Robotik-Wochenrückblick 28. Okt 2022 Von Martin Ciupek

Verstärkte Teamarbeit in Europa und Aufruf gegen militärischen Einsatz von Robotern

Die Roboterbranche blickt auf eine ereignisreiche Woche zurück. In Europa wurde eine neue Allianz geschmiedet und in den USA stellten sich Hersteller gegen die Bewaffnung von Robotern. Gleichzeitig steigt der Absatz an Servicerobotern und beim Nachwuchs darf sich ein Team aus Deutschland freuen.

Lieber Freund als Feind: Der Absatz von Servicerobotern steigt. Gleichzeitig wachsen die Befürchtungen, dass diese zum Schaden von Menschen eingesetzt werden. US-Hersteller haben sich in einem offenen Brief nun dagegen positioniert.
Foto: PantherMedia / iakovenko123

Gestern wurde bekannt gegeben, dass die Vereinigung europäischer Roboterhersteller EUnited Robotics ab Januar 2023 mit dem Fachverband Robotik + Automation im Verband Deutscher Maschinen und Anlagenbau (VDMA) fusioniert. Damit soll eine starke Plattform für die Branche in Europa entstehen. Ab dann sollen die Mitglieder von EUnited vom VDMA-Fachverband vertreten werden.

Engere Zusammenarbeit in Europa: EUnited Robotics und VDMA fusionieren

Patrick Schwarzkopf, Geschäftsführer von VDMA Robotik + Automation, stellt dazu fest: „VDMA Robotik + Automation vereinigt mehr als 370 Mitgliedsunternehmen aus 13 europäischen Ländern.“ Der Verband freue sich, die Aktivitäten von EUnited Robotics fortzuführen. Dazu gehöre beispielsweise die Austragung des European Robotics Summit, die Interessenvertretung auf europäischer Ebene sowie die „Good Work Charter“-Initiative, bei der gute Arbeitsbedingungen und die Motivation von Beschäftigten im Mittelpunkt stehen.

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Wilfried Eberhardt, Vorsitzender von EUnited Robotics, sagt: „Wir werden unsere Ressourcen in einer starken europäischen Plattform bündeln, um die Vorteile der Automatisierung in Europa zu nutzen. So können wir bei der Entwicklung von Standards für die intelligente Fabrik der Zukunft effizienter werden, in Regulierungsfragen mehr Gehör finden und engagiert unseren Ansatz einer humanzentrierten Zukunft der Arbeit vorantreiben.“ Bereits in der Vergangenheit hatten beide Vereinigungen zusammengearbeitet. Sie können somit auf etablierte Prozesse aufsetzen.

Aktuelle Marktzahlen: Weltweiter Absatz von Servicerobotern steigt

Um 37 % ist der Absatz professioneller Serviceroboter im Jahr 2021 gegenüber dem Vorjahr weltweit gewachsen. Das belegen Zahlen aus dem Jahresbericht „World Robotics 2022 – Service Robots“, die die International Federation of Robotics (IFR) diese Woche veröffentlicht hat. Am stärksten war in diesem Segment demnach die Nachfrage in Europa mit einem Marktanteil von 38 %, gefolgt von Nordamerika mit 32 % und Asien mit 30 %. Auch die Verkäufe von Servicerobotern für den privaten und häuslichen Gebrauch legten demnach um 9 % zu.

Marina Bill, Präsidentin der IFR, erklärte dazu: „Serviceroboter für den professionellen Einsatz gibt es in sehr vielen Varianten. In der Regel sind diese Modelle für eine ganz bestimmte Aufgabe konzipiert und werden beispielsweise in Logistikzentren, Krankenhäusern und Flughäfen eingesetzt – oder sie helfen in der Landwirtschaft beim vollautomatischen Melken von Kühen.“ Von den rund 121 000 weltweit verkauften professionellen Servicerobotern wird laut IFR mehr als jeder Dritte für den Transport von Waren oder Gütern eingesetzt, insbesondere in Fabrikhallen.

Einen besonders starken Nachfrageschub erlebten Roboter für Hotel- und Gastgewerbe. Hier legte der Absatz gegenüber dem Vorjahr um 85 % auf 20 000 Einheiten zu. Diese Roboter bereiten etwa Speisen zu oder dienen als mobile Informationsplattformen. Gemessen am Marktpotenzial sind die Absatzzahlen hier laut der Branchenvereinigung allerdings noch gering. Bei den Medizinrobotern stieg der Absatz um 23 % auf 14 823 Einheiten und bei den professionellen Reinigungsrobotern um 31 % auf mehr als 12 600. Zunehmend etablieren sich Roboter auch in der Landwirtschaft. Hier wurde ein Wachstum von + 6 % auf 8000 verkaufte Einheiten verzeichnet. Pflegeroboter sind nach Aussage der IFR dagegen bisher ein Nischenmarkt.

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Gesondert betrachtet werden die Serviceroboter für den privaten Bedarf. „Hersteller produzieren diese Serviceroboter für einen Massenmarkt. Diese Modelle kommen mit einer völlig anderen Preisgestaltung und Vertriebsstrategie auf den Markt als Serviceroboter für den professionellen Einsatz“, verdeutlicht IFR-Präsidentin Bill. Fast 19 Mio. Roboter für den häuslichen Gebrauch wurden im Jahr 2021 verkauft, 12 % mehr als im Vorjahr. Am beliebtesten sind dabei Staubsaugerroboter und andere Roboter für die Bodenreinigung in Innenräumen.

US-Firmen unterzeichnen gemeinsame Erklärung gegen Bewaffnung von Robotern und appellieren an die Politik

Der Einsatz bewaffneter Drohnen in der Ukraine führt uns aktuell vor Augen, dass Roboter aber nicht nur friedlich eingesetzt werden können. Der US-Hersteller Boston Dynamics hat deshalb zusammen mit anderen US-Anbietern von universell einsetzbaren Robotern einen offenen Brief an die Roboterindustrie und die Community der Anwender veröffentlicht. Darin sprechen sich die Unternehmen deutlich gegen die Bewaffnung von Allzweckrobotern aus. Angesichts der Historie von Boston Dynamics ist das eine sehr klare Positionierung. Denn bekannt wurde das Unternehmen einst durch Hightech-Wettbewerbe der DARPA – einer Behörde des US-Verteidigungsministeriums. Bis heute kursieren Videos im Internet, die Titel wie „US Future Military Robots“ tragen. Der Roboterhersteller kennt sich also gut aus in diesem Bereich. Inzwischen gehört das Unternehmen jedoch dem koreanischen Technologiekonzern Hyundai, der mit den Robotern industrielle Anwendungen vorantreiben will.

„Der bewaffnete Einsatz dieser neuartigen Roboter wird auch das Vertrauen der Öffentlichkeit in die Technologie … erschüttern“, heißt es im offenen Brief von US-Roboterherstellern.

Die Unterzeichner des offenen Briefes mit dem Originaltitel „General Purpose Robots Should Not Be Weaponized“ warnen vor dem Missbrauch von Universalrobotern. Dazu zählen sie die Einschränkung von Bürgerrechten, aber insbesondere auch die Bewaffnung von ferngelenkten und teilweise auch autonom agierenden Robotern. In der Begründung heißt es: „Der bewaffnete Einsatz dieser neuartigen Roboter wird auch das Vertrauen der Öffentlichkeit in die Technologie in einer Weise erschüttern, die die enormen Vorteile, die sie der Gesellschaft bringen werden, zunichte macht. Aus diesen Gründen lehnen wir die Bewaffnung unserer hochmodernen Allzweckroboter ab.“

Weiter heißt es: „Wir sind uns darüber im Klaren, dass unser Engagement allein nicht ausreicht, um diese Risiken in vollem Umfang zu bewältigen, und rufen daher die politischen Entscheidungsträger auf, mit uns zusammenzuarbeiten, um den sicheren Einsatz dieser Roboter zu fördern und ihren Missbrauch zu verbieten.“ Sie appellieren daher auch an alle Organisationen, Entwickler, Forscher und Nutzer in der Robotikgemeinschaft, ähnliche Verpflichtungen einzugehen und keine Waffen an solchen Robotern zu bauen, sie weder zu genehmigen noch zu unterstützen oder deren Anbringung anderweitig zu ermöglichen.

Engagierter Nachwuchs: Team aus Deutschland gewinnt internationale WorldSkills-Meisterschaften

Für einen stärkeren Einsatz von Robotern spricht der demografische Wandel und der daraus resultierende Fachkräftemangel in Industrie sowie vielen anderen Bereichen wie auch der Gastronomie und der Pflege. Umso wichtiger ist auch in diesem Bereich ein engagierter Nachwuchs.

Erfolgreicher Nachwuchs: Die Mechatroniker Philipp Raab und Marvin Schuster von Mapal siegten bei den „WorldSkills“ in Luxemburg in der Disziplin „Robot Systems Integration“.
Foto: FANUC

Dieser durfte sich vor wenigen Tagen in Luxemburg messen, beim internationalen Berufswettbewerb „WorldSkills“ in der Disziplin „Robot Systems Integration“. Am Ende siegten die 20-jährigen Mechatroniker Philipp Raab und Marvin Schuster vom deutschen Werkzeugspezialisten Mapal aus Aalen. Sie erreichten das beste Gesamtresultat und sicherten sich mit einem deutlichen Punktevorsprung vor den Teams aus Taiwan und Polen den Titel des Weltmeisters in der Kategorie „Robot Systems Integration 2022“.

Angetreten waren junge Roboterprogrammiererinnen und -programmierer aus insgesamt elf Ländern, darunter Österreich, Frankreich, Ungarn, Luxemburg, Polen, Großbritannien, Indien, Japan, Singapur und Taiwan. Der Wettbewerb WorldSkills verfolgt das Ziel, die Berufsausbildung junger Menschen zu fördern.

Das leisten Roboter bei der Produktion von Fahrrädern und E-Bikes

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