Erneuerbare Energien 14. Okt 2022 Von Christiane Schulzki-Haddouti

EU-Parlament: Holz aus dem Wald sollte besser nicht direkt verheizt werden

Geht es nach dem Europäischen Parlament, dann braucht die EU ehrgeizigere Energieziele – gleichzeitig will die Volksvertretung die Verwendung von frisch geschlagenem Holz als Energiequelle aus Umweltschutzgründen schrittweise einschränken. Das aber hat auf Dauer Konsequenzen für Waldbauern, Holzbranche und Kaminbesitzer.

Das Scheitholz fein gestapelt, kuschelig warm und ein gutes Ökogewissen – denn Holz ist ja eine nachhaltig nutzbare Ressource. Das Idealbild hat seit Längerem schon gößere Risse bekommen. Denn der Direkteinschlag aus dem Wald ist nur in begrenztem Umfang wirklich nachhaltig. Das hat inzwischen auch die EU erkannt.
Foto: imago images/Westend61

Der Anteil erneuerbarer Energien soll nach Willen des Parlaments von derzeit 22 % bis zum Jahr 2030 auf 45 % erhöht werden. So will das EU-Parlament (EP) das Ziel der CO2-Neutralität der EU bis 2050 erreichen. Das zumindest sieht die dritte EU-Richtlinie für erneuerbare Energien (Renewable Energy Directive, RED III) vor, die das EP Mitte September verabschiedete.

Klimaschutz hat jetzt Vorrang in Deutschland

Der Aufreger dieser Entscheidung ist angesichts der akuten Debatte um die Versorgungssicherheit im Energiesektor in den Hintergrund geraten: Es dreht sich um die Frage, ob weiterhin Holz gerodet werden darf, um es als Biomasse direkt zu verbrennen. Für den Europaabgeordneten und den offiziellen Berichterstatter des EP zu dieser Richtlinie, den CDU-EP-Abgeordneten Markus Pieper, ist holzbasierte Biomasse ganz klar ein „Baustein der Energiewende“. Doch die Mehrheit seiner EP-Kolleginnen und -Kollegen sah das anders – warum nur?

Drei Fünftel der in der EU genutzten erneuerbaren Energien ist Biomasse – vor allem Holz

Ein Blick auf die Zahlen macht deutlich, welche Bedeutung heute die Nutzung des sogenannten Primärholzes für die Energiegewinnung hat. Laut Eurostat stammten 2019 rund 60 % der in der EU genutzten erneuerbaren Energien aus Biomasse, vor allem aus Holz. Etwa die Hälfte dieses Holzes stammt einer EU-Studie nach nicht aus Abfallprodukten, sondern aus zu diesem Zweck gefällten Bäumen. Der Wald wird also verfeuert und das wird, da diese Holznutzung bisher als „erneuerbar“ eingestuft ist, auch gefördert.

Holz wird mit einer Axt gespalten, und dann in der Regel direkt verfeuert. Nach der neuen Erneuerbare-Energien-Richtlinie der EU (RED III) soll ab 2030 „primäre holzige Biomasse“ nicht mehr als förderfähig gelten. Das aber betrifft vor allem den kommerziellen Einsatz.
Foto: imago images/imagebroker/theissen

Laut einer Folgenabschätzung der EU-Kommission soll die Nutzung von Bioenergie von 2030 bis 2050 um durchschnittlich 69 % gesteigert werden. So sollen notwendige Ausgleichsleistungen für das Stromnetz, Hochtemperaturwärme für die Industrie, moderne Biokraftstoffe und negative Emissionen bereitgestellt werden.

Holzkessel und Kaminöfen in der Zwickmühle

Viel Luft nach oben ist aber nicht mehr: Laut Bundesverband Erneuerbare Energie (BEE) macht Holz im Wärmesektor mehr als 75 % der Erneuerbaren aus. Wenn die erneuerbare Energie für Wärme nur um 10 % erhöht wird, benötigt dies bereits 50 % des derzeitigen jährlichen Holzeinschlages in Europa. Davor warnte bereits 2018 eine im Wissenschaftsfachmagazin „Nature Communications“ erschienene Studie.

Holz aus dem Wald kann klimaneutral verfeuert werden, aber das gilt nur für begrenzte Mengen

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