Trinkwasserversorgung 03. Aug 2022 Von Christiane Schulzki-Haddouti

Klimakrise und Starkregen: Wasser in Seen und Flüssen wird brauner

Die zunehmende Bräunung von Flüssen und Seen erschwert die Trinkwasserversorgung. Sie führt zudem zu einem erhöhten CO2-Ausstoß und kann lokal sogar Tierarten gefährden.

Ein Blick ins Seelabor des Leibniz-Instituts für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB): vorne rechts ein Versuchszylinder mit klarem Wasser, hinten links einer mit braun gefärbtem Wasser.
Foto: IGB

Im Zuge der Erderwärmung werden Flüsse und Seen brauner, weil in ihnen mehr organisches Material und Mikroorganismen entstehen. Diesen Vorgang beobachteten Forscher zuerst in kaltgemäßigten Klimazonen, die von der Erderwärmung stärker betroffen sind als gemäßigte Klimazonen. Wenn Gewässer sich braun verfärben, können dort lebende Tiere sterben, außerdem wird das Trinkwasser ungenießbar.

Das Phänomen der Bräunung von Gewässern ist inzwischen so weit verbreitet, dass es 2022 in den Sachstandsbericht der Arbeitsgruppe II des Weltklimarats aufgenommen wurde. Es kann dem Klimawandel als Ursache eindeutig zugeordnet werden. Im Bericht wird eine Studie von Gesa Weyhenmeyer von 2016 prominent erwähnt.

Viele Gewässer in Deutschland sind von klimabedingter Bräunung betroffen

Die deutsch-schwedische Erdsystem-Wissenschaftlerin gehört zu den ersten Forschenden, die dieses Phänomen mit den Klimaveränderungen in Verbindung gebracht haben. Sie weiß: „Gebiete, in denen es wärmer, aber dabei nicht trockener wird, zählen zu den Risikogebieten.“ Viele Gebiete in Schweden, aber auch Gebiete in Deutschland sind betroffen.

Schreitet der Klimawandel voran, ist mit einer weiteren Bräunung zu rechnen, warnt Weyhenmeyer: „Ob und wie stark sich ein Gewässer verfärbt, ist von der Landnutzung, Lufttemperatur und dem Niederschlag abhängig.“

Wasserproben zeigen die Bräunung von Flüssen und Seen: Die Proben wurden in Südschweden im Umkreis von 35 km genommen. Sie enthalten unterschiedliche Konzentrationen von organischen Materialien und Eisen.
Foto: Stefan Löfgren/Schweden

Oberflächengewässer werden tendenziell brauner, wenn Starkregen gehäuft auftritt

Nadelwälder und vor allem Moore begünstigen den Prozess, erklärt Mark Gessner vom Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) und der TU Berlin. Da sich dort organische Substanzen im Vergleich zu Laubstreu langsamer abbauen, akkumulieren sie sich stärker. Besonders bei Starkregen, der im Zuge des Klimawandels häufiger stattfindet, waschen sie stärker aus den Böden aus und gelangen so in die Oberflächengewässer. Gessner: „Wir können davon ausgehen, dass Oberflächengewässer tendenziell brauner werden, wenn Starkregenereignisse häufiger auftreten.“

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