Wirtschaftspolitik 08. Mrz 2023 Von Thomas A. Friedrich Lesezeit: ca. 4 Minuten

Vorbild USA: Eurofer-Chef fordert Investitionsanreize für die Stahlindustrie statt weiterer EU-Klimaschutzauflagen

Die europäische Stahlindustrie sieht sich im Nachteil gegenüber den Wettbewerbern aus den USA. Die Politik dort biete den Unternehmen bessere Rahmenbedingungen, sagt Eurofer-Generaldirektor Axel Eggert.

Axel Eggert, Generaldirektor der europäischen Stahlvereinigung Eurofer, übt harsche Kritik an der EU-Industriepolitik.
Foto: Eurofer

Extrem hohe Energiekosten, ausgelöst durch den Ukrainekrieg, Überkapazitäten auf den globalen Märkten und Wettbewerbsverzerrungen durch den US Inflation Reduction Act (IRA) setzen der Stahlbranche zu. Außerdem soll noch die Transformation zur Klimaneutralität gelingen. Über die Auswirkungen des Green Deal auf die europäischen Industriestrukturen und Schlüsseltechnologien der Zukunft sprach VDI nachrichten mit dem Generaldirektor des europäischen Stahlverbands Eurofer, Axel Eggert. 

VDI nachrichten: Herr Eggert, welchen Beitrag leistet die europäische Stahlindustrie, um die Ziele des Europäischen Green Deal für CO2-Neutralität bis zur Jahrhundertmitte zu erreichen?

Axel Eggert: Zunächst wollen wir in Europa der Vorreiter bei grünem Stahl sein. Wir haben mehr als 60 Projekte im industriellen Maßstab auf den Weg gebracht mit einer Kapitalinvestition von über 30 Mrd. €.

Wie kann die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Industrie auf diesem Prozess aus Brüssel unterstützt werden? 

Was wir jetzt in jedem Falle brauchen sind drei Dinge: Zum einen brauchen wir bei der Unterstützung dieser Projekte für die Kapitalinvestitionen klare Wegweiser, wie wir an die öffentlichen Töpfe in der EU rankommen. Das hat in der Vergangenheit oft viel zu lange gedauert und wir haben dabei viel Zeit verloren.

Zweitens – und das ist mittel- und langfristig noch wichtiger – brauchen wir vernünftige Energiepreise, damit wir auch international im Wettbewerb mithalten können. Heute sind die Energiepreise in Europa bis zu siebenmal höher als in den USA, bis zu dreimal höher als in Asien.

Und drittens brauchen wir fairen Handel. Wir müssen dafür sorgen, dass die globalen Überkapazitäten im Stahl abgebaut werden. Auch dort gibt es Ideen, aber Europa muss sich bewusst sein, dass sich die Welt geändert hat. Wir erwarten, dass wir eine Industriepolitik bekommen, die auch ihren Namen verdient.

Stahlindustrie fordert schnellere Genehmigungsverfahren für „Green Steel“

Was erwarten Sie von dem für den 14. März angekündigten Industriepaket von der Kommission? 

Ich denke, dass die Europäische Kommission noch erheblich nachlegen muss, sodass am 14. März ein Industriepaket angenommen wird, das diesen Namen auch verdient. Was wir bisher sehen, ist eher eine Unterstützung von Energietechnologien. Aber Energietechnologien allein machen nicht die Industrie aus. Da hängen vielmehr komplette Wertschöpfungsketten dran, wobei die Stahlindustrie sowohl am Anfang als auch am Ende der Wertschöpfungskette steht. Denn wir recyceln auch den Stahl, der dann wieder zu neuen Produkten verwertet wird.

Was fordern Sie konkret?

Wenn unsere neuen grünen Technologien – wie „Green Steel made in Germany“ – hier keine Berücksichtigungen finden, dann können wir leider nicht von einer Industriepolitik reden. Das heißt, es muss erheblich nachgebessert werden. Das betrifft auch die Genehmigungsverfahren, die erheblich beschleunigt werden müssen für die energieintensiven Industrien und nicht nur im Energiebereich. 

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