Jahrestage 2022 19. Jan 2022 Von Iestyn Hartbrich / Stephan W. Eder / Peter Kellerhoff / Martin Ciupek / Bettina Reckter / Regine Bönsch / Peter Steinmüller

Die technikgeschichtlichen Highlights des Jahres

Was haben iPhone, Hannover Messe und Star Trek gemeinsam? Sie feiern im Jahr 2022 einen markanten Geburtstag. Eine Auswahl technisch bedeutender Jahrestage finden Sie in der Bildergalerie.

In den 1950er-Jahren erkrankten pro Jahr mehrere 100 000 Menschen weltweit an Poliomyelitis, kurz Polio. Die Erkrankung, die meist im Kindesalter auftritt und im Volksmund deshalb Kinderlähmung genannt wird, ist grausam. Polioviren befallen vor allem die Nerven an der ‧Skelettmuskulatur und führen zu bleibenden Lähmungen oder gar zum Tod. Nachdem ein Impfstoff gegen Polio ‧gefunden war, startete am 4. April 1957 in Deutschland die erste Massenschutzimpfung per Spritze, ab 1961 als Schluckimpfung mit einem Lebendimpfstoff. Seit Jahren treten hierzulande keine neuen Fälle mehr auf. ber
Foto: mauritius images / Science Source

Airbus gegen Boeing - so lässt sich der zivile Flugzeugbau im Jahr 2022 beschreiben. Jenseits der 100 Sitze hat sich eine Duopolstruktur herausgebildet. Von Anfang an war Airbus ein politisches Ziel europäischer Staaten, um die US-amerikanische Dominanz im Flugzeugbau zu brechen. Das Fotos zeigt das erste Airbus-Flugzeug, den A300, am Tag seines Erstfluges am 28. Oktober 1972 in Toulouse. Der A300 wurde bis 2007 produziert und insgesamt 561 Mal verkauft. Er war das erste Modell, das einen breiten Rumpf mit einem zweistrahligen Antriebssystem kombinierte. Foto: Airbus

Intuitive Revolution: Am 9. Januar 2007 wurde das erste iPhone auf der Macworld in San Francisco vorgestellt. Im Vergleich zu heutigen Modellen waren die Features des Geräts mickrig: Es verfügte u. a. über ein 3,5-Zoll-Display und eine 2-Megapixel-Kamera. Der Akku hielt sechs Stunden und es konnte über ‧Edge (also 2G) mit „satten“ Datenraten von 150 kbit/s bis 200 kbit/s funken. Doch das iPhone Classic, wie es auch genannt wird, war damals, als es Steve Jobs vorstellte, eine Revolution und seiner Konkurrenz weit voraus: Der Apple-Gründer verwirklichte nämlich in dem Gerät eine Vision, die er schon Anfang der 2000er-Jahre hatte. Auf dem Bildschirm sollte man wie auf einer Tastatur tippen können. Multitouch war geboren. Knöpfe wurden fast überflüssig, die Bedienung noch intuitiver. Das erste iPhone machte eine Technik massentauglich, die noch heute die Bedienung von Smartphones dominiert. 300 Patente und Geschmacksmuster sollen während der Entwicklung des iPhone angemeldet worden sein. Lange Schlangen bildeten sich zum Verkaufsstart im Juni in den USA, und auch im November in Deutschland. Hier wurde das Smartphone ausschließlich über die Telekom, die wiederum Apple an den Umsätzen beteiligte, angeboten. Der Preis für das erste iPhone: 399 €. rb Foto: dpa Picture-Alliance/AP Photo/Paul Sakuma

Am 22. April 2002 trat die 10. Novelle des Atomgesetzes in Kraft, die den schrittweisen Atomausstieg festlegt. Unter der rot-grünen Bundesregierung unter Kanzler Gerhard Schröder hatte der Deutsche Bundestag am 14. Dezember 2001 nach zweiter und dritter Lesung die Novelle verabschiedet. Bereits im Sommer hatte Schröder mit den Betreibern und Energiewirtschaftsverbänden die so genannte Verbändevereinbarung zum Atomausstieg unterzeichnet; die Novelle goss diese Regelung jetzt in Gesetzesform. Im Bild ist das Kernkraftwerk Brunsbüttel hinter Windkraftanlagen im Jahr 2008 zu sehen. Es war eines der ältesten Siedewasserreaktoren in Deutschland und hatte eine Installierte Leistung von 771 MW. 2009 sollte es nach dem 2002 beschlossenen Atomkonsens abgeschaltet werden, 2010 kam dann erst einmal unter der schwarz-gelben Bundesregierung unter Angela Merkel eine Laufzeitverlängerung, auch für Brunsbüttel. Nach der Katastrophe im japanischen Kernkraftwerk Fukushima-Daiichi wurden vorsorglich dann alle deutschen Kernkraftwerke vorübergehend außer Betrieb genommen. Acht ältere Anlagen, darunter auch Brunsbüttel, blieben jedoch dauerhaft vom Netz. swe Foto: Rainer Weisflog

100 Jahre Insulinbehandlung: Diabetes mellitus, auch Zuckerkrankheit genannt, kann lebensgefährlich werden. Wer kein eigenes Insulin in seiner Bauchspeicheldrüse herstellen kann, ist deshalb auf die Spritze angewiesen. Am 11. Januar 1922 wurde in Toronto erstmals ein 13-jähriger Patient erfolgreich mit dem Insulin eines Hundes behandelt. Kurz darauf gelang es, größere Mengen Insulin aus Schweinen und Rindern zu gewinnen. Heute wird das lebenswichtige Hormon meist biotechnologisch hergestellt. ber Foto: SSPL/Science Museum/Getty Images

Die Studie “Die Grenzen des Wachtums“ erschien Anfang März vor 50 Jahren. Auf dem Foto schaut der US-amerikanische Oekonom und Buchautor Dennis Meadows in die Kamera. Er war am 27. Januar 2010 in Bremerhaven im Klimahaus bei einer Pressekonferenz zur Gruendung der "Deutschen KlimaSiftung" dabei und hatte eine deutsche Fassung seines Buchs "Die Grenzen des Wachstums" mitgebracht. Meadows ist Leitautor der Studie, die im März 1972 mit dem Titel „The Limits to Growth. A Report for the Club of Rome’s Project on the Predicament of Mankind“ veröffentlicht wurde. Dies geschah auf zwei Konferenzen, eine am 2. März 1972 an der Smithonian Institution in der US-Hauptstadt Washigton DC, eine andere im Rahmen des St. Gallen Symposiums in der Schweiz. Meadows, seine Frau Donella H. Meadows und der Norweger Jørgen Randers loteten am Massachusetts Institute of Technology in Boston mit Hilfe von Computersimulationen im Auftrag des Club of Rome aus, wie die Zukunft der Weltwirtschaft aussehen könnte. Die deutsche Volkswagenstiftung finanzierte sie mit 1 Mio. DM. swe Foto: David Hecker/ddp

Schlauer Rechner: Vor 50 Jahren brachte Hewlett Packard seinen ersten Taschenrechner auf den Markt. Der HP-35 kostete beinahe 400 $ - zu damaliger Zeit ein stolzer Preis. Dafür beherrschte er aber trigonometrische und logarithmische Funktionen sowie Exponentialrechnungen. Der HP-35 gilt als erster wissenschaftlicher Taschenrechner auf dem Markt und wurde entgegen den Erwartungen von Hewlett Packard ein Verkaufserfolg, der die damals in Wissenschaft und Industrie gängigen Rechenschieber als Standard-Werkzeug ablöste. rb Foto: mauritius images / Stephen Chung / Alamy

„Der Weltraum, unendliche Weiten...“, als dieser Text im deutschen Fernsehen zum ersten Mal erklang, war das Phänomen „Star Trek“ in den USA schon fast vorbei. Dort lief die TV-Serie von 1966 bis 1969. Das ZDF ließ 1972 gerade einmal 26 Folgen synchronisieren und strahlte diese als „Raumschiff Enter‧prise“ ab dem 27. Mai 1972 samstags im Vorabendprogramm aus – pikanterweise in Konkurrenz zur Sportschau der ARD, was zu manchem Familienzwist führte. Da der Sender mit den Abenteuern der Crew von Captain Kirk (rechts im Bild) das junge Publikum adressierte, wurden fast alle Folgen gekürzt und zum Teil sinnentstellend synchronisiert. Zum Phänomen wurde Star Trek viel später mit den Folgeserien ab 1987 und den Kinofilmen. Das Original war erst ab 1985 im Privatsender Sat.1 zu sehen. jjdb Foto: Paramount Television/public domain

50 Jahre SAP: Am 1. April 1972 wurde die„Systemanalyse Programmentwicklung“ – kurz SAP – gegründet. Fünf ehemalige und enttäuschte IBM-Mitarbeiter (Dietmar Hopp, Hasso Plattner, Hans-Werner Hector, Klaus Tschira und Claus Wellenreuther) hatten eine Vision für das Geschäftspotenzial betriebswirtschaftlicher Software. Mit einem Kunden (ICI) und einer Handvoll Mitarbeitern schlug die SAP einen Weg ein, der nicht nur die Welt der IT, sondern auch die Art und Weise, in der Unternehmen ihre Geschäfte abwickeln, verändern sollte: Die Datenverarbeitung sollte am Bildschirm erfolgen (s. Foto), nicht wie bisher per Stapelverarbeitung. In enger Zusammenarbeit mit Unternehmen wie Burda, Linde, Knoll und ICI entstanden Programme für die Finanzbuchhaltung (RF), die Rechnungsprüfung und die Materialwirtschaft (RM), aus denen später R/2 und R/3 hervorgingen. Das erste Geschäftsjahr der fünf Freunde schließt mit einem Umsatz von 620 000 DM. Derzeit arbeiten über 100 000 Mitarbeitende für SAP, der Umsatz betrug 2020 weltweit mehr als 27,3 Mrd. €. Foto: 2022 SAP SE

„Die Spatzen vom Alex, die pfeifen es laut, hier wird unser neues Berlin aufgebaut!“ Die DDR-Propagandahymne beschallte die Großbaustelle der ‧Stalinallee in Ostberlin. Im Februar 1952 war die Grundsteinlegung für die 2 km lange Prachtmagistrale. Die pompösen Wohnblöcke sollten mit großzügigen Zimmern, Müllschluckern, Einbauküchen und Fahrstühlen demonstrieren, wie der Sozialismus den Lebensstandard der Arbeiterklasse verbessert. Doch die Arbeiter der Stalinallee waren es, die beim Aufstand vom 17. Juni 1953 die Großdemonstration gegen die stalinistische Diktatur anführten. Die Rote Armee schlug die Erhebung nieder, nach einigen Jahren verschwand der Straßenname und das Stalin-Denkmal. Geblieben sind die fast 2600 Wohnungen, die in den 1990er-Jahren an Immobilienfonds verkauft wurden. pst Foto: Steinmüller

Die deutsche Aggregat 4 (A4) gilt als weltweit erste Rakete mit Flüssigtriebwerk. Entwickelt wurde sie in der Heeresversuchsanstalt Peenemünde unter der Leitung von Wernher von Braun. Der erste Start erfolgte am 13. Juni 1942, der erste erfolgreiche Flug am 3. Oktober 1942. Dieser Start mit 84,5 km Gipfelhöhe gilt als erster Schuss ins All. Nach dem Flug hielt laut dem Historisch-Technischen Museum Peenemünde der Walter Dornberger alsl Leiter der Raketenabteilung des Heereswaffenamtes eine kurze Ansprache in Peenemünde: „Wir haben mit unserer Rakete in den Weltraum gegriffen und zum ersten Mal diesen Weltraum als Brücke zwischen zwei Punkten auf der Erde genutzt. Wir haben bewiesen, daß der Raketenantrieb für die Raumfahrt brauchbar ist. Neben Erde, Wasser und Luft wird künftig auch der unendliche Raum Schauplatz eines Kontinente verbindenden Verkehrs sein und als solcher politische Bedeutung erlangen können. Dieser 3. Oktober 1942 ist der erste Tag eines Zeitalters neuer Verkehrstechnik. Es ist der Beginn der Raumschiffahrt." Von den Nazis wurde die Rakete als „Vergeltungswaffe 2“ (V2) bezeichnet und militärisch genutzt. Die Produktion der Waffe kostete bis zu 20 000 Häftlinge des KZ Mittelbau-Dora das Leben, weitere 8000 Menschen starben durch Raketeneinschläge. Von Braun entwickelte nach dem Zweiten Weltkrieg in den USA die Mondrakete Saturn V. har Foto: HTM Peenemünde, Archiv

Am 1. August 1972 wurde das Radioteleskop Effelsberg in der Nordeifel an der Grenze zwischen Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz in einem Seitental der Ahr in Betrieb genommen. Es war mit seiner Apertur (Öffnungsweite) von 100 m rund 29 Jahre lang das weltweit größte bewegliche Radioteleskop, bis es im Jahr 2000 durch das Teleskop in Green Bank (USA) abgelöst wurde. Das Luftbild zeigt das Radio-Observatorium Effelsberg mit zwei Teleskopen, dem Parabolspiegel mit 100 m Durchmesser (oben Mitte) sowie der Lofar-Station Effelsberg (unten rechts). Finanziert von der Volkswagen-Stiftung errichtete eine Arbeitsgemeinschaft des MAN-Werks Gustavsburg und der Friedrich Krupp AG die Anlage innerhalb von vier Jahren von 1967 bis 1971. swe Foto: MPIfR/Bild: Peter Sondermann, VisKom/City-Luftbilder.

Am 16. Januar 1957 starteten drei Boeing B-52 Stratofortresses zum ersten Nonstop-Flug strahlgetriebener Flugzeuge um die Erde. Als die übermüdeten Besatzungen ihre Bomber nach 45 Stunden und 19 Minuten wieder auf der Castle Air Force Base in Kalifornien aufsetzten, hatten sie ihren Auftrag erfüllt. Möglich geworden war der Langstreckenrekord durch die wiederholte Luftbetankung der Flugzeuge, die die US Air Force in den 1950er Jahren für ihre Atombomber perfektioniert hatten. Der Flug war eine Demonstration gegenüber der Sowjetunion, dass die US-Streitkräfte ihre Nuklearwaffen an jedem Punkt der Erde einsetzen konnten. Einen sehr persönlichen Rekord stellte Bordschütze Eugene Preiss auf: Da er im Gegensatz zu seinen Kameraden seinen einsamen Platz im Heck der Flugzeuge nie verließ, beanspruchte für sich, als erster Mensch die Erde im Rückwärtsflug umrundet zu haben. Das Foto zeigt die drei B-52 nach ihrem Rekordflug auf der Castle Air Force Base, Foto: United States Air Force Historical Research Agency - Maxwell AFB, Alabama

Als Exportmesse ging die Hannover Messe, wie sie seit 1961 heißt, 1947 an den Start. Mit ihr sollte die durch den Krieg geschwächte deutsche Industrie wieder gestärkt werden. Der Plan ging auf: An den damals 21 Messetagen kamen rund 736 000 Besucher aus 53 Ländern nach Hannover. Dabei wurden laut Messegesellschaft Exportverträge über insgesamt fast 32 Mio. $ abgeschlossen. Veranstaltungsteile wie die Computertechnik (CeBIT) und die Holzverarbeitung (Ligna) wurden in den Folgejahren zu eigenständigen Messen. Zuletzt konnte die Messe zweimal nur digital stattfinden. Auch der nächste Termin, vom 25. bis 29. April 2022, ist fraglich. ciu Foto: Deutsche Messe Pressearchiv, Reinhold Lessmann

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