Konjunktur 01. Dez 2022 Von Claudia Burger

Produktion: Die Mehrheit der Unternehmen plant keine Drosselung

Jedes vierte größere mittelständische Unternehmen hat Produktion gedrosselt oder plant dies kurzfristig. Rund 60 % der Firmen mit einem Jahresumsatz zwischen 40 Mio. € und 1 Mrd. € haben keine Pläne in diese Richtung. Das ist das Ergebnis einer Forsa-Umfrage.

Die Energiekrise und die steigenden Preise führen in manchen Betrieben zu Produktionsdrosselung. Allerdings haben sich auch die Bemühungen verstärkt, regenerative Energien zu nutzen.
Foto: panthermedia.net/Seventy

Aufgrund der erwarteten Gasversorgungslage für diesen Winter hat jedes vierte größere mittelständische Unternehmen im produzierenden Gewerbe die Produktion bereits heruntergefahren (15 %) oder plant dies kurzfristig (9 %). Preissteigerungen zum Auffangen der zusätzlichen Energiekosten konnten 29 % der befragten Unternehmen aller Branchen durchsetzen. Nahezu die Hälfte (44 %) der Unternehmen hat zuletzt in alternative regenerative Energieträger investiert, 28 % planen dies derzeit. Das ist ein Ergebnis einer branchenweiten Befragung deutscher Unternehmen des Umfrage- und Meinungsforschungsinstituts Forsa im Auftrag der Unternehmensberatung FTI-Andersch.

Wann das Fehlen der Produktionsmengen bei Endkunden ankommt, ist nicht absehbar

„Wenn man zuletzt gelesen hat, deutsche Unternehmen würden Energie einsparen, dann ist vielfach mit Produktionsdrosselungen zu übersetzen gewesen“, sagt Steffen Puhlmann, Experte für Energie und Klima bei FTI-Andersch, der auf Restrukturierung, Business Transformation und Transaktionen spezialisierten Beratungseinheit von FTI Consulting in Deutschland. „Aufgrund der komplexen Situation geprägt durch Lieferengpässe, Materialknappheit, Inflation, Konsumrückgang und geopolitische Risiken lässt sich noch nicht genau abschätzen, ob, wann und in welcher Intensität das Fehlen dieser Produktionsmengen auch bei Endkunden ankommen wird. Es ist jedoch zu konstatieren, dass geplante Umsätze zuletzt nicht erzielt werden konnten. Dies kann und wird einige Unternehmen in Schieflage bringen.“

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Investitionen zur Effizienzsteigerung der Wärmenutzung in der Produktion

60 % der befragten produzierenden Unternehmen mit einem Jahresumsatz zwischen 40 Mio. € und 1 Mrd. € schließen bisher aus, ihre Produktion vorübergehend zurückzufahren. 38 % haben angegeben, bereits Investitionen zur Effizienzsteigerung der Wärmenutzung in der Produktion getätigt zu haben, 16 % führen dies gerade durch und 17 % planen diese Investitionen. „Dies kann und wird zu langfristigen Reduktionen führen, die sich positiv auf Ökobilanz und natürlich auch auf die Kosten auswirken“, sagt Steffen Puhlmann. „Und diese Zahlen machen Mut: Wenn es wirklich ernst wird, dann wachsen deutsche Unternehmen und Unternehmer über sich hinaus und arbeiten am Heben bisher nicht gekannter Effizienzen. Ein wichtiges positives Signal in dieser so schwierigen Zeit.“ Eine deutliche Mehrheit von 72 % setzt als Alternative regenerative Energieträger ein: 44 % haben dies bereits umgesetzt, jedes vierte Unternehmen (28 %) plant dies kurzfristig. Im Vergleich dazu: Nur ein Drittel ersetzt fehlendes Gas mit fossilen Energieträgern, gerade einmal 14 % planen diesen Schritt. 40 % schließen fossile Energie sogar vollständig aus.

Konjunktur

Raumtemperatur wird abgesenkt, Homeoffice wird genutzt

Weitere Maßnahmen, welche die von Forsa befragten Unternehmen umgesetzt haben oder gerade umsetzen, um Gas und Energie zu sparen: 61 % aller Unternehmen senken die Raumtemperatur, 54 % setzen vermehrt aufs Homeoffice. Rund die Hälfte hat bisher die Heizungsanlage gewartet, optimiert oder ausgetauscht. 29 % haben bereits Preissteigerungen zumindest in Teilen direkt an ihre Kunden weitergereicht. Befragt wurden 152 Unternehmen aus den Branchen Industrie, Handel und Dienstleistungen.

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