Karrierepodcast „Prototyp“ 31. Mrz 2022 Von Claudia Burger und Peter Sieben Lesezeit: ca. 2 Minuten

Hightechvordenker Rahman Jamal: „Ingenieure müssen Humanisten sein“

Die „Musilisierung der Ingenieure“ fordert der Ingenieur und ehemalige Topmanager Rahman Jamal. Was das bedeutet, erklärt er in der neuen Folge von „Prototyp“, dem Karrierepodcast von VDI nachrichten und ingenieur.de.

Rahman Jamal hat seinen Job als Topmanager an den Nagel gehängt und ist erneut unter die Buchautoren gegangen. Im Podcast spricht er über seine Karriere und gesellschaftliche Aufgaben der Ingenieure und Ingenieurinnen.
Foto: National Instruments

Er wurde vom heutigen Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier nach seiner Visitenkarte gefragt – das hat Rahman Jamal nicht vergessen. So beeindruckt wie Steinmeier war, sind auch viele andere, denn Jamal ist einer der führenden Köpfe der deutschen Hightechindustrie und blickt auf eine überaus erfolgreiche Biografie als Ingenieur zurück. 1975 kam Jamal nach Deutschland, da war er zehn Jahre alt – und hatte schon in drei Ländern gelebt. „Myanmar, Bangladesch, Pakistan, das waren ja Entwicklungsländer. Und als ich hierher kam, war die Diskrepanz zwischen diesen Ländern und einem hoch entwickelten Land wie Deutschland riesig“, erzählt er. „Ich konnte den Wasserhahn aufdrehen und das Wasser kam einfach. Das kannte ich vorher nicht. Ich wollte einfach was dazu beitragen, die Kluft zwischen Entwicklungsländern und hoch entwickelten Ländern zu schmälern.“ Deshalb habe er sich für eine technische Laufbahn entschieden. Wenngleich auch das deutsche Bildungssystem einen Kulturschock bei ihm ausgelöst habe. „Bildung war in meiner alten Heimat ein Privileg, hier aber selbstverständlich. Das heißt, auch die Wertschätzung für Bildung ist in Deutschland nicht so hoch, wie ich das zuvor erlebt habe.“

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„Viele Studienabsolventen haben Angst, die Kröte namens Großkonzern schlucken zu müssen“

Ethische Fragen bei der Entwicklung von Technologie berücksichtigen

Während seines Studiums habe er gemerkt, dass viele seiner Kommilitonen sich für wenig interessiert hätten, was „rechts und links von Schaltplänen“ zu entdecken war. Dabei müsse Technik dringend mit Ethik, Literatur und Mystik verknüpft werden, damit sie die Menschheit wirklich voranbringen könne. Das ist Jamals Mission und er hat sogar einen Namen dafür: Die Musilisierung des Ingenieurwesens. „Robert Musil war ja sowohl Ingenieur als auch Philosoph und Schriftsteller. Er hat diese Dinge komplementär gesehen.“ Viele Theorien etwa aus der Quantentheorie hätten ihren Ursprung ganz woanders als in der Physik. „Gerade bei brisanten Themen wie künstliche Intelligenz müssen wir als Ingenieure Verantwortung übernehmen und die Frage stellen: Welchen Nutzen bringen diese Errungenschaften für die Gesellschaft? Wenn ich auf Augenhöhe mit Geisteswissenschaftlern darüber sprechen kann, mit Respekt und Wertschätzung, dann habe ich einen viel fruchtbareren Boden, als wenn nur Gleichgesinnte unter sich bleiben“, so Jamal. Das müsse schon in der Ausbildung und im Studium fester Bestandteil sein. „Ingenieurinnen und Ingenieure von morgen müssen Humanisten sein.“

Über das Selbstverständnis als Führungskraft, Personalverantwortung und Diversität

Als Ingenieur und Führungskraft die Gesellschaft voranbringen und den Menschen ins Zentrum stellen: Lässt sich diese Maxime immer mit dem Anspruch in Einklang bringen, ein Unternehmen profitabel zu machen und Geld zu verdienen? Gerade wenn man wie Rahman Jamal Personalverantwortung für sehr viele Menschen trägt? Darüber und wie wichtig Diversität in Unternehmen ist, spricht er in Folge 39 von „Prototyp“, dem Karrierepodcast von ingenieur.de in Kooperation mit VDI nachrichten.

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