Arburg 23. Jan. 2026 Von Wolfgang Schmitz Lesezeit: ca. 3 Minuten

Auf internationalen Bühnen zu Hause

Familienunternehmen baut Führungsspitze um und richtet sich strategisch für die Zukunft aus.

China-Erfahrung: Volker Nilles, der vor wenigen Tagen den Vorsitz der Geschäftsführung bei Arburg übernahm, hatte bei Kraussmaffei Kunststofftechnik das globale Neumaschinengeschäft verantwortet und war Vorstandsmitglied.
Foto: Arburg

Die Schlagzeilen über den Zustand des deutschen Maschinenbaus pendeln zwischen Alarm und zartem Optimismus: „Investitionen wandern ab – Innovationsstandort in Gefahr“, „Maschinenbau 2026: Zwischen Krise und Comeback“ oder „Stagnation auf niedrigem Niveau“. Die Branche kennzeichnet eine anhaltende Konjunkturflaute und eine insgesamt verhaltene Investitionsbereitschaft, sie verharrt wie das Kaninchen vor der Schlange. Das Reptil hat mehrere Namen, allen voran „Donald Trump“. Die Entwicklung steht und fällt mit den geopolitischen Entwicklungen, mit der Wirtschaftspolitik des US-Präsidenten, mit den Auswirkungen des Ukrainekriegs und mit der Bereitschaft anderer Länder, den (ökonomischen) Schulterschluss mit Deutschland zu suchen. Große Hoffnungen ruhen seit dem jüngsten Kanzlerbesuch vor allem auf Indien.

Internationale Krise

Die Zeit der Unsicherheit geht an Arburg, einem Hersteller von Spritzgießmaschinen mit Hauptsitz in Loßburg, nicht spurlos vorbei. Die Krise hat auch den Maschinenbauer im Griff. Der Umsatz von Arburg sank 2024 um 23 % auf 600 Mio. €. Über sozialverträgliche Maßnahmen fielen Stellen weg. Das kann aber nicht die einzige Lösung sein. Im Schwarzwald ist man sich darüber im Klaren, flexibel auf die Schwankungen im Markt reagieren zu müssen. Und der wird bekanntlich immer internationaler. Vor allem China bereitet den Baden-Württembergern Kopfschmerzen. In der Volksrepublik werden große Stückzahlen an Spritzgießmaschinen im untersten Preissegment verkauft.

Um im Dickicht der Unwägbarkeiten Antworten zu finden, braucht es Experten, die sich auf den Bühnen der Welt auskennen und die sich permanenten Veränderungen gewachsen fühlen. Einen von ihnen hat Arburg nun verpflichtet. Und das auf denkbar höchstem Posten. Volker Nilles übernahm vor wenigen Tagen den Vorsitz der Geschäftsführung. Die Worte des geschäftsführenden Gesellschafters Michael Hehl sprechen Bände: „Wir freuen uns, mit Dr. Nilles einen international erfahrenen Experten mit breitem Portfolio an Bord willkommen zu heißen.“ Wenn man es denn so lesen möchte, liegt die Betonung auf „international erfahren“ sowie auf „breitem Portfolio“ für hohe Anpassungskompetenz. Genau das, was gesucht wird.

Herausforderung China

Volker Nilles ist ein international erfahrener Manager mit Expertise in Maschinenbau, Kunststoffverarbeitung und Transformation. Die stellte der 54-Jährige auf mehreren namhaften Stationen unter Beweis. Bei Thyssenkrupp war er weltweit für Einkauf, Logistik und Produktion verantwortlich. Es folgten leitende Positionen als Werkleiter bei Bosch Rexroth sowie eine zehnjährige Tätigkeit als CEO der Kleemann GmbH, in der Nilles die internationale Ausrichtung des Herstellers von Brech- und Siebanlagen vorantrieb. In den Erklärungen, warum sich Arburg ausgerechnet für Nilles entschieden hat, führt kaum ein Satz an seiner internationalen Orientierung vorbei. „Seine Laufbahn ist geprägt von internationalen Managementaufgaben mit spezifischen Erfahrungen aus den USA, China und Indien sowie generell von einem klaren Fokus auf Transformation, Wachstum und nachhaltige Organisationsentwicklung.“

Ab 2020 stand Nilles in Diensten der Kraussmaffei Kunststofftechnik, wo er als Executive Vice President New Machines sowie Mitglied des erweiterten Vorstands das globale Neumaschinengeschäft verantwortete. Vor seinem Wechsel zu Arburg war Nilles, der Maschinenbau an der RWTH Aachen studierte und an der TU München in Betriebswirtschaft promovierte, CEO der Humbaur GmbH, eines Herstellers von Pkw-Anhängern, wo man den Maschinenbauingenieur nur ungern gehen ließ.

Jetzt beginne für ihn ein weiteres spannendes Kapitel, sagt der neue Mann auf der Arburg-Kommandobrücke. „Mit großem Respekt vor dem, was war. Mit echter Vorfreude auf das, was kommt. Und mit dem guten Gefühl, diesen Schritt genau zur richtigen Zeit zu gehen.“ Das hofft auch sein neuer Arbeitgeber.

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