Inflation 20. Jul 2021 Von André Weikard

Erzeugerpreise steigen so stark wie seit 1982 nicht mehr

Die Erzeugerpreise gewerblicher Produkte waren im Juni 2021 um 8,5 % teurer als im Juni 2020. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts (Destatis) ist das der stärkste Anstieg gegenüber dem Vorjahresmonat seit beinahe 40 Jahren. Damals sorgte die zweite Ölkrise für dramatische Preisanstiege.

Die Erzeugerpreise legten im Juni 2021 um 8,5 % zu. Metalle, Holz und Energie zählten zu den Preistreibern.
Foto: PantherMedia / xload

Hauptverantwortlich für die Steigerung der gewerblichen Erzeugerpreise gegenüber Juni 2020 war die Preisentwicklung bei den Vorleistungsgütern und bei der Energie. So waren Vorleistungsgüter 12,7 % teurer als noch im Juni 2020. Besonders hoch waren die Preisanstiege bei metallischen Sekundärrohstoffen aus Eisen-, Stahl- und Aluminiumschrott (+88,1 %) und bei Nadelschnittholz (+84,6 %), aber auch bei Betonstahl in Stäben (+62,3 %). Metalle waren im Durchschnitt insgesamt 26,3 % teurer als ein Jahr zuvor. Die Preise für Roheisen, Stahl und Ferrolegierungen waren 41,9 % höher, Nichteisenmetalle und deren Halbzeug kosteten 25,1 % mehr. Als Hauptgründe für den starken Anstieg der Stahl- und Holzpreise sehen die Statistiker die hohe Nachfrage im In- und Ausland sowie Probleme bei der Versorgung mit Rohstoffen.

Alle Energieträger haben sich stark verteuert

Bei den Stahlpreisen wirken sich zusätzlich kräftige Preissteigerungen für Eisenerzimporte aus (+83,6 % von Mai 2020 bis Mai 2021). Auch die Erzeugerpreise für chemische Grundstoffe wiesen ein starkes Plus gegenüber dem Vorjahresmonat auf (+18,8 %). Nur sehr wenige Vorleistungsgüter kosteten weniger als im Vorjahresmonat. Hierzu gehörten elektronische integrierte Schaltungen (-12,1 %) und Holz in Form von Plättchen oder Schnitzeln (-23,7 %).

Die Energiepreise waren im Juni 2021 im Durchschnitt 16,9 % höher als im Vorjahresmonat. Gegenüber Mai 2021 stiegen diese Preise um 2,2 %. Die Veränderungsrate gegenüber Juni 2020 ist allerdings vor allem einem Basiseffekt aufgrund der im Frühjahr 2020 im Zuge der Pandemie stark gefallenen Preise geschuldet. Auch die seit Januar 2021 teilweise zusätzlich anfallende deutsche CO2-Bepreisung auf das Inverkehrbringen CO2-verursachender Brennstoffe wie Mineralölerzeugnisse und Erdgas hatte einen Einfluss auf den Preisanstieg bei Energie: So stiegen die Preise für Erdgas bei einer Jahresabgabe von 116 300 MWh an die Industrie ohne die CO2-Bepreisung um 34,1 % gegenüber dem Vorjahresmonat, mit CO2-Bepreisung stiegen sie um 45,6 %.

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