Maritime Wirtschaft 01. Aug 2022 Von Wolfgang Heumer

Bundeswehr: Marine startet in den MV Werften in Warnemünde

Die Deutsche Marine hat wieder eine eigene Werft und will dort die Instandsetzung der Flotte beschleunigen. Am Montag hat der Betrieb in Warnemünde seine Arbeit aufgenommen

Blick in Warnemünde auf den Standort der MV Werften mit dem ersten Schiff der Global-Class-Serie im Dock. Das war 2019. Heute sind die MV Werrften insolvent. Den Standort in Warnemünde hat die Bundeswehr übernommen. Am 1. August startet die Marine dort ihren eigenen Werftstandort, um ihre Flotte schiffsbautechnisch in Schuss zu halten.
Foto: imago images / BildFunkMV

Als die Fregatte „Brandenburg“ 2019 mit einem Schaden am Antriebsstrang kurzfristig ins Dock musste, stand die Marine vor einem Problem. Der einzige eigene Reparaturbetrieb im Arsenal Wilhelmshaven war mit routinemäßigen Arbeiten an der „grauen Flotte“ langfristig ausgebucht. Um auf eine zivile Werft auszuweichen, wäre ein langwieriger Ausschreibungs- und Vergabeprozess erforderlich gewesen. Erst nach vier Monaten konnte die Reparatur begonnen werden, die eigentlich nur zwei Wochen gedauert hätte.

Schiffbau in Seenot

Solche Probleme soll es künftig nicht mehr geben. Die schwimmenden Landesverteidiger haben an diesem Montag (1. August) mit dem Großdock und dem Betriebsgelände der insolventen MV Werften in Rostock-Warnemünde eine eigene Werft bekommen. In nur knapp drei Wochen zwischen der Unterschrift unter dem Kaufvertrag und dem Betriebsbeginn wurden die ersten 47 der insgesamt rund 500 geplanten „Dienstposten“ ausgeschrieben und besetzt. „Für unsere Verhältnisse ist das Lichtgeschwindigkeit“, staunten langjährige Angehörige der Marine.

Bundeswehr revidiert Sparkurs für Marine-Werften von vor zehn Jahren

Mit dem Kauf der früheren Warnow-Werft für rund 87 Mio. € revidiert das Bundesverteidigungsministerium eine Entscheidung von 2012. Bis dahin verfügte die Marine über jeweils einen Reparaturstandort in Wilhelmshaven und Kiel mit einer kleinen Außenstelle in Rostock.

Zulieferer von Schiffsausrüstung schwimmen auf Erfolgswelle

„Zwei Standorte sind nicht wirtschaftlich“, entschied der damalige Minister Thomas de Maizière und konzentrierte die Instandsetzung auf Wilhelmshaven. Zeitweise hatte sein Ministerium sogar überlegt, Reparatur und Wartung ganz an Privatfirmen abzugeben.

Mit den jetzt neu geschaffenen Dienstposten bekommt die Marine an der Warnow-Mündung zwei Drittel der seinerzeit von de Maizière in Kiel und Wilhelmshaven gestrichenen Stellen zurück.

In den MV Werften in Warnemünde fokussiert Marine auf schiffbauliche Arbeiten

Schiffbauer 2019 auf der MV-Werft an der Arbeit für ein Kreuzfahrtschiff. Die Marine sucht nach der Übernahme des Standortes dort vor allem Fachleute mit schiffbauliche Qualifikationen, aber auch Ingenieurinnen und Juristen.
Foto: picture alliance/dpa/Jens Büttner

Am neuen Standort sollen vor allem die rein schiffbaulichen Arbeiten an den Kriegsschiffen vorgenommen werden, wissen Marine-Insider über das noch nicht veröffentlichte Reparaturkonzept des Ministeriums. Wilhelmshaven und das dort vorhandene Dock bleiben demnach der „Allround-Standort“. Im Rest des Marinearsenals, das nach der 2012er-Reform in Kiel verblieben ist, soll ein großer Teil der elektronischen Komponenten der Kriegsschiffe gewartet und instandgesetzt werden.

Das Ende des Schulschiffs „Deutschland“

Diese Aufteilung wird durch die komplexe Ausrüstung der Korvetten, Fregatten und Minenjagdboote erforderlich. Die Komplexität wiederum gilt als wesentliche Ursache, dass die Pflege der Flotte so zeitaufwendig ist. „Zu Beginn der Wartung werden die elektronischen Systeme ausgebaut und dann unabhängig vom Schiff bearbeitet; nach der Dockung müssen sie wieder eingebaut werden; dann geht das Schiff zunächst in die Erprobung und schließlich in die Ausbildung der Besatzung an den neu installierten Geräten“, beschreibt ein Kundiger den Prozess. Selbst ohne Staus vor dem Dock können Monate vergehen, bis das Schiff in den Dienst zurückkehrt.

Die 2020 in Dienst gestellte Fregatte „Nordrhein-Westfalen“ der Deutschen Marine (links) trifft im Kieler Marinehafen auf die portugiesische Fregatte „Vasco da Gama“ (Mitte), die 1985 in Kiel von Thyssen Krupp Marine Systems (TKMS) gebaut wurde. TKMS hat die ehemalige MV-Werft in Wismar gekauft, wenige Tage später erwarb die Marine die Schwesterwerft in Warnemünde. Im Hintergrund die Gorch Fock, deren Instandsetzungskosten von 135 Mio. € die Marine und das Verteidigungsministerium in die Schlagzeilen brachte. Foto: Wolfgang Heumer

Das sieben Jahre alte niederländische Mehrzweckversorgungsaschifff „Karel Dormann“ macht Station in Kiel. Das Spezialfahrzeug der Königlichen Marine der Niederlande wird gemeinsam mit der Deutschen Marine genutzt. Wie alle Nato-Schiffe kann es künftig auch in Warnemünde gedockt werden. Den 45 Jahre alte Tanker A-1442 Spessart will die Marine durch einen Neubau ersetzen. Foto: Wolfgang Heumer

Bei Thyssen Krupp Marine Systems (TKMS) wird der 174 m lange Einsatzgruppenversorger „Frankfurt am Main“ instand gesetzt. Künftig will die Marine diese Arbeiten nicht mehr an zivile Unternehmen vergeben, sondern auf der neuen eigenen Werft in Warnemünde selbst erledigen. Foto: Wolfgang Heumer

Bis 2012 wurden im Marinearsenal Kiel noch Schiffe gewartet und repariert. Seither werden dort nur noch elektronische Komponenten und Waffensysteme instand gesetzt. Vor den Werkstätten liegen außer Dienst gestellte Schiffe wie diese drei Schnellboote der Gepard-Klasse, die seit 2016 nicht mehr im Einsatz sind. Foto: Wolfgang Heumer

In Warnemünde hoffen die rund 2000 ehemaligen Beschäftigten der MV Werften auf einen neuen Job bei der Bundeswehr

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