VDI-Statusbericht 22. Jul 2022 Von Claudia Burger

Einsatz von KI-Anwendungen bleibt hinter Erwartungen zurück

Die Nutzung von Methoden der künstlichen Intelligenz (KI) bleibt nach einer VDI-Umfrage unter Mitgliedern hinter den Erwartungen zurück.

Vor dem Beginn der Coronapandemie gab es einen regelrechten Hype um die Einsatzmöglichkeiten und Entwicklungen in der KI. Eine Umfrage des VDI zeigt nun, dass die Realität hinter den Erwartungen im Arbeitsalltag von Ingenieuren bislang zurückgeblieben ist.
Foto: PantherMedia / BiancoBlue

Ist der Einsatz von künstlicher Intelligenz (KI) im Arbeitsalltag von Ingenieuren und Ingenieurinnen angekommen? Dazu startete der VDI im März 2022 eine Umfrage, an der sich rund 300 Mitglieder beteiligt haben. Die Ergebnisse wurden mit einer Umfrage aus 2018 verglichen. Dieter Westerkamp, VDI-Bereichsleiter Technik und Gesellschaft, fasst das Ergebnis zusammen: „Die Prognosen aus der letzten Umfrage aus dem Jahr 2018 erfüllen sich nicht. Die seinerzeit geäußerten Erwartungen im Hinblick auf die Nutzung von KI-Methoden werden deutlich nicht erreicht.“

Die größte Nutzung von KI-Methoden ergibt sich laut den VDI-Mitgliedern bei der Datenanalyse. Es folgt der Einsatz bei der vorausschauenden Instandhaltung, im Qualitätsmanagement sowie im Rahmen von Assistenzsystemen. Auf die Frage, in welchen Bereichen das größte Potenzial von KI außerhalb der industriellen Produktion gesehen wird, wird wie schon 2018 am häufigsten das automatisierte Fahren genannt. 

KI ist für Michael Weyrich ein Wachstumstreiber

Coronadigitalisierungsschub forcierte KI-Anwendungen nicht

Der überwiegende Teil der Befragten gibt an, dass das eigene Unternehmen noch keine KI-basierten Produkte oder Dienstleistungen anbietet. KMUs hinken Großunternehmen hinterher. Ein Grund dafür, dass sich die Erwartungen der früheren Befragung nicht erfüllt haben, kann laut VDI die Coronapandemie sein, die neue und andere Herausforderungen vor allem in den Jahren 2020 und 2021 mit sich brachte. Die Digitalisierung sei durch die Pandemie forciert worden und hätte demnach eigentlich einen Schub für KI-Anwendungen im Ingenieuralltag bedeuten können. Sehr pessimistisch ist die Einschätzung der VDI-Mitglieder im Hinblick auf eine führende Rolle Deutschlands in der künstlichen Intelligenz. So sagten etwa 76 % der Befragten, dass Deutschland keine führende Rolle einnimmt, etwa 24 % geben an, Deutschland mindestens eine führende Rolle in einigen Bereichen zuzuschreiben.

Ingenieurwesen und Informatik müssen bei KI zusammenwirken

Dafür steigt die Quote derer, die sich KI-Kenntnisse bereits im Studium aneignen. Aus Sicht der Befragten können Ingenieurwesen und Informatik die anstehenden Herausforderungen bei der Anwendung von KI nur gemeinsam lösen. Sie sehen sich bei der Nutzung von KI in einer wichtigen Rolle, da sie in der Regel die Anbindung von technischen Systemen zum realen Prozess verantworten. Der Stellenwert von KI im Alltag der Ingenieurinnen und Ingenieure ist Stand heute jedoch gering.

Die VDI-Umfrage bestätige, dass der Einsatz von Methoden der KI in der Praxis noch auf ausgeprägte Hemmnisse stößt. Weitere Ergebnisse der KI-Umfrage sind im Statusreport „Künstliche Intelligenz im Ingenieuralltag – Erwartungen und Realität“. Der Statusreport wurde von den Mitgliedern des „Interdisziplinären Gremiums Digitale Transformation im VDI“ (IGDT) erarbeitet.

Hier geht es zum Statusreport Künstliche Intelligenz im Ingenieuralltag

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