Geschichte der Adam Opel AG 29. Dez 2022 Von Hans W. Mayer Lesezeit: ca. 4 Minuten

Mehr als Autos bauen: Was Opel einst für Produkte anbot

Der Autobauer Opel hatte einst mehr zu bieten als nur den Kadett. Nämlich Kühlschränke, Kinofilme und Korkmaschinen. Ein unterhaltsamer Blick ins Produktportfolio.

Der Opel-Hubtransporter von 1936 konnte 3 t in 2 m Höhe heben. In den 1970er-Jahren waren noch rund 60 dieser Fahrzeuge im Einsatz.
Foto: Opel Automobile GmbH

Wer in der 160-jährigen Unternehmensgeschichte von Opel nach spektakulären Fahrzeugen und Ereignissen sucht, wird gleich mehrfach fündig. Beim Grand Prix de Lyon von 1914 beispielsweise steuerte Werksfahrer Carl Jörns das hubraumstärkste Fahrzeug der Opel-Geschichte: Der bis zu 228 km/h schnelle Rennwagen wurde von einem Reihenvierzylinder mit innovativer Vierventiltechnik angetrieben, der aus 12,3 l Hubraum 191 kW bei 2900 min-1 holte und ein gewaltiges Drehmoment von 700 Nm besaß.

Opel experimentierte mit Raketenautos

Mit einem alternativen Antrieb der ganz besonderen Art ging am 23. Mai 1928 Fritz von Opel (1899–1971), Enkel des Firmengründers, passionierter Privatpilot und Hobbyastronom, auf der Berliner Avus an den Start. Mit seinem zigarrenförmigen Opel RAK 2, angetrieben von 24 paarweise und zeitversetzt per Fußpedal gezündeten Feststoffraketen, erreichte er nach rund 1800 m 238 km/h, ein deutscher Geschwindigkeitsrekord für Landfahrzeuge, der bis 1934 Bestand hatte.

Genau einen Monat später legte „Raketen-Fritz“, wie er im Volksmund hieß, nochmals nach und schickte auf der schnurgeraden Bahntrasse zwischen Celle und Burgwedel das unbemannte Schienenfahrzeug Opel RAK 3 auf die Reise. Befeuert von zehn ferngesteuerten Raketen erreichte es mit 256 km/h einen neuen Weltrekord für Schienenfahrzeuge.

Elektroauto: Rekordfahrt mit optimiertem Opel GT

Das Opel-typische Tempo- und Dynamik-Gen hatte offenbar auch ein weiterer Gründerenkel in den Adern: Am 17. Mai 1971 brachte der 59-jährige Georg von Opel auf dem Hockenheimring einen aerodynamisch optimierten Opel GT an den Start. Dessen 66 kW starker Ottomotor war durch zwei Gleichstrommotoren von Bosch ersetzt worden, die eine kurzzeitige Höchstleistung von 118 kW abgaben. Gespeist wurden sie von vier Nickel-Cadmium-Batterien des Zulieferers Varta mit einem Gesamtgewicht von 590 kg. Sechs Weltrekorde für Elektrofahrzeuge waren die Ausbeute.

Dieser Opel-Motorpflug von 1911 mit sechs Pflugscharen wurde von einem Motor mit 44 kW aus 10 l Hubraum angetrieben. Foto: Opel Automobile GmbH

Wie aus den Annalen hervorgeht, bewiesen die Opel-Ingenieure auch Kompetenz in bodenständiger Technik. So entwickelten sie 1911 einen monumentalen Motorpflug mit riesigen Stahlrädern und sechs Pflugscharen, den ein vor den Vorderrädern installierter Motor aus dem eigenen Haus mit 44 kW aus 10 l Hubraum antrieb.

Als Opel mit dem Kadett die Kompaktklasse eroberte

Laut Betriebsanleitung konnte der Koloss täglich 10 ha bis 12 ha auf mittelschwerem Boden umpflügen und bot dem Landwirt damit eine enorme Arbeitserleichterung im Vergleich zu Dampfpflug oder Pferdefuhrwerk.

Opel baute auch Flugzeugmotoren

Ebenfalls 1911 feierte der Opel-Flugzeugmotor Premiere, ein 48 kW starker und mit nur 130 kg extrem leichter wassergekühlter Vierzylinder. Seinen Jungfernflug absolvierte er auf dem Darmstädter Flugplatz in einem Doppeldecker des Flugpioniers August Euler.

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