Mobilfunk 26. Mai 2021 Von Regine Bönsch

Smartphones bekommen Öko-Punkte für Nachhaltigkeit

Führende europäische Mobilfunkbetreiber haben heute angekündigt, ab Juni ein gemeinsames Öko-Rating für Smartphones einzuführen. So sollen Kundinnen und Kunden mehr über Nachhaltigkeit und Reparaturfähigkeit ihrer Geräte erfahren.


Foto: PantherMedia / maxxyustas

Deutsche Telekom, Orange, Telefónica, Telia Company und Vodafone haben gemeinsam mit Geräteherstellern eine Nachhaltigkeitsbewertung für Smartphones ins Leben gerufen. Das sogenannte „Eco Rating“ soll ab Juni in ganz Europa starten und zunächst Mobiltelefone von zwölf Anbietern analysieren.

Ziel ist es, Kundinnen und Kunden Auskunft über die Nachhaltigkeit und Reparaturfähigkeit von Smartphones zu geben. Das Label soll die Verbraucher dabei unterstützen, besonders nachhaltige Mobiltelefone zu erkennen und miteinander zu vergleichen. Und zugleich möchten die Initiatoren Hersteller dazu anregen, ihre Geräte zu verbessern.

Chinesen dabei, Apple und Fairphone fehlen

Zunächst werden Smartphone-Modelle von zwölf verschiedenen Anbietern bewertet; es ist geplant, dass weitere Marken in Zukunft folgen. Zu unseren Launch-Partnern gehören u. a. die Chinesen von Xiaomi, ZTE, Oppo, OnePlus und Huawei, die koreanische Samsung, der Seniorenhandy-Anbieter Doro, Nokia-Nachfolger HMD Global, die französische MobiWire, Motorola/Lenovo, TCL/Alcatel und Bullit mit Cat-Phones. Zwei wichtige Player fehlen allerdings: Apple und Sony.

Auffällig ist auch, dass der niederländische Hersteller Fairphone, der nach Einschätzung vieler Experten aktuell die umweltfreundlichsten Smartphones anbietet, nicht auf der Liste der Kooperationspartner steht. Eine Sprecherin von Fairphone begrüßte gegenüber der dpa die Initiative prinzipiell als „einen wichtigen Schritt in die richtige Richtung für die Branche hin zu einem nachhaltigeren Ansatz“, kritisierte aber das Bewertungssystem. Bei Fairphone gingen Umwelt- und Sozialverantwortung Hand in Hand, um einen nachhaltigen Systemwandel zu erreichen.

Bewertung des gesamten Lebenszyklus

Nach einer eingehenden Bewertung erhält jedes Mobiltelefon eine Gesamtnote von maximal 100 Punkten, mit der die Umweltverträglichkeit des Geräts über seinen gesamten Lebenszyklus hinweg abgebildet wird. Darüber hinaus wird das Eco-Rating-Label fünf wesentliche Aspekte der Nachhaltigkeit von Mobilfunkgeräten beleuchten und dadurch Aufschluss über Langlebigkeit, Reparaturfähigkeit, Recyclingfähigkeit, Klimaverträglichkeit und Ressourcenschonung der einzelnen Geräte geben. Akku-Lebenszeiten werden dabei ebenso beleuchtet wie Garantiezeiten, der Einsatz von Rohstoffen und die Möglichkeit, verwendete Wertstoffe zurückzugewinnen.

Das Eco Rating basiert auf Branchenkenntnissen und bewährten Verfahren, die im Rahmen von früheren Initiativen zur Umweltkennzeichnung identifiziert wurden. Es wurde mit technischer Unterstützung der Ihobe, einer spanischen staatlichen Organisation mit den Schwerpunkten wirtschaftliche Entwicklung, Nachhaltigkeit und Umwelt, sowie unter Beteiligung verschiedener Gerätehersteller entwickelt. Dabei sind die neuesten Normen und Richtlinien der Europäischen Union, der ITU-T, der Etsi und der ISO zugrunde gelegt worden.

CEOs betonen gemeinsame Verantwortung

„Es liegt in unserer gemeinsamen Verantwortung, auf eine nachhaltigere Zukunft hinzuarbeiten. Daher sind wir der Auffassung, dass es Zeit für die Einführung eines einheitlichen, branchenweiten Eco-Rating-Systems ist, das für eine höhere Transparenz sorgt und dazu beiträgt, das Bewusstsein der Kunden für die Umweltauswirkungen von Mobiltelefonen zu schärfen“, das verkündeten die Vorstandsvorsitzenden der fünf Mobilfunkbetreiber unisono – von Tim Höttges, CEO der Deutschen Telekom, über José María Álvarez-Pallete von Telefónica bis hin zu Nick Read von der Vodafone Group.

Reparierbare Geräte konstruieren

Auch Kilian Kaminski, Mitbegründer von Refurbed, einem Onlinemarktplatz für wiederaufbereitete Gebrauchtprodukte, freut die Initiative: „Bislang war es sehr schwer für Kundinnen und Kunden, vor dem Kauf Informationen über die Reparierbarkeit und Wiederwendbarkeit zu erhalten. Jetzt sind allerdings auch die Hersteller am Zug: Sie müssen sich ihrer Verantwortung stellen, Geräte einfacher reparierbar zu konstruieren und länger mit Software-Updates zu versorgen, damit das Rating auch langfristig Effekte bringt.“

Allerdings, das kritisiert Kilian ebenso wie viele andere aus der Branche, fehlen mit Apple und Sony zwei bedeutende Smartphone-Hersteller in der Initiative. „Wir sehen jedoch, dass gerade iPhones im Refurbished-Segment besonders stark nachgefragt werden. Hier muss Apple nachziehen: Elektronische Geräte müssen leichter auf den technisch notwendigen Stand aufgerüstet werden können.“

Pro Jahr 1,6 Mio. t Elektroschrott in Deutschland

Die Wiederaufbereitung von bereits gebrauchten Geräten verringere effektiv CO2-Emissionen und vermeide unnötigen Elektroschrott, so Kilian. Immerhin fallen allein in Deutschland jährlich 1,6 Mio. t Elektroschrott an.

Ab Juni 2021 werden die fünf Mobilfunkbetreiber die Eco-Rating-Kennzeichnung an ihren Verkaufsstellen in 24 Ländern in Europa einführen. Weitere Informationen über die Initiative erhalten die Kunden auf einer neuen Website: www.ecoratingdevices.com.

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