Wasserstoffwirtschaft 06. Dez 2022 Von Stephan W. Eder

Studie: Deutsche Industrie braucht für Klimaschutz die Option Wasserstoff

Die Initiative „Klimahafen Gelsenkirchen“ hat untersucht, was für die angesiedelte Industrie der beste Weg ist, um klimaneutral zu werden. Fazit: Nur mit Strom geht es nicht, es braucht Wasserstoff als valide Option. Wichtig ist auch immer, wie es konkret vor Ort aussieht. Top-down-Lösungen taugen wenig.

Bislang galt die Elektrifizierung der Prozesswärme als bevorzugter Weg, um den Wärmebedarf in der Industrie zu dekarbonisieren. Eine neue Studie hat jetzt anhand von sechs konkreten Unternehmen herausgearbeitet, dass Wasserstoff eine sehr wichtige Option ist, um – auch abhängig vom Standort – die beste Option zu finden.
Foto: PantherMedia / Alexander kirch

Deutschland braucht Wasserstoff. Und es braucht viel Wasserstoff, vor allem für seine Industrie, um diese fit zu machen für den Klimaschutz. Klimaneutralität ist da das Zauberwort: Der Energieverbrauch von Industriebetrieben soll keine Steigerung der Treibhausgas-Konzentration zur Folge haben. Das hatte gestern (5. Dezember 2022) Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck mit seinem Besuch in Namibia deutlich gemacht. Dort ist mit deutscher Unterstützung ein Projekt zum Aufbau einer Produktion von grünem Wasserstoff mit einem Investitionsvolumen von rund 10 Mrd. $ geplant.

Wasserstoff und Windkraft – eine ideale Kombination?

Warum Wasserstoff so wichtig ist, das stellte heute (6. Dezember 2022) die Initiative „Klimahafen Gelsenkirchen“ heraus. Mit von der Partie sind dabei sechs produzierende Unternehmen (s. Kasten) im Hafengebiet, die Prozesswärme brauchen. Wie dieser Bedarf am besten dekarbonisiert werden könnte, das präsentierte die Initiative anhand der von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) geförderten Kurzstudie „Dekarbonisierung der Prozesswärme im Klimahafen“.

„Bislang galt die Elektrifizierung der Prozesswärme als bevorzugter Weg“, erklärt Lars Baumgürtel, Sprecher der Initiative und geschäftsführender Gesellschafter der auch am Projekt beteiligten ZINQ-Gruppe. „Die Studie bricht diese Ausrichtung klar auf und zeigt, dass Wasserstoff eine ebenso berechtigte Alternative ist.“

Klimaschutz durch die Industrie braucht beides: Umstellung von Wärme auf Strom und Wasserstoff

Die begleitenden Forscherinnen und Forscher des Wuppertal Instituts für Klima, Umwelt, Energie und des Fraunhofer-Instituts für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik Umsicht erhoben die derzeitige Istsituation der Prozesswärmeerzeugung in den einzelnen Unternehmen und entwickelten daraus Transformationspfade, zum einen für eine maximale Umstellung auf strombasierte Technologien, zum anderen auf wasserstoffbasierte Technologien und als drittes einen individuellen Mix aus beiden.

Vollgas in Richtung Wasserstoffwirtschaft

Fazit, so Baumgürtel: „Für die Energiewende in Deutschland macht für viele Betriebe die parallele Entwicklung redundanter hybrider Systeme Sinn. Deshalb sollte die Bundesregierung die infrastrukturelle Förderung nicht nur auf Strom, sondern stärker auch auf den Markthochlauf für grünen Wasserstoff ausrichten. So kann gerade im für die Energiewende so wichtigen Mittelstand die unternehmerische Entscheidung für den optimalen Weg zur Dekarbonisierung gewährleistet werden.“

Für die Industrie entscheidet sich auch beim Standort, ob sich ein Umstieg auf Wasserstoff lohnt

Zudem helfen der Kurzstudie zufolge branchenspezifische Top-down-Ansätze wenig, weil standortspezifische Komponenten dabei hinten runterfallen, aber durchaus ausschlaggebend sein können. Die Studie zeige, dass die „Umsetzung der aufgezeigten Transformationspfade letztlich vor allem von Verfügbarkeit, Infrastruktur und Kosten der jeweiligen Energieträger am Standort abhängig ist und dass im Klimahafen sowohl die Anbindung an eine leitungsgebundene Versorgung mit grünem Wasserstoff als auch der Netzausbau für strombasierte Wärmeerzeugung (Wärmepumpen etc.) für die Dekarbonisierung technisch erforderlich und wirtschaftlich sinnvoll sind“, heißt es seitens der Initiative in einer Mitteilung.

Für die Industriebetriebe am Nordrand des Ruhrgebiets dürfte daher auch eine Roadmap für Wasserstoffspeicher interessant sei, die der Nationale Wasserstoffrat (NWR) vor Monatsfrist erstmals vorstellt. Schließlich rechnet der NWR für 2030 bereits mit einem Bedarf von 5 TWh an Wasserstoff. Die müssen irgendwohin, egal, wie sie nach Deutschland kommen. Der NWR hat daher einen Aktionsplan für den Übergang von der fossilen Erdgasspeicherung hin zur Wasserstoffökonomie formuliert, vor allem, da heute die Investitionsanreize für eine entsprechende Speicherumrüstung gesetzt werden müssten.

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