Klima 19. Juli 2022 Von Christiane Schulzki-Haddouti Lesezeit: ca. 4 Minuten

Ein Cern für das Klima: Klimamodelle brauchen mehr Supercomputer

Aktuelle Klimamodelle können Starkregen und Dürren noch nicht genau genug vorhersagen. Mit neuesten Supercomputern wollen Klimaforscherinnen und Klimaforscher das in einem neuen internationalen Projekt ändern. Die deutsche Politik zeigt sich offen für diese Idee.

Das Forschungszentrum Jülich und seine Partner haben einen neuen Superrechner namens „Juwels“ konstruiert, der 85 Billiarden Rechenoperationen pro Sekunde (85 Petaflops) ausführen kann. Das entspricht der Rechenleistung von mehr als 300 000 modernen PCs. Inzwischen ist „Juwels“ installiert. Mit diesen sogenannten Exascale-Rechnern könnten genauere Klimamodelle Extremwetter besser vorhersagen.
Foto: Forschungszentrum Jülich/Wilhelm-Peter Schneider

Die klimabedingten Extremwetter der Dürresommer von 2018 und 2019 sowie die Hochwasserkatastrophe von 2021 haben in Deutschland Schäden in der Höhe von mindestens 80 Mrd. € verursacht. Das geht aus einer aktuellen Prognos-Studie hervor, die das Bundeswirtschaftsministerium in Auftrag gegeben hat.

Prognosen sind schwierig, denn die aktuellen Klimamodelle müssen noch genauer werden, um Starkregen und Dürren besser vorhersagen zu können. Das ist auch bei schweren Überschwemmungen und langen Dürreperioden der Fall, erläutern Topforschende aus der Klimawissenschaft in einer aktuellen Ausgabe der Zeitschrift „Nature Climate Change“.

Erster europäischer Exascale-Supercomputer kommt nach Jülich

Eine höhere Auflösung der Klimamodelle ist möglich mit hochmodernen Supercomputern mit Exascale-Rechenkapazität. Diese Rechenleistung erlaubt 1018 Fließkommaoperationen pro Sekunde. „Exa“ ist der SI-Einheitenvorsatz im Dezimalsystem für 1018. „Die große Vision ist die Schaffung eines digitalen Zwillings der Erde, der sich auf diese Vorhersagen stützt“, sagt Peter Bauer, Leiter der europäischen Initiative „Destination Earth“, die an einem solchen digitalen Zwilling bereits arbeitet. Für das im März 2022 gestartete EU-Projekt sind 150 Mio. € bis 2024 vorgesehen.

Klimawissenschaft fordert ein Cern für das Klima

Allein für den ersten europäischen Exascale-Rechner, der im Forschungszentrum Jülich stehen soll, wurden jetzt 500 Mio. € bereitgestellt. Er wird sich noch nicht ausschließlich mit Klimaberechnungen befassen. Für die Klimaforschung reicht das deshalb nicht.

Starkregen: Vorsorgen gegen die „Sturzflut von oben“

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