Deutsches Maritimes Zentrum 28. Apr 2022 Von Peter Kellerhoff

Energieträger der Zukunft auf Schiffen

Eine erste Gesamtübersicht zur Transformation der deutschen maritimen Industrie zeigt: In der untersuchten Flotte werden bisher kaum alternative Kraftstoffe eingesetzt.

Ein großes Frachtschiff auf dem Nord-Ostsee-Kanal. Ein Schiffsleben dauert mitunter Jahrzehnte. Daher muss bei heutigen Neubauten schon klar sein, welche Antriebskraftstoffe zur Verfügung stehen werden. Ist es aber noch nicht, stellt eine Studie klar.
Foto: WSA Kiel-Holtenau

Die Energiewende treibt auch die maritime Industrie um: Mit welchem Kraftstoff kann man heute, in zehn und in 25 Jahren ein Schiff möglichst klimaneutral fahren? Die Beantwortung dieser Frage ist laut Deutschem Maritimen Zentrum (DMZ) zentral, um zu Investitionsentscheidungen für neue Schiffe oder den Umbau von vorhandener Tonnage zu kommen, egal, ob ein Binnenschiff, ein Küstenfrachter oder ein 22 000 Container fassendes Riesenschiff.

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Analyse der möglichen Kraftstoffe für Schiffe

„Wir müssen wissen, welche Kraftstoffe und Energieträger – einschließlich der Verträglichkeit, der Verfügbarkeit und der Emissionspotenziale nach Schiffssegmenten – für die Schifffahrt verfügbar sind. Hierzu hat das Deutsche Maritime Zentrum 2021 eine Studie bei der Ramboll GmbH beauftragt“, erläutert Claus Brandt, Geschäftsführer des Deutschen Maritimen Zentrums.

Mit Fokus auf eine Flottenanalyse mit engem Bezug zur deutschen maritimen Wirtschaft liefert die Studie einen Überblick über die alternativen Kraftstoffe und Energieträger, die perspektivisch regenerativ erzeugbar sind. Typenabhängige Schiffsdesigns, Versorgungspotenziale weltweit, erforderliche und vorhandenen Regelwerke sowie Handlungsempfehlungen für Entscheidungsträger werden in einem Zusammenhang dargestellt.

Schifffahrt auf der Suche nach klimaneutralen Antrieben

„In der Studie wird die Erzeugung dieser Kraftstoffe einschließlich der Energieeffizienzen ebenso betrachtet wie die Kosten für die Energieträger der Zukunft sowie für den Neu- und Umbau der Schiffe. Lücken in der Regulative wurden identifiziert und Vorschläge für das zukünftige Regelwerk benannt“, so Thomas Rust von Ramboll.

Selbst aktuelle Schiffsneubauten werden mit den etablierten fossilen Schiffskraftstoffen ausgelegt

Die Studie zeigt:

– In der untersuchten Flotte werden bisher kaum alternative Kraftstoffe eingesetzt. Zur Minderung der Treibhausgas-Emissionen werden nahezu ausschließlich die entsprechenden Energieeffizienzziele erfüllt. Ein Einsatz von regenerativen Energieträgern ist bisher nur äußerst selten vorgesehen.

– Das weltweite aktuelle Orderbuch für Neubauten zeigt ein analoges Bild. Der überwiegende Anteil der Schiffe ist auf die Erfüllung der gültigen Regeln der International Maritime Organization (IMO) zur Minderung der Schadstoffemissionen (Schwefel- und Stickoxide) ausgelegt, unter Verwendung der etablierten (fossilen) Schiffskraftstoffe.

– Es ist bisher nicht eindeutig absehbar, wie die technischen Lösungen in 30 Jahren aussehen werden.

– Ein genereller Trend zu nur einem bestimmten regenerativ erzeugbaren Kraftstoff, mit dem sich Versorgung und Speicherung an Bord sowie die Umsetzung in Propulsionsleistung realisieren ließen, ist bisher nicht erkennbar.

– Es fehlt ein gültiges internationales Regelwerk, um die CO2-Emissionen der regenerativ erzeugten Kraftstoffe, (auch fuel blends genannt) zu reduzieren.

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Handlungsempfehlungen für die maritime Industrie der Zukunft

In der Studie werden Handlungsempfehlungen vorgestellt, wie sich der Übergang in die CO2-Neutralität in der Schifffahrt gestalten lässt und welche flankierenden Maßnahmen, Gesetze und Regularien dafür notwendig sind bzw. angepasst werden müssen.

„Wesentlich wird in Zukunft sein, eine tragfähige Aussage über die CO2-Emission der alternativen Energieträger von der Herstellung bis zum Tank an Bord machen zu können,“ erläutert der Projektleiter Ralf Plump, Referent Schiffs- und Meerestechnik im DMZ.

Dieses Problem betreffe nicht nur die Schifffahrt, sondern auch die Umstellung der globalen Energieversorgung insgesamt.

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