IW-Konjunkturampel 16. Dez 2021 Von Michael Grömling

Wirtschaft: Zuversichtliche Investitionspläne für 2022

Sowohl Industrie als auch Dienstleister beabsichtigen, ihre Investitionen deutlich auszuweiten.

Weniger grüne Felder in der IW-Konjunkturampel spiegeln die Verunsicherung über die Coronalage und die Probleme in der Industrie wider, die nach wie vor unter gestörten Transport- und Zulieferketten leidet.

Die grünen Felder in der IW-Konjunkturampel sind zuletzt spürbar weniger geworden. Die Wirtschaftslage trübt sich wieder ein. In der Industrie leidet die Produktion unter gestörten Transport- und Zulieferketten. Die stark ansteigenden Coronainfektionen bremsen die Erholung im Dienstleistungssektor und schaffen rundum erneute Verunsicherungen.

Trotz dieser Lasten dominiert unter den Unternehmen die Zuversicht für das Jahr 2022. Fast die Hälfte der jüngst vom Institut der deutschen Wirtschaft befragten Firmen erwartet für das kommende Jahr eine höhere Produktion oder Geschäftstätigkeit, nur 15 % erwarten einen Rückgang.

Größte Zuversicht bei Dienstleistung und Industrie

In allen Branchen bestehen positive Produktionsaussichten für 2022. Die größte Zuversicht ist in den Dienstleistungs- und Industriefirmen zu verorten. Offensichtlich wurde im Befragungszeitraum November 2021 von den Dienstleistern nicht noch einmal ein umfassender Lockdown wie im letzten Winter erwartet. Die insgesamt guten Produktionsperspektiven der Industrie dürften sich auch aus den starken Rückgängen 2021 ergeben sowie aus der Zuversicht, dass sich die Zuliefer- und Produktionsprobleme zurückbilden. Die wieder anziehende globale Investitionstätigkeit stärkt vor allem die Export- und Produktionserwartungen der Investitionsgüterindustrie.

Auch hinsichtlich ihrer eigenen Investitionstätigkeit sind die optimistischen Unternehmen deutlich in der Überzahl. Das im Vergleich zur aktuellen Lage bessere Erwartungsbild dürfte sich aus den aufgestauten Investitionsbedarfen ergeben. Ein Teil der Investitionspläne kann derzeit nicht realisiert werden, weil Investitionsgüter nicht in ausreichender Menge zur Verfügung stehen. Jedenfalls hat sich bei der Schließung der Investitionslücke in Deutschland – gemessen am Abstand der realen Ausrüstungsinvestitionen zum Jahresdurchschnitt 2019 – nach der starken Erholung im dritten Quartal 2020 kein weiterer Fortschritt gezeigt. Im dritten Quartal 2021 waren die Investitionen sogar deutlich rückläufig und die Investitionslücke stieg auf rund 10 %.

Investitionserwartungen über Durchschnitt

Im kommenden Jahr dürfte sich diese Lücke aber schließen: Während für 2022 insgesamt 48 % der Betriebe höhere Investitionsausgaben planen, gehen nur knapp 15 % von einem Rückgang aus. Die Investitionserwartungen befinden sich gemessen am Saldo aus positiven und negativen Einschätzungen mit 33 Prozentpunkten erheblich über dem langfristigen Durchschnitt.

Die IW-Befragung bescheinigt keinen nennenswerten Unterschied bei den Investitionserwartungen der Industrie- und Dienstleistungsunternehmen. Gut die Hälfte dieser Firmen beabsichtigt ihre Investitionen im Jahr 2022 zu erhöhen. Während 16 % der Industrieunternehmen mit niedrigeren Investitionen planen, sind dies unter den Dienstleistern nur 11 %. Im Vergleich zum Sommer haben sich die Investitionspläne nochmals merklich verbessert. Dagegen sind die Investitionserwartungen in der Bauwirtschaft deutlich zurückhaltender. Hier gehen für das Jahr 2022 nur 26 % von höheren, aber 23 % von niedrigeren Investitionen aus. Insgesamt hat sich seit dem Sommer die Investitionsneigung sogar verschlechtert. Dabei muss jedoch berücksichtigt werden, dass die Bauwirtschaft im Gefolge der Pandemie geringere Einbußen zu erleiden hatte und die Investitionstätigkeit in den Jahren 2020/21 weit weniger stark zurückging.

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