Münzkolumne 03. Jun 2022 Von Peter Piasecki Lesezeit: ca. 2 Minuten

Als Karl der Große den ersten Euro schuf

Mit dem Denar setzte Karl der Große eine einheitliche Währung in Westeuropa durch. Die Originalmünzen sind jedoch selten und teuer.

Das Münzbild des von Karl des Großen eingeführten Denars: Die Vorderseite (Avers) zeigt ein Kreuz und in der Umschrift die Worte „CARLVS REX FR(ANCORUM)“ mit der Bedeutung „Karl, König der Franken“. Auf der Rückseite (Revers) findet sich der Prägeort (hier TVRONIS = Tours).
Foto: Lübke & Wiedemann KG, Leonberg.

Karl der Große schrieb auch mit seiner Finanzpolitik Geschichte: In den Jahren 793 und 794 schuf er mit dem Denar (= Pfennig) eine einheitliche Währung im Fränkischen Reich, das sich von Thüringen bis Katalonien erstreckte. Gerne wird die Reform Karls mit dem Euro verglichen und der Denar gar als „erster Euro“ bezeichnet. Diese Währung bestand im Grundsatz über mehrere Hundert Jahre bis etwa ins 13. Jahrhundert hinein und wird in der Numismatik als „Pfennigzeit“ bezeichnet.

Karl der Große schuf einen einheitlichen Münztypus

Nach dem Niedergang des Weströmischen Reiches im ausgehenden fünften Jahrhundert n. Chr. (Byzanz, das Oströmische Reich, bestand noch bis 1453) und dem Aufstieg der Merowinger mit einem ungemein zersplitterten Münzwesen, setzte Karl der Große die bereits von seinem Vater begonnene Münzreform ab 793 mit der Schaffung von einem einheitlichen Münztypus in seinem Reich durch.

Die bekannteste Münze der Antike

Die neuen Münzen wurden aus Silber geschlagen und wogen ca. 1,7 g. Ausgangspunkt dieser Reform wurde ein karolingisches Pfund (pondus Caroli) mit 408 g, aus dem 240 Denare geprägt wurden. Die Unterteilung eines Pfundes erfolgte zu 20 Schilling und ein Schilling wiederum ergab zwölf Denare. Dieses System mit einem Pfund zu 20 Schilling und 240 Pennys galt in England gar bis 1971.

Die Denare Karls des Großen wurden in seinem Reich in etwa 60 Prägeorten wie Aachen, Arles oder Lüttich geschlagen. Das Münzbild beider Seiten war einheitlich definiert. Die Vorderseite (Avers) zeigt ein Kreuz und in der Umschrift die Worte „CARLVS REX FR(ANCORUM)“ mit der Bedeutung „Karl, König der Franken“. Zwei Perlringe umschließen das innere Kreuz und die Umschrift. Auf der Rückseite (Revers) findet sich der Prägeort (hier in der beispielhaften Abbildung: TVRONIS = Tours) und im inneren Perlkreis ist das zusammengesetzte Herrschermonogramm Karls des Großen eingeprägt. Dieses ist aus dem Namen KAROLVS abgeleitet und enthält auf den Endpunkten des Kreuzes die Buchstaben KRLS und in der Mitte eine Raute. In der Raute findet sich noch ein sogenannter Vollziehungsstrich, ein v- oder y-ähnliches Zeichen, welches der Kaiser persönlich auf Urkunden einfügte, um die Herrscherdokumentation zu vollziehen. Denn Karl war trotz belegter Übungsversuche nicht des Schreibens mächtig.

Von den beschriebenen Denaren finden sich heute etwa 2000 in den Museen der Welt, ein weiterer Teil in Privatbesitz. Das Sammeln dieser Münzen ist eher den Spezialisten vorbehalten, zudem sind Originale sehr teuer. Der hier gezeigte Denar wurde für 2900 € in Europas größtem Auktionshaus für Münzen versteigert.

Gedenkmünze für Karl den Großen erschien im Jahr 2000

Die letzte offizielle Gedenkmünze der Bundesrepublik zu Karl dem Großen stammt aus dem Jahre 2000 mit dem Nominalwert von 10 DM. Auf der Bildseite ist links Kaiser Karl kniend dargestellt, wie er der sitzenden Maria und dem Christuskind ein Modell des Aachener Doms übergibt. Diese Münze ist gut zu erwerben, besitzt aber kaum das Potenzial für Wertsteigerungen.

Die letzte offizielle Gedenkmünze der Bundesrepublik zu Karl dem Großen stammt aus dem Jahre 2000 mit dem Nominalwert von 10 DM. Auf der Bildseite ist Kaiser Karl kniend dargestellt, wie er der sitzenden Maria und dem Christuskind ein Modell des Aachener Doms übergibt. Foto: M. Müller

Gleichwohl ist der reine Silberanteil in dieser Münze mit 14,34 g bei einem aktuellen (schwankenden) Silberkurs von 20,57 €/Feinunze bereits mit 9,48 € zu veranschlagen. Ein Umtausch der 10-DM-Münze bei der Bank würde dagegen nur 5,11 € Erlös erbringen.

Sondermünzen zu den Olympischen Spielen sind begehrt

Die Wertsteigerung über rund 20 Jahre hinweg erscheint sehr gering, sie ist dem Silberanteil dieser in großer Zahl geprägten Sammlermünze zu verdanken. Vergleicht man die Wertsteigerung mit einer Geldanlage auf dem Sparbuch, so wäre das Sparguthaben von 5,11 € bei einem durchschnittlichen Zins von rund 1,2 % für die letzten 20 Jahre nur auf 6,49 € angewachsen. Man sieht in dieser Rechnung, dass selbst dort, wo eigentlich kein Wertanstieg bei Sammlermünzen zu erwarten ist, hohe Edelmetallanteile sich positiv auf die Wertsteigerung niederschlagen.

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