: ca. 3 Minuten

Werkstoff Bakelit im Blick

„Bakelit – Vom Kunststoffdesign der 1920er bis 1950er Jahre“ heißt die Ausstellung im Museum für angewandte Kunst in Gera. Das schwarze oder braune oder braunrote Material wurde für Telefone und Rauchutensilien, Lichtschalter und Isolatoren, Radiogeräte und Tischuhren, Staubsauger und Kaffeemaschinen verwendet.

Ein Telefon aus Bakelit: Bakelit war lange Zeit beliebter Werkstoff. Telefone, Zigarettenspitzen, Radios und andere Gegenstände wurden daraus gefertigt.
Foto: imago/chromorange

Bakelit ist ein vollsynthetischer Kunststoff, der aus Phenol und Formaldehyd besteht. Dieser Kunstharz bildet eine formbare, weiche Masse, die sich in vielerlei Formen pressen lässt. Ausgehärtet ist Bakelit duroplastisch, das heißt, der Kunststoff lässt sich durch erneutes Erhitzen nicht mehr verformen. Einzig bei der Bruchfestigkeit weist Bakelit Mängel auf.

Kurz notiert
„Bakelit – Vom Kunststoffdesign der 1920er bis 1950er Jahre“ bis 31. 12. im Museum für angewandte Kunst, Greizer Str. 37, Gera. Mi-So 12 Uhr bis 17  Uhr.

Entdeckt wurde Bakelit zu Beginn des 20. Jahrhunderts von dem belgischen Chemiker Leo Hendrik Baekeland, der den Stoff in den USA und in Deutschland 1907 patentieren ließ. In Erkner bei Berlin gründete Baekeland zusammen mit dem Steinkohlenteer-Fabrikanten Julius Rütgers 1910 die Bakelite GmbH. Bald breitete sich der vielseitig nutzbare Stoff aus. Das schwarze, braune bis braunrote Material wurde für Telefone und Rauchutensilien, Lichtschalter und Isolatoren, Radiogeräte und Tischuhren, Staubsauger und Kaffeemaschinen verwendet und wurde zu einem Signum der Ästhetik in den 1920er- bis 1950er-Jahren.

Inzwischen ist Bakelit im Gebrauchsdesign von anderen Kunststoffen abgelöst worden. Gegenstände aus Bakelit lösen inzwischen Nostalgie und Wiedersehenseffekte aus, wie derzeit in der Sonderausstellung „Bakelit – Vom Kunststoffdesign der 1920er bis 1950er Jahre“ im Museum für angewandte Kunst in Gera zu besichtigen. Das schwarze Telefon mit Wählscheibe und Kordelschnur – in der Ausstellung durch ein DDR-Exemplar aus dem VEB-Gerätewerk Karl-Marx-Stadt vertreten – repräsentiert den Werkstoff Bakelit vielleicht in seiner verbreitetesten Form. Die Ausstellung baut vor allem auf den Beständen des Sammlers Peter Flier aus Lohmar auf, der in über 30 Jahren mehr als 1000 Bakelit-Objekte aus der ganzen Welt zusammengetragen hat. In Gera sind diese Gegenstände durch Exponate aus dem eigenen Bestand sowie aus weiteren Privatsammlungen ergänzt worden.

Nach Themengruppen werden die Gegenstände in Vitrinen präsentiert, die Beschriftung ist sparsam – wodurch eine leider insgesamt ziemlich fantasie- und leblose Ausstellung entstanden ist.

Der alltagskulturelle Bezug der einzelnen Gegenstände, die Einbettung der zum Teil hinreißenden Designs in das ästhetische Umfeld ihrer Zeit, der „Kult“-Effekt, den viele Objekte heute angenommen haben – all dies bleibt ausgespart. Der Ausstellung merkt man die prekäre Lage des von der Schließung bedrohten Museums an. Mit einer ansprechenderen Ausstellungsgestaltung, die über das „Spezialisten“-Publikum hinaus eine breitere Öffentlichkeit begeistert hätte, würde man den Kulturpolitikern in Thüringen die Entscheidung über die Zukunft des Hauses weitaus schwerer machen. So spaziert der Besucher durch die Säle des Museums, bleibt mal hier und mal dort stehen, und entdeckt doch schöne Gegenstände, die einen Reiz haben. Dazu zählt etwa der Ventilator Calor aus Frankreich, dessen geschwungener Ständer aus kastanienbraunem Bakelit besteht. Dazu zählt die Koffernähmaschine Freia aus den 1950ern, in Thüringen hergestellt, deren rotbrauner Nähmaschinencorpus farblich raffiniert auf das Kunstleder des Koffers und der Basis abgestimmt ist. Dazu zählen die vielen Radioapparate aus Bakelit, darunter auch der berühmt-berüchtigte Volksempfänger, aus dem die Hetzreden von Adolf Hitler in den deutschen Wohnzimmern erschallten. Oder auch topmoderne Haushaltsgeräte aus den frühen Jahren der DDR, als die Designer an die Bauhaus-Ästhetik anschlossen und Bakelit als beständiger Werkstoff verfügbar war.

Bakelit war der „Kunststoff der tausend Möglichkeiten“, wie Erfinder Baekeland selbst darüber sagte. Und doch kam der Boom des Materials in der Mitte des Jahrhunderts zu einem jähen Ende, als neue Kunststoffe wie etwa PVC noch bessere Eigenschaften und eine größere Vielfalt etwa bei der Farbigkeit boten. Die Gegenstände, die die Menschen im Alltag umgaben, wurden heller und bunter. Bakelit wird heute nur noch dort verwendet, wo die Brandfestigkeit und die chemische Beständigkeit des Materials Vorteile bieten, etwa bei Isolationsmaterialien.

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