TECHNIKGESCHICHTE 23. Mrz 2017 Peter Schwarz

Rudolf Diesels (frühe) Kritiker

Der Selbstzünder steht nicht erst seit Kurzem unter Beschuss. Schon dessen berühmter Erfinder hatte in der Ingenieurwelt seiner Zeit einen schweren Stand.

Auch wenn Diesel die Motoren revolutionierte: Auch für Rudolf Diesel gab es Stolpersteine.
Foto: panthermedia.net/welcomia

Rudolf Diesel musste sich gegen zahlreiche Konkurrenten behaupten.
Foto: via Wikimedia Commons, gemeinfrei

Anfang der 1890er-Jahre stellte Rudolf Diesel Fachleuten des Motorenbaus seine Idee eines neuen Verbrennungsmotors vor. Er sollte nicht nur die Dampfmaschine, sondern alle damals bekannten Verbrennungsmotoren – also auch den Ottomotor – ablösen. Diesel korrespondierte dazu auch mit Eugen Langen, der 1864 mit Nicolaus August Otto das Vorläuferunternehmen der Gasmotoren-Fabrik Deutz (GFD) gegründet hatte.

Als erfahrener Motorenbauer war Langen nicht leicht zu überzeugen. Er brachte Diesel dazu, ein Patentgesuch einzureichen – in der Hoffnung, damit eine präzise Beschreibung der zu bauenden Maschine zu erhalten. Doch Diesel legte nur eine Beschreibung und entsprechende Berechnungen vor. Überraschenderweise erhielt er dafür Anfang 1893 dennoch ein Patent.

Der GFD reichte das allerdings nicht. Sie lehnte den Bau eines Versuchsmotors ab. Diesel ließ sich davon nicht entmutigen. In den folgenden vier Jahren entwickelte er – unterstützt von Krupp – bei der Maschinenfabrik Augsburg den Motor, der seinen Namen trägt. Es war ein mühsamer, enttäuschungsreicher Weg. Dabei war es nicht etwa, wie in der Literatur oft fälschlich behauptet, die Gasmotoren-Fabrik Deutz, die ihm das Leben schwer machte. Angegriffen wurde der Erfinder vielmehr von deutschen Ingenieuren. Sie wiesen ihm Fehler in seinen Betrachtungen und Berechnungen nach oder sahen sich in ihren Patentrechten beeinträchtigt.

Der schärfste Kritiker Diesels war Otto Köhler, Hochschullehrer in Köln. Er hatte keine eigenen Patente zu verteidigen. Ihm ging es ausschließlich um die Widerlegung von Diesels Thesen.

Der deutsche Ingenieur Emil Capitaine griff Diesel an, weil er seine Patentrechte sichern wollte. Da Diesel in Krupp und der Maschinenfabrik Augsburg finanzkräftige Partner hatte, konnte Capitaine abgefunden werden und verzichtete auf seine Priorität. Er war der einzige Gegner, dessen Patentansprüche Diesel hätten gefährlich werden können.

Um den Selbstzünder schnell auf den Markt zu bringen, bemühte sich die Maschinenfabrik Augsburg darum, die GFD als Lizenznehmer zu gewinnen. Zu einer größeren Serienfertigung waren die Augsburger alleine nicht in der Lage. Außerdem sprach das gute Image der GFD für eine Kooperation.

In Köln zögerte man jedoch. Nach abermaliger Prüfung von Diesels Patenten kam man zu dem Schluss, dass diese keinen Bestand haben würden.

Unterstützt von Diesel-Kritiker Köhler entwarf die GFD eine Nichtigkeitsklage. Als der Entwurf in Augsburg eintraf, brach die Maschinenfabrik die Verhandlungen ab. Zu einer Klage kam es jedoch nicht. In Köln wartete man vielmehr bis zum Ablauf von Diesels Hauptpatent. 1907 wagte man sich dann mit eigenen Konstruktionen auf den Markt.

Dennoch hat Diesel auch als Unternehmer reüssiert. Mit hohen Pauschalen und Prozentsätzen für verkaufte Motoren brachte es der Ingenieur zu einem beträchtlichen Vermögen. Sein Reichtum war jedoch nur von kurzer Dauer. Als Diesel 1913 starb, war er im heutigen Sinne insolvent.

Hans-Jürgen Reuß ist Fachpublizist für Verbrennungsmotoren und Otto-Biograf. Helmut Müller leitet das Technikum der Deutz AG in Köln – die Sammlung historischer Motoren des Unternehmens.

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