Konjunkturampel des Instituts der deutschen Wirtschaft 24. Mrz 2022 Von Michael Grömling

Deutsche Industrie schaltet in den Krisenmodus

Der Krieg in der Ukraine trifft eine weiter von Corona gebeutelte internationale und deutsche Wirtschaft.

Der Ukrainekrieg spiegelt sich noch nicht in der Konjunkturampel. Allerdings sorgt die anhaltende Pandemie für einen Rückgang beim Konsum und dem Konsumentenvertrauen in den westlichen Ländern. Grafik: IW

Mit dem Krieg in der Ukraine nimmt die Krisentaktung zu. Noch lastet die fünfte Coronawelle auf der deutschen Wirtschaft. Jetzt kommen vielfältige Angebots- und Nachfrageschocks sowie hohe Verunsicherungen infolge des Krieges dazu. Dessen ökonomische Auswirkungen sind kaum abschätzbar – hängen sie doch von den weiteren politischen Konstellationen ab. Die Indikatoren der IW-Konjunkturampel erfassen noch nicht die unmittelbaren ökonomischen Einschläge des Krieges.

Logistikprobleme erzeugen Engpässe in der Produktion und bei Vorleistungen

Sichtbar sind das große menschliche Leid und die zerstörte ökonomische Basis der Ukraine. Die Ampel zeigt gleichwohl die angeschlagene wirtschaftliche Ausgangsposition in Deutschland. Diese ist noch von Vorleistungs- und Produktionsengpässen aufgrund der Coronapandemie und ihrer Folgewirkungen – etwa gestörte globale Logistik – geschwächt.

Wirtschaftliche Schäden durch den Ukrainekrieg werden unterschätzt

Auch ohne den Krieg lagen die Import- und Erzeugerpreise zum Jahresbeginn 2022 um über 25 % weit jenseits des Vorkrisenniveaus. Diese Preiseffekte haben die gesamtwirtschaftliche Nachfrage bereits im Jahr 2021 über knapper verfügbare und teurere Investitions- und Konsumgüter gedämpft und das konjunkturelle Erholungstempo gebremst.

Der Krieg in der Ukraine findet also in einem makroökonomischen Umfeld statt, das schon von Produktionsproblemen und hohen Preisanstiegen gebeutelt ist. Was kommt hinzu?

Schwindende Wirtschaftsdynamik belastet deutschen Außenhandel

Exportschock: Eingeschränkte oder gänzlich wegfallende Absatzmöglichkeiten treffen eine exportorientierte Volkswirtschaft wie Deutschland überproportional. Die Effekte in der direkten Krisenregion sind überschaubar – auf Russland, Belarus und die Ukraine entfallen knapp 2,5 % des deutschen Außenhandels. Eine merklich schwächere Wirtschaftsdynamik in Mittel- und Osteuropa sowie in der gesamten Weltwirtschaft wird den deutschen Außenhandel aber merklich belasten.

Produktionsschock: Ausbleibende Zulieferungen von Vorleistungen oder von Rohstoffen aus der Krisenregion oder aus anderen Ländern verschärfen bestehende Produktionsprobleme. Das gilt besonders, wenn die Knappheiten vorher schon zunahmen und die Logistik im internationalen See- und Bahnverkehr Probleme bereitete. Hinzu kommt die Gefahr, dass Mitarbeitende im Ausland nicht mehr zur Verfügung stehen.

Russland spielt zwar nur eine kleine Rolle für die deutschen Vorleistungsimporte – bei bestimmten Energie- und Industrierohstoffen ist die Abhängigkeit jedoch enorm. Durch eingeschränkte oder im Extrem ausfallende Verfügbarkeit und kurzfristig fehlende Alternativen entstehen ernsthafte Produktionsprobleme.

Kostenkalkulation verschlechtert sich durch höhere Energiepreise

Kostenschock: Selbst wenn Firmen nicht durch direkte Vorleistungsengpässe, Rationierungen oder vollständige Ausfälle von Rohstoffen betroffen sind, so kann sich ihre Kostenkalkulation über ein höheres Energie- oder Erzeugerpreisniveau erheblich verschlechtern.

Chinas Immobilienmarkt droht der Kollaps

In den ersten vier Kriegswochen lagen die Rohstoffpreise fast auf dem dreifachen Niveau des Vorjahres – ein historischer Rekord. Bei den Energierohstoffen ist der Preisschock noch gewaltiger. In Teilen der Volkswirtschaft ist eine Weitergabe stark ansteigender Kosten an die Kunden nicht oder zumindest nicht vollständig möglich, sodass Ertragsrückgänge drohen.

Die größten Anpassungslasten für die Unternehmen entstehen über den Energiepreisschock, signalisieren aktuelle Befragungsergebnisse des Instituts der deutschen Wirtschaft. Fast vier von fünf Industrieunternehmen erwarten hiervon starke und mittelstarke Schäden.

Ausbleibende Gaslieferungen als Risiken für die Industrie

Aber auch ausbleibende Gaslieferungen sowie Vorleistungsengpässe werden für gut die Hälfte der Industriefirmen die Produktionsprozesse in hohem Ausmaß stören. Mittelfristig werden diese Gefahren sogar höher eingeschätzt.

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