Rohstoffe 22. Feb 2022 Von Peter Odrich

Aluminiumpreis schießt nach oben

Der Preis für Aluminium liegt jenseits von 3200 $/t. Das Metall ist damit so teuer wie seit 13 Jahren nicht mehr. Analysten glauben, dass bald neue Allzeithochs erreicht sein werden.

Die Rusal-Aluminiumschmelze im russischen Bratsk könnte von westlichen Sanktionen betroffen sein, falls die Ukrainekrise eskaliert. Hier entsteht 1,5 % der weltweiten Aluminiumproduktion.
Foto: dpa Picture-Allaince/TASS/Alexander Ryumin

Der Aluminiumpreis entwickelt sich sprunghaft nach oben und hat mittlerweile das Niveau von vor 13 Jahren erreicht. Ähnlich haben sich in diesem Jahr bisher nur wenige Industriemetalle – etwa Nickel – entwickelt. Dafür gibt es zahlreiche Gründe. Der weltweite Aluminiumverbrauch stieg 2021 nach dem Einbruch im ersten Pandemiejahr steil. 2020 hatte es weltweit noch einen Überschuss von 1,9 Mio. t gegeben, um die der Verbrauch hinter der Produktion zurückblieb. Im vergangenen Jahr aber überstieg der Verbrauch die Erzeugung um 1,2 Mio. t. Für 2022 zeichnet sich eine ähnliche Entwicklung ab. Derzeit liegen weltweit in den Metalllagerhäusern nur noch 1,5 Mio. t. Das ist bei einem erwarteten Verbrauch von 66 Mio. t in diesem Jahr wenig.

Zu den Ursachen dafür, dass die Produktion nicht mit dem Aluminiumverbrauch Schritt hält, zählt besonders der Covid-Virus. Im Jahre 2020 hat er die Produktion aluminiumhaltiger Industrieerzeugnisse stark gebremst. Im größten Produzentenland China können viele Aluminiumproduzenten ihre Kapazitäten gegenwärtig wegen der covid-bedingten Lockdowns noch immer nicht ausfahren. Ein Auslaufen dieser Beschränkungen ist aber noch nicht abzusehen, da Beijing in der Pandemiebekämpfung weiter rigoros verfährt. Hinzu kommt die anhaltende Stromknappheit in China, die die Produktion der Aluminiumhütten zusätzlich stark behindert.

Konflikt in der Ukraine könnte zu Sanktionen gegen russische Aluminiumproduzenten führen

Aber auch andere Einflüsse tragen zur angespannten Situation am Aluminiummarkt bei. Dazu gehören die massiven geopolitischen Spannungen zwischen Russland und der Ukraine. Die Vereinigten Staaten drohen derzeit mit Sanktionen gegenüber Russland, falls es tatsächlich zu einer militärischen Auseinandersetzung kommt. Dazu dürfte – falls verhängt – auf jeden Fall auch die Sperrung der Grenzen für russisches Aluminium gehören. Der größte russische Produzent ist Rusal. Auf diesen Konzern entfallen rund 13 % der Weltaluminiumproduktion außerhalb der chinesischen Grenzen. Vor einigen Jahren hatten die Amerikaner schon einmal Sanktionen gegen Rusal verhängt. Die Folge war ein beträchtliches temporäres Preischaos an den Aluminiummärkten.

33 Zukunftstechnologien – und welche Rohstoffe dafür benötigt werden

Aber selbst das Marktgeschehen treibt derzeit den Aluminiumpreis direkt nach oben. Mehr und mehr industrielle Einkäufer, die sich auf längere Sicht durchaus gut eingedeckt fühlten, bemühen sich inzwischen darum, die Liefertermine für Aluminium vorzuziehen. Dies ist allerdings nur durch Preiszugeständnisse möglich. In der Folge werden gegenwärtig besonders hohe Prämien für vorzeitige Aluminiumauslieferungen bezahlt, wie gegenüber VDI nachrichten von zahlreichen Tradern an der größten europäischen Metallbörse, der London Metal Exchange (LME), bestätigt wird.

Preisrallye könnte bis 4000 $/t weitergehen

An der LME hat der Aluminiumpreis in den wenigen Wochen seit Beginn dieses Jahres um 13 % zugelegt. Ganz überwiegend wird im Metallhandel damit gerechnet, dass schon in absehbarer Zeit der bisherige Allzeitpreisrekord von 3380 $/t, der im Jahre 2008 aufgestellt worden war, übertroffen werden dürfte. Die amerikanische Investmentbank Goldman Sachs, die traditionell selbst stark am Metallhandel interessiert ist, setzt noch für dieses Jahr auf einen neuen Höchststand von 4000 $/t. Dabei spielt die Energiepreisentwicklung eine ganz wesentliche Rolle.

Elektrische Energie ist nicht nur in China knapp und entsprechend teuer. Das Gleiche gilt auch für Europa. Im Februar 2022 stehen in Europa rund 800 000 t Schmelzkapazität für Aluminium still, weil der Strom zu teuer oder nicht verfügbar ist. Mitte Februar kündigte der bedeutende norwegische Aluminiumproduzent Norsk Hydro die Reduzierung der Nutzung seiner slowakischen Anlagen (Slovalco) auf nur noch 60 % an. Direkt in Verbindung mit der Stromknappheit muss auch die CO2-Gebührenbelastung in die Erwartungen einbezogen werden. Die gesetzliche Abgabe je ausgestoßener Tonne CO2 ist seit Jahresfrist deutlich nach oben gegangen, was die Aluminiumproduzenten ganz erheblich belastet. Aluminium ist nämlich das Industriemetall, das mit dem relativ höchsten Energieaufwand produziert wird. Solange die Energiepreise steigen, solange wird voraussichtlich auch der Aluminiumpreis in die Höhe gehen.

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