Automobilgeschichte 12. Aug 2022 Von Hans W. Mayer

Als Opel mit dem Kadett die Kompaktklasse eroberte

Mit dem Opel Kadett kam vor 60 Jahren ein familientaugliches und preiswertes Auto auf den Markt, das erstmals dem VW Käfer Konkurrenz machte.

... dann klappts auch mit der Nachbarin: Werbung für den Opel Kadett A. Das Auto war für die Familiengründung gerüstet: Anders als beim Käfer passte ein Kinderwagen in den großzügigen Kofferraum.
Foto: Opel Automobile GmbH

Als die Opel-Werke in Rüsselsheim am 14. August 1962 ihr 100-jähriges Jubiläum feierten, gab es zeitgleich noch einen weiteren Anlass, die Sektkorken knallen zu lassen: die Vorstellung des ersten Nachkriegskadett, dessen Serienproduktion wenig später im nagelneuen Opel-Werk Bochum anlief. Mit ihm erwuchs dem marktbeherrschenden Volkswagen Käfer erstmals ein ernst zu nehmender Konkurrent.

Einen Vorgänger gleichen Namens hatte Opel schon 1937 präsentiert. Bis Mai 1940 wurden 107 608 Exemplare des zeitweise meistverkauften deutschen Kleinwagens (1074 cm3, 17 kW) produziert. Sechs Jahre nach dem kriegsbedingten Produktionsstopp feierte er in Moskau Wiederauferstehung als Moskwitsch 400, eine detailgetreue Kadett-Kopie, die auf den aus Rüsselsheim als Reparationsleistung requirierten Produktionsstraßen entstand. Neben der viertürigen Limousine wurden bis 1954 auch zahlreiche Lieferwagen, Kombis, Krankenwagen und sogar Cabriolimousinen produziert.

Bereits vor dem Zweiten Weltkrieg taufte Opel ein Modell auf den Namen „Kadett“, hier bei der Montage im Jahr 1938.
Foto: Opel Automobile GmbH

Schon zwei Monate nach seinem Produktionsstart kletterten die Lieferfristen des deutschen Nachkriegs-Kadett auf vier bis fünf Monate. Sein Erfolg basierte auf seiner Einfachheit: ein relativ geräumiges und ausreichend motorisiertes familientaugliches Auto ohne unnötigen Firlefanz und deshalb preiswert. „Mehr Auto braucht kein Mensch“, mögen die fast 11 Mio. Käufer gedacht haben, die sich zwischen 1962 und 1991 für den kleinen Opel entschieden.

Der Opel Kadett war dem VW Käfer in Technik und Ästhetik überlegen

Die im schnörkellosen Bauhaus-Stil gezeichnete, 3,92 m lange Stufenhecklimousine war dem technisch und optisch in die Jahre gekommenen Wolfsburger Bestseller in allen Kriterien überlegen. Der Kadett war stärker, schneller, bequemer und sparsamer als der Käfer (der damals noch nicht so hieß) und verfügte über eine anständige Heizung.

Von A bis E, bis R wie Rallye – unsere Bildergalerie zeigt die Typenentwicklung des Opel Kadett

Wesentlich weniger bieder als die Erstversion wirkte der Opel Kadett B, von dem zwischen September 1965 und August 1973 fast 2,65 Mio. Einheiten produziert wurden, viermal so viel wie vom Erstling.

Foto: Opel Automobile GmbH

Begonnen hatte die Erfolgsgeschichte im Jahr 1962: Der Opel Kadett war stärker, schneller, bequemer und sparsamer als der VW Käfer und verfügte über eine anständige Heizung.

Foto: Opel Automobile GmbH

Mit dem 1963 eingeführten Opel Kadett Caravan konnten Handwerker ihr Material zur Baustelle bringen. Mit dem gegen Aufpreis erhältlichen 35-kW-Motor erreichte die Variante immerhin 130 km/h Spitze.

Foto: Opel Automobile GmbH

Für sportliche Naturen gab es den Opel Kadett B mit Schrägheck, dem sogenannten Fastback. Hier ist die Rallyeversion von 1971 zu sehen.

Foto: Opel Automobile GmbH

Als Familienauto präsentierte Opel den Kadett C auf diesem Foto von 1977. Diese Version wurde von 1973 bis 1979 produziert, als stärkste Motorisierung wurde ein Zweiliter-Einspritzer mit 85 kW im Kadett GT/E angeboten.

Foto: Opel Automobile GmbH

Der von 1979 an produzierte Kadett D war die erste Version mit Frontantrieb und die erste, für die ein Dieselmotor im Angebot war.

Foto: Opel Automobile GmbH

Mit Walter Röhrl und dem Kadett GT/E machte Opel 1975 Werbung. Im Rallyeeinsatz machte Röhrl aber schlechte Erfahrungen: „Irgendwas war immer: Mal ging das Getriebe kaputt, mal das Kardanmittellager, mal die Hinterachse. In drei Jahren bin ich damit bei der Monte Carlo nur einmal Vierter geworden, sonst ist das Auto ständig ausgefallen. Mein Beifahrer wollte mir schon ein gescheiteres Auto bauen.“

Foto: Opel Automobile GmbH

Der Opel Kadett E war die letzte Baureihe. 1991 war Schluss, auch mit den Offiziersdienstgraden für Opel-Typen (Kadett, Commodore, Admiral). Der Nachfolger trug den international vermarktbaren Namen „Astra“.

Foto: Opel Automobile GmbH

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