Gefahr für ökologischen Wandel? 05. Feb 2024 Von Dominik Hochwarth Lesezeit: ca. 4 Minuten

SUV-Fahrer zahlen in Paris bald dreifache Parkgebühren

Wer mit dem SUV oder einer dicken Limousine nach Paris fahren will, muss demnächst mit fetten Parkgebühren rechnen. Die Einwohner stimmten am Sonntag für eine Verdreifachung der Gebühren für SUVs.

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Für SUV-Fahrer wird ein Paris-Besuch künftig noch teurer werden, als er eh schon ist.
Foto: PantherMedia / encrier

In Deutschland wird hin und wieder über höhere Parkgebühren für größere Fahrzeuge nachgedacht, da diese mehr Platz beanspruchen als herkömmliche Pkw und zudem potenziell mehr schädliche Abgase produzieren. Noch ist es hierzulande nicht so weit, doch in Paris wurden nun Fakten geschaffen. Nach einer Bürgerbefragung wird ab 1. September das Parken auf öffentlichen Parkplätzen für große Fahrzeuge drastisch erhöht. Dabei sind Parkplätze bereits heute dort extrem kostspielig.

235 € für sechs Stunden parken?

Ab Septemberg werden die Parkgebühren für SUVs und andere Fahrzeuge ab 1,6 t verdreifacht. Im Stadtzentrum sollen sechs Stunden Parken dann 225 € und in den Außenbezirken 150 € kosten. Eine Parkstunde kostet dann für SUVs im Zentrum 18 € und in den Außenbezirken 12 €, kleinere Pkw zahlen 6 bzw. 4 €.

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Wenn man mehrere Stunden parkt, steigen die Gebühren dabei schon jetzt mit zunehmender Dauer überproportional an. Die Stadt begründet die Erhöhung der Gebühren für SUVs damit, dass diese Fahrzeuge aufgrund ihres hohen Gewichts zu verstärkter Umweltbelastung beitragen, überproportional viel öffentlichen Raum in Anspruch nehmen und die Sicherheit im Straßenverkehr gefährden. Bereits vor der Abstimmung über diese Maßnahme sah sich die Stadtverwaltung starker Kritik ausgesetzt.

Automobilclub startet Petition gegen die Gebührenpläne

Der Automobilclub „40 millions d‘automobilistes“ hatte eine Petition mit dem Titel „Stopp dem Kampf gegen SUV“ ins Leben gerufen. Die Aktion entstand als Reaktion auf Pläne in französischen Großstädten wie Lyon, Bordeaux und Grenoble ebenfalls erhöhte Parkgebühren speziell für SUVs einzuführen. Der Club bezeichnet diese Maßnahme als versteckten Versuch, das Autofahren in Städten unattraktiver zu machen.

Er verwies darauf, dass im ersten Halbjahr 2023 46 % der Neuzulassungen in Frankreich SUVs waren, was ihre Beliebtheit unterstreicht. Besonders Familien, die aus Platzgründen größere Autos bevorzugen, würden unter den höheren Parktarifen leiden. Der Automobilclub warnte, dass diese Einschränkungen nur der Anfang einer generellen Verschärfung gegen Autos seien. Er betonte: „Dieser Kampf gegen SUV ist nur ein Vorwand, um das Auto insgesamt zu verbannen.“

Stadt sagt: SUVs gefährden den ökologischen Wandel

Die Stadt hebt hervor, dass der Sondertarif für große Autos dazu dienen soll, die von diesen Fahrzeugen verursachten Belästigungen zu reduzieren. Sie betont: „Diese Abstimmung ist eine klare Botschaft an die Automobilindustrie. Ihr Streben nach Profit durch den Verkauf immer größerer, verbrauchsintensiverer und teurerer Fahrzeuge steht im Widerspruch zum ökologischen Wandel.“ Die Abstimmung am Sonntag bietet der Bevölkerung die Möglichkeit, den öffentlichen Raum zu beruhigen und ein neues Gesellschaftsmodell zu fördern.

In Paris ist die Bekämpfung von SUVs ein wesentlicher Bestandteil der Verkehrswende, die von der sozialistischen Bürgermeisterin Anne Hidalgo und der rot-grünen Stadtregierung seit Jahren forciert wird. Trotz erheblichen Widerstands sperrte Hidalgo mehrere Uferstraßen entlang der Seine für den Autoverkehr und wandelte sie in Fußgängerzonen um. Parallel dazu wird das Radwegenetz kontinuierlich ausgebaut, was eine Verringerung der Autofahrspuren und Parkplätze zur Folge hat. Zudem entstehen neue Grünanlagen, und nahezu im gesamten Stadtgebiet gilt mittlerweile ein Tempolimit von 30 km/h. Für Motorroller mit Benzinantrieb wurden außerdem Parkgebühren eingeführt.

Sondertarif gilt nur für Paris-Besucher

Der neue Sondertarif für SUV betrifft ausschließlich Besucher; Einwohner der Hauptstadt, Handwerker und Pflegedienste sind hiervon ausgenommen. Dieser Tarif wird auf Verbrenner- und Hybridfahrzeuge über 1,6 t sowie auf Elektrofahrzeuge über 2 t angewendet. Private Parkhäuser sind von dieser Regelung nicht betroffen.

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Laut der Wirtschaftszeitung „Les Échos“, die sich auf Zulassungsdaten stützt, sind in der Hauptstadtregion Île-de-France rund 900 000 Autos von den erhöhten Parkgebühren betroffen, was etwa 16 % des dortigen Fahrzeugbestands entspricht. Bei den betroffenen Fahrzeugen handelt es sich bei etwa der Hälfte nicht um SUVs, sondern um schwere Limousinen und Vans.

Wie soll die Überwachung der Parkgebühren erfolgen?

Wie die Überwachung der neuen Parkgebühren funktionieren soll, wurde noch nicht detalliert erläutert. Bislang gibt man beim Parken in Paris das Kennzeichen seines Fahrzeugs am Parkautomaten an und entrichtet die Gebühr für die gewählte Parkdauer.

Die traditionellen Politessen sind durch Videokontrollwagen ersetzt worden, die durch die Straßen patrouillieren und die Kennzeichen aller geparkten Fahrzeuge erfassen. Nichtzahlende Autofahrer erhalten ein Bußgeld per Post.

Im neuen System müsste künftig auch eine Abfrage des Fahrzeugtyps über das Kennzeichen erfolgen. Offene Fragen bleiben jedoch, insbesondere bezüglich der Handhabung ausländischer Kennzeichen.

Folgt Deutschland dem französischen Vorbild?

Kürzlich forderte die Deutsche Umwelthilfe (DUH) deutsche Städte auf, dem Beispiel von Paris folgend, höhere Parkgebühren für zunehmend größer werdende SUVs einzuführen. Laut DUH-Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch blockieren diese SUVs Gehwege und Grünflächen und stellen eine Gefahr für Fußgänger und Radfahrer dar.

Resch plädiert für ein Ende des Größenwahns bei SUVs und fordert neben höheren Parkgebühren auch verbindliche Größen- und Gewichtsbeschränkungen für Autos. Der Allgemeine Deutsche Automobilclub (ADAC) kritisiert diesen Vorschlag. Sie argumentieren, dass höhere Parkgebühren für Fahrzeuge über 1,6 t nicht zielführend seien, da auch Nicht-SUVs betroffen wären.

Der Oberbürgermeister von Hannover, Belit Onay (Bündnis 90/Die Grünen), spricht sich ebenfalls für höhere Parkgebühren für SUVs aus. Die Ergebnisse einer Bürgerbefragung in Paris würden zeigen, dass , eine Diskussion über die effiziente Nutzung und angemessene Preisgestaltung des begrenzten öffentlichen Raums notwendig sei. Diese Herausforderung betrifft laut Onay sämtliche europäische Metropolen.

Der Deutsche Städte- und Gemeindebund steht der Idee, Parkgebühren nach Fahrzeuggröße zu staffeln, skeptisch gegenüber. In der Praxis sei diese Maßnahme schwierig umzusetzen und wird derzeit nur von wenigen Städten in Erwägung gezogen. Das Bundesverwaltungsgericht urteilte 2023, dass Gebührensprünge, die sich an der Fahrzeuglänge orientieren, nicht zu stark ausfallen dürfen, um eine rechtswidrige Ungleichbehandlung zu vermeiden.

(dpa/hoc)

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