Rohstoff für die Energiewende 24. Nov 2023 Von Dominik Hochwarth Lesezeit: ca. 2 Minuten

Es geht los: Lithiumförderung im Oberrheingraben

Wie Geothermieforschungen herausgefunden haben, lagert unter der Erde am Oberrhein jede Menge Lithium. Das Metall ist wesentlicher Bestandteil für Batterien etwa in E-Autos. Jetzt wurde die erste Anlage zur Lithiumförderung eingeweiht.

Vulcan Energy Ressources will in Deutschland Lithium für Lithium-Ionen-Akkus produzieren.
Foto: Vulcan Energie/Uli Deck

Lithium ist ein wichtiger Rohstoff für die Energiewende, zum Beispiel zur Produktion von Autobatterien. Bislang ist Deutschland von Importen abhängig, das soll sich zumindest teilweise ändern. Im pfälzischen Landau wurde am gestrigen Donnerstag eine Anlage zur Produktion von Lithium im Tonnenmaßstab eingeweiht. Sie gilt als Vorstufe einer kommerziellen Anlage. Ab 2026 soll dort Lithiumchlorid vorerzeugt und in Frankfurt-Höchst zum Endprodukt Lithiumhydroxid raffiniert werden. Das erklärte der Betreiber Vulcan Energy bei der Eröffnung der Anlage. „Wir rechnen in Projektphase eins mit 24 000 t jährlich, das reicht für 500 000 Autobatterien pro Jahr“, sagte Vulcan Gründer Horst Kreuter.

Kann der Oberrheingraben 100 % des Lithiumbedarfs decken?

Die neu eingeweihte Anlage, deren Kosten sich auf rund 40 Mio. € belaufen, ist Teil eines umfangreicheren Projekts. Inklusive der Bohrungen wird das Investitionsvolumen für die erste Phase des Projekts auf etwa 1,4 Mrd. € geschätzt, erklärte Kreuter. Er wies darauf hin, dass der Oberrheingraben potenziell eine bedeutende Rolle für die Lithiumversorgung spielen könnte: Schätzungen zufolge ließen sich dort 40 % des europäischen und sogar der gesamte deutsche Bedarf an Lithium decken.

Rohstoffgewinnung in Deutschland: Lithium aus Thermalwasser hat es in sich

Lithium, ebenso wie Kobalt, zählt zu den Schlüsselrohstoffen für die Herstellung von Batterien. In Batterien wird Lithium in geladener Form zur Energiespeicherung genutzt. Diese Technologie findet neben Autobatterien unter anderem in Smartphones und Computern Anwendung.

Deutlich verbesserte Wirtschaftlichkeit

Generell besitzt die Gewinnung von Lithium in der Region viele Vorteile, betont auch der Materialwissenschaftler Volker Presser. „Die Extraktion von Lithium aus Wasser, das man sowieso für Strom und Wärme nutzt, ermöglicht zudem eine deutlich verbesserte Wirtschaftlichkeit“, sagte der Professor für Energie-Materialien am INM – Leibniz-Institut für neue Materialien. Der Gesamt-CO2-Fußabdruck von Batterien und E-Autos ließe sich dadurch senken. Das wäre ein echter Standortvorteil, erklärte Presser. Zudem reduziere man die Abhängigkeit von internationalen Lieferketten und „kritischen“ Herkunftsländern.

Batterierecycling: 70 % des Lithiums zurückgewinnen

„Der Fokus auf Lithium ist aktuell sehr sinnvoll – und gerade das Gebiet des Oberrheingrabens zeichnet sich durch wirtschaftlich interessante Lithiumkonzentrationen aus“, betonte Presser. Über Geothermie hinaus sei jedoch auch das Batterierecycling von entscheidender Bedeutung. „Es wird durch EU-Regeln erzwungen und wirtschaftliches Interesse befördert, um weitere Lithiumquellen zu erschließen“, unterstrich der Experte. Bislang sei die aktuell geringe Menge an Altbatterien eine Herausforderung, das würde sich aber in absehbarer Zeit ändern.

BUND begrüßt die lokale Lithiumförderung

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) befürwortet den Aufbau lokaler Lithiumproduktionen für mobile Stromspeicher wie Fahrzeugbatterien, um Abhängigkeiten von Importen aus Ländern mit niedrigeren Sozial- und Umweltstandards zu verringern. Michael Ullrich, Referent des BUND-Landesverbands Rheinland-Pfalz, warnt, dass diese Importe oft zu Ungerechtigkeiten und Ausbeutung führen können. Eine mögliche Lösung sieht er in der Gewinnung von Lithium aus Tiefenwasser, das bei Tiefengeothermie-Projekten anfällt. „Dabei gibt es natürlich Vorsichtsmaßnahmen zum Schutz des Grundwassers wie eine sichere Abdichtung der Bohrungen zu beachten“, meinte Ullrich.

Vulcan Energy plant in der Anlage in Landau, sein Team für die kommerzielle Produktion von CO2-neutralem Lithium aus Thermalwasser des Oberrheingrabens zu schulen. Dieses Verfahren nutzt die in Geothermieanlagen gewonnene Wärme des Wassers aus der Tiefe. Im Oberrheingraben enthält dieses Thermalwasser Lithium, das herausgefiltert werden soll. Das Wasser wird anschließend wieder in die Erde zurückgeführt.

(mit dpa)

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