Messe SPS 2021 26. Nov 2021 Von Martin Ciupek

Automatisierungsbranche verzeichnet starken Auftragszuwachs

Wirtschaftlich steht die Automatisierungsbranche gut da. Das wurde im Rahmen der kurzfristig ausgefallenen Messe SPS deutlich. Die Verbände VDMA und ZVEI präsentierten dazu in dieser Woche online aktuelle Branchenzahlen.


Foto: PantherMedia/ekkasit919

Gut gefüllte Auftragsbücher und zweistellige Wachstumsraten, so lautet eine aktuelle Botschaft aus der Automatisierungstechnikbranche in Deutschland. Laut dem Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie (ZVEI) meldeten die dort registrierten Unternehmen von Januar bis September 2021 in der Automation einen Umsatz von 38,4 Mrd. €. Das ist ein Plus von 11 % im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Damit ist die Branche nahezu wieder auf dem Niveau von 2019. Für das Gesamtjahr 2021 erwartet der ZVEI-Fachverband ein Umsatzwachstum von 8 %. Die Auftragseingänge stiegen in den ersten neun Monaten dieses Jahres sogar um 26,1 %. Rainer Brehm, Vorsitzender des ZVEI-Fachverbands Automation erklärte dazu am Dienstag: „Die unterschiedliche Entwicklung bei Auftragseingängen und Umsatz dieses Jahr ist vorrangig auf Materialknappheiten zurückzuführen. Die Auftragsbücher der Unternehmen sind voll, allerdings können viele Unternehmen nicht so liefern wie sie gerne würden.“ Knapp seien insbesondere bestimmte Metalle, Kunststoffe und Halbleiterbauteile.

Laut dem Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) profitiert die Automatisierungstechnik von der konjunkturellen Erholung im Maschinen- und Anlagenbau. Laut dem Fachverband Elektrische Automation im VDMA konnten die dort zusammengeschlossenen Unternehmen in den ersten neun Monaten des laufenden Jahres ein Auftragsplus von 38 % erzielen und der Umsatz wuchs im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 23 %.

Zuwächse in allen Teilbereichen

Auftragszuwächse konnten dabei laut den VDMA-Zahlen alle Teilbereiche der Elektrischen Automation verzeichnen. Die Sensorik legte im Auftragseingang 32 % zu und erzielte in den ersten drei Quartalen 2021 ein Umsatzwachstum von 23 % im Vergleich zum Vorjahr. Sogar 42 % mehr Aufträge gab es in der Steuerungstechnik, die beim Umsatz um 24 % zulegte. „Sonstige Erzeugnisse“ erlebten einen Nachfragezuwachs von 47 % und ein Umsatzplus von 24 % in der Statistik. In allen drei Bereichen übersteigt die Nachfrage aus dem Ausland die Inlandsnachfrage.

Auch für 2022 erwartet der VDMA eine Fortsetzung der Erholung. „Für 2022 rechnen wir mit einem Anstieg im Umsatz von plus 5 % im Vergleich zu 2021“, prognostizierte Jörg Freitag, Vorstandsvorsitzender des VDMA Elektrische Automation, vorigen Mittwoch. Zurückzuführen sei dies insbesondere auf Nachholeffekte aus Aufträgen, die erst im kommenden Jahr umgesetzt werden. Allerdings gebe es weiterhin Unsicherheiten: Insbesondere die weitere Entwicklung der Materialverfügbarkeit bereite auch den Automatisierern im Maschinenbau große Sorgen.

ZVEI verweist auf Klimaschutz und digitales Typenschild

Trotz wirtschaftlich ähnlicher Entwicklungen setzten beide Branchenverbände anlässlich der Messe unterschiedliche Schwerpunkte. Beim ZVEI standen die Rolle der Automatisierungstechnik für eine nachhaltige Wirtschaft sowie Aspekte der Verwaltungsschale und des digitalen Typenschilds im Vordergrund.

Eine Kernbotschaft von ZVEI-Mann Brehm lautete: „Automatisierungstechnik trägt entscheidend dazu bei, die künftigen Klimaziele zu erreichen.“ Die im Oktober erschienene Studie „Klimapfade 2.0“ des Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI), zeigt eindrücklich, dass der Hebel zu einer klimafreundlichen Zukunft in der umfassenden Elektrifizierung und Digitalisierung liege. Der ZVEI habe an der Studie mitgewirkt.

Einen Beitrag zum Klimaschutz möchten die Automatisierer im ZVEI auch mit dem „European Digital Product Passport“ leisten, der auf dem vom ZVEI entwickelten digitalen Typenschild beruht, das 2019 erstmalig auf der Messe SPS in Nürnberg vorgestellt wurde. Als Teilmodell der Industrie-4.0-Verwaltungsschale bietet das digitale Typenschild zahlreiche Vorteile: „Nicht nur spezifische Geräteinformationen können digital, mehrsprachig und stets aktuell abgerufen werden, sondern auch die ganzer Maschinen“, berichtetet Gunther Koschnick, Fachverbandsgeschäftsführer Automation. Damit entfalle eine Dokumentation auf Papier.

VDMA engagiert sich für kabellose Kommunikation

Beim VDMA ging es in diesem Jahr dagegen vorrangig um die kabellose Kommunikation zwischen Maschinen sowie der Monetarisierung von Maschinendaten. Die innerhalb des Verbands im März 2021 gegründete Arbeitsgemeinschaft „Wireless Communications for Machines“ (AG WCM) sei inzwischen von 81 Gründungsmitgliedern aus dem Maschinen- und Anlagenbau, der Automatisierungstechnik sowie der Informations- und Kommunikationstechnik auf 98 Mitglieder angewachsen. Sie diene den Beteiligten als anwendungsorientierte, domänenübergreifende Erfahrungsaustauschplattform.

„Mehr denn je ist Zusammenarbeit zwischen Anbietern drahtloser Vernetzungstechnologien und Maschinenherstellern notwendig, um die Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit des Maschinen- und Anlagenbaus auf dem Weltmarkt zu behaupten“, sagte dazu Jörg Freitag, Vorstandsvorsitzender des VDMA-Fachverbands Elektrische Automation. Die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft erarbeiten dazu technologieneutral und unter Beachtung der Gesamtwirkzusammenhänge unter anderem Anforderungen an Funktechnologien, Funkinfrastrukturen und Wirtschaftlichkeitsbetrachtungen zur Realisierung von neuen Anwendungs- und Wertschöpfungspotenzialen.

Maschinendaten monetarisieren

Informationsbedarf sieht der Branchenverband auch hinsichtlich datengetriebener Geschäftsmodelle. „Die erfolgreiche Verwertung von Maschinendaten kann nur gemeinsam gelingen. Für alle Beteiligten muss der Nutzen den Aufwand überwiegen sowie das Risiko bekannt und vertretbar sein“, erklärte Reinhard Heister, Geschäftsführer des VDMA-Fachverbands Elektrische Automation dazu.

Der Fachverband veröffentlicht dafür nun den Leitfaden „Wertschöpfung aus Maschinendaten 4.0 – Die Praxisanleitung für den Mittelstand“. Heister dazu: „Ziel ist die Stärkung der Wertschöpfungskette ‚Automatisierungszulieferer, Maschinenhersteller und Maschinenbetreiber.‘“ Er hebt hervor: „Das klingt trivial, ist in der Praxis aber oft schwierig zu realisieren.“ Der Leitfaden solle eine Anleitung sowie Hilfsmittel liefern, Projekte gemeinsam mit Partnern anzugehen. Bei der Auswahl des geeigneten Anwendungsszenarios; der Einschätzung von Nutzen, Aufwand und Risiko und der Bearbeitung der Handlungsfelder unterstützen ein Analysetool mit elf Arbeitsblättern sowie leicht verständliche Kataloge die Nutzer.

Maschinenschnittstelle OPC UA und Industrie 4.0

Anfang dieser Woche hatte der VDMA bereits angekündigt seine Aktivitäten rund um die Maschinenschnittstelle OPC UA neu zu ordnen. OPC UA dient zur standardisierten Vernetzung von Maschinen in den Fabrikhallen bis hinein in die Cloud. Der dezentrale Ansatz im VDMA wird nun durch eine neue strategische Ausrichtung und Positionierung abgelöst: „Die neue Abteilung Machine Information Interoperability haben wir im VDMA gegründet, um die Interoperabilität der Produktionswelten und das Ökosystem Industrie 4.0 ständig zu optimieren“, sagte Hartmut Rauen, stellvertretender VDMA-Hauptgeschäftsführer. Die OPC UA-Schnittstellenentwicklung sei dabei der Schwerpunkt der Arbeiten. „Damit finden wir weltweiten Zuspruch“, erklärte Rauen. Werkzeugmaschinenhersteller sowie andere Unternehmen aus dem Maschinen- und Anlagenbau arbeiten seit 2007 in der Umati-Initiative zusammen mit Kunden an der Verbreitung und Nutzung offener Schnittstellenstandards auf Basis von OPC UA. Umati steht für universal machine technology interface.

Auch das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) hat die Relevanz des Harmonisierungsunterfangens rund um die Maschinenschnittstelle OPC UA erkannt. Im Zuge des Projektes „Interoperable Interfaces for Intelligent Production“ unterstützt das Bundesministerium die Bestrebungen der Industrie. Die Projektergebnisse sind laut VDMA sowohl im nationalen als auch im internationalen Umfeld ein zentraler Baustein von Industrie 4.0 und smarten Produktionsanlagen.

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