Restaurierte English Electra Canberra 03. Feb 2020, 08:53 Uhr Von Peter Steinmüller

Britischer Düsenbomber leuchtet wieder in Gatow

Nun leuchtet sie wieder: Die knallorange English Electra Canberra B2 ist nach ihrer Restaurierung wieder im Militärhistorischen Museum Berlin-Gatow zu besichtigen.

Die English Electric Canberra B2 während der Restaurierung im Hangar des Militärhistorischen Museums Berlin-Gatow. Das knallige Orange verdankt sie ihrem ursprünglichen Verwendungszweck als Zielschlepper.
Foto: MHM Gatow

Von den fast dreißig Jahren im Freien bei Wind und Wetter hatte der Lack der English Electric Canberra stark gelitten.
Foto: Wegen/Public Domain

Die English Electric Canberra zeichnete sich durch ihre hohe Geschwindigkeit und große Gipfelhöhe aus. Die US Air Force ließ deshalb die Maschine in den USA in Lizenz bauen.
Foto: USAF/Public Domain

Die US Air Force ließ mit der RB-57 D eine Version für große Höhen entwickeln. Der Aufklärer besaß vergrößerte Tragflächen. Er konnte in Höhen von 20 km operieren.
Foto: USAF/Public Domain

„Von der Sowjetunion lernen heißt Siegen lernen“ ist die Botschaft dieser Skulptur, die das Museum in Gatow aus DDR-Beständen übernommen hat. Der Pilot der Roten Armee erklärt dem NVA-Piloten seine Tricks im Luftkampf. Der Flugplatz Gato lag nie auf DDR-Gebiet, sondern war der Flugplatz der britischen Streitkräfte in Berlin.
Foto: Steinmüller

Ursprünglich war die Canberra für die britische Luftwaffe als Bomber gebaut worden. Von den fünfziger bis in die siebziger Jahre leisteten sie einen wichtigen Beitrag zur Abschreckung in Mitteleuropa.
Foto: RAF/Public Domain

Die Nasa setzte die Canberra für die Höhenforschung ein.
Foto: Nasa/Public Domain

Das Militärhistorische Museum Gatow widmet sich in seiner Ausstellung der Geschichte der deutschen Militärluftfahrt. Zu den Exponaten zählt ein Panavia-Tornado, wie er nach dem Ende des jugoslawischen Bürgerkriegs auf dem Balkan eingesetzt war.
Foto: Steinmüller

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Zwar wurden nur leichte Schäden am Seitenleitwerk ausgebessert, aber die Gelegenheit zur gründlichen Reinigung genutzt, nachdem die Maschine knapp drei Jahrzehnte bei jedem Wetter auf dem Rollfeld des ehemaligen britischen Militärflughafens stand. Ihre auffällige Lackierung verdankt die Maschine mit der Luftwaffenkennung 99+35 ihrem ursprünglichen Zweck: Der Flugzeugbauer A.V. Roe in Woodford hatte sie 1964 in der Bomberversion produziert, die Firma Marshall modifizierte sie für Zielschleppeinsätze. Für diesen Zweck kaufte die Bundeswehr das Flugzeug zusammen mit zwei Schwestermodellen. Sie bekamen den auffälligen Anstrich, um von den Besatzungen der Jagdflugzeuge und der Flugabwehrgeschütze besser erkannt zu werden. Die drei Canberras wurden dann jedoch der Erprobungsstelle 61 in Manching als Versuchsträger für funk- und radargestützte Navigationssysteme zugeteilt. Weitere Aufgaben waren die Tests von Luft-Luft-Lenkwaffen sowie von Navigations-, Aufklärungs- und Waffenleitsystemen.

Spekulationen über Spionageflüge

Die 99+35 flogen auch für die „Gruppe Luftbildwesen“ des Militärgeographischen Diensts der Bundeswehr (MilGeo-Dienst). Er erstellte mithilfe der Luftbilder spezielle Land- und Seekarten für die Streitkräfte. Dabei war der Navigator vom MilGeo-Dienst abgeordnet, Piloten und Kameraoperateure waren Angehörige der Luftwaffe. Später waren die Piloten als Zivilisten bei der Firma Rheinflug angestellt. Bis 1988 war der Standort der Flughafen Köln/Bonn, danach wieder Manching. 1993 wurde der Flugbetrieb eingestellt.

Diese Vermessungs- und Fotoflüge geben seitdem immer wieder Anlass zu Spekulationen, inwieweit die Maschinen dabei in den Luftraum der DDR eindrangen und somit unerlaubte Spionage trieben. Mit einer Gipfelhöhe von rund 16 km war die Canberra aber auch bei Flügen diesseits der innerdeutschen Grenze in der Lage, tief in das Gebiet des Warschauer Paktes hinein zu fotografieren und elektronisch zu horchen.

Angriffe auf Flugplätze

Ihre hervorragenden Leistungsmerkmale machten die English Electric Canberra von ihrem Erstflug im Jahr 1949 zu einem wichtigen Bestandteil der westlichen Verteidigung. Mit einer Höchstgeschwindigkeit von mehr als 900 km/h mussten die neuen Bomber der Royal Air Force bei Übungen ihre Geschwindigkeit reduzieren, um den eigenen Jägern überhaupt eine Chance zu geben, sie abzufangen. Die Canberra war der erste britische strahlgetriebene Bomber, der Atomwaffen tragen konnte. Zudem wäre ihm im Fall eines Dritten Weltkriegs die Aufgabe zugekommen Ziele wie Flugplätze mit konventionellen Bomben, ungelenkten Raketen und Maschinenkanonen anzugreifen. Viele Maschinen waren an der Unterseite schwarz lackiert, weil sie ihre Angriffe in der Nacht mithilfe von Leuchtfackeln durchgeführt hätten. Radargeräte waren in den Canberras jedoch nicht installiert.

Ein Video mit den No Angels

In der Aufklärungsversion flogen britische Canberras geheime nächtliche Missionen über Osteuropa und fotografierten Militäranlagen und Industriezentren. Ihre letzten Fotos im Kriegseinsatz schossen britische Canberras Anfang des Jahrtausends über Afghanistan und dem Irak, bevor sie im Jahr 2006 außer Dienst gestellt wurden. Mit dem Dienst in der Bundeswehr war bereits 1993 Schluss gewesen, im gleichen Jahr wurde die 99+35 nach Gatow überführt. Knapp zehn Jahre später diente sie der Girlgroup No Angels als Kulisse im Video zum Eurythmics-Cover „There must be an angel“. Ihre Schwestermaschine 99+34 ist im Technikmuseum Sinsheim ausgestellt.

 

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