Wirtschaftsforschung 05. Jul 2022 Von Stephan W. Eder

Kohle bringt Wachstum

Ökonomen haben sich die Erfolgsgeschichte hinter dem Abbau von Kohle und der Kohleverstromung angesehen. Die gibt es nämlich – und das macht einen Kohleausstieg schwieriger als den aus anderen Energierohstoffen.

Das Kohlekraftwerk Lünen-Stummhafen der Trianel. Einem Forschungsteam des Berliner Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change (MCC) zufolge erhöhen Kohlekraftwerke regional das Pro-Kopf-Einkommen.
Foto: Trianel

„Wer den jetzt dringend nötigen weltweiten Kohleausstieg voranbringen will, muss die Sorgen der betroffenen Regionen um ihre Zukunftsfähigkeit ernst nehmen“, schreibt das Berliner Klimaforschungsinstitut MCC (Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change). Worum gehts? Wenn ein Land auf Kohle und Kohlekraftwerke setzt, so eine neue Studie des MCC, dann habe das der Bevölkerung vor Ort und dem gesamten Land etwas gebracht. Kohleausstieg tut also einer Volkswirtschaft weh. Und damit ist ein Kohleausstieg herausfordernder für die jeweiligen Regierungen, als zum Beispiel aus der Kernenergie auszusteigen.

Der Letzte macht das Licht aus

Neue Kohlekraftwerke, so klimaschädlich sie auch seien, seien in der Vergangenheit wirtschaftlich lukrativ gewesen, so das MCC. Die Studie zeigt auf, wie groß der Effekt ist, über welche Kanäle er erzeugt wird und was das für eine realistisch angelegte Klimapolitik bedeutet.

Extra-Wohlstandsschub durch Kohlekraftwerke

Für die Analyse kombinierte das Forschungsteam umfangreiche empirische Daten zu Kraftwerksprojekten mit denen zur regionalen Wirtschaftsentwicklung. Mit dem Verfahren der Ereignisstudie (durch Betrachten der echten Entwicklung vor und nach dem Bau eines Kraftwerks) bezifferte das MCC-Team für unterschiedliche Formen der Stromerzeugung die Wirkung auf die regionale Wirtschaft. „Erstmals wurde somit dieser Zusammenhang weltweit, und nicht nur für Einzelfälle, erforscht“, heißt es in der Mitteilung.

Markt beschleunigt Kohleausstieg

„In der Durchschnittsbetrachtung zeigt sich vier Jahre nach der Installation von 100 MW neuer Kohlestromkapazität in einer Region ein Extra-Wohlstandsschub von 0,2 % höherem Pro-Kopf-Einkommen“, berichtet Lorenzo Montrone, Doktorand in der MCC-Arbeitsgruppe Klimaschutz und Entwicklung und Leitautor der Studie. „Wir finden ähnliche Effekte für Wasserkraftwerke, aber nicht für die anderen untersuchten Energiequellen Gas, Kernkraft und Erneuerbare.“ Das helfe zu verstehen, so Montrone, warum Regierungen so stark auf Kohle gesetzt hätten – „und was bei einer Politik des Kohleausstiegs wahrscheinlich an begleitender regionaler Wirtschaftsförderung nötig ist“.

Wachstumseffekt durch Kohle und durch Infrastrukturaufbau

Der Wachstumseffekt der Kohleverstromung ist plausibel: Förderung des Brennstoffs, neue Eisenbahnlinien, Straßen oder Häfen. Diese Infrastruktur kann auch eine weitere Industrialisierung auslösen. Kohlestrom gilt als besonders verlässlich, das lockt energieintensive Unternehmen an die Kraftwerksstandorte.

Die heimische Braunkohle wird wieder mehr wahrgenommen

Für die durchschnittliche in der Studie betrachtete Region, mit 2 Mio. Einwohnern und einem jährlichen Pro-Kopf-Einkommen von knapp 10 000 $, beziffert sich der Wohlstandsgewinn auf 153 Mio. $. Die lokalen Schäden für Umwelt und Gesundheit könnten durchaus geringer sein, und die Politik vor Ort schaue womöglich eher auf die lokale Kosten-Nutzen-Relation als auf das Weltklima, heißt es warnend im Fazit der Studie.

„Der Nutzen [der Kohle, Anm. d. Red.] ging über die reine Bereitstellung von Strom weit hinaus“, sagt MCC-Arbeitsgruppenleiter Jan Steckel. Sein Fazit für einen erfolgreichen globalen Ausstieg aus der Kohleverfeuerung zu Stromerzeugung: „Die Industrieländer müssen dem globalen Süden helfen, nachhaltige Industrialisierung und Strukturwandel hinzubekommen und auch ohne Kohle zu Wohlstand zu gelangen.“

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