Umweltpreis 2022 05. Sep 2022 Von Martin Ciupek

Ingenieurleistung überzeugt Deutsche Bundesstiftung Umwelt

Die Gewinner des mit insgesamt 500 000 € dotierten Deutschen Umweltpreises stehen fest. Unter anderem dürfen sich zwei Ingenieure aus dem Schiffbau freuen.

Ausgezeichnete Ingenieurleistung: Becker Mewis Duct (BMD) nennt sich die Erfindung, mit der die Ingenieure Friedrich Mewis und Dirk Lehmann den Schiffbau auf Klimakurs gebracht haben. Hierzu wird eine Düse mit integrierten Strömungsleitflächen vor einem Propeller montiert. Damit wird der Brennstoffverbrauch erheblich reduziert.
Foto: Dirk Lehmann

Für ihren Erfindergeist und unternehmerischen Wagemut erhalten die Diplomingenieure Friedrich Mewis und Dirk Lehmann in diesem Jahr den Deutschen Umweltpreis. Sie teilen sich die Summe in Höhe von insgesamt 500 000 € mit dem promovierten Biologen Christof Schenck, der seit Jahrzehnten dafür kämpft, gigantische Wildnisgebiete vor menschlichem Eingriff zu schützen und zu bewahren. DBU-Generalsekretär Alexander Bonde würdigte das Engagement der Ingenieure mit den Worten: „Mewis und Lehmann haben zusammen den Becker Mewis Duct geschaffen. Das ist ein Daniel-Düsentrieb-Moment für den Schiffbau.“ Hierbei handelt es sich um ein hydrodynamisches Energiesparsystem für Schiffsantriebe. Ursprünglich wurde das System für langsame Schiffe mit völliger Rumpfform wie Tanker konzipiert. Durch die Weiterentwicklung kommen sie jetzt auch bei Containerschiffen zum Einsatz.

Die Zusammenarbeit zwischen Mewis und Lehmann reicht ins Jahr 2001 zurück. Mewis hatte sich als Tüftler im Schiffbau einen Namen gemacht, Lehmann war Chef des mittelständischen maritimen Unternehmens Becker Marine Systems mit Sitz in Hamburg, dessen Geschäftsführer er heute noch ist. Ging es Mewis und Lehmann anfangs um Verbesserung von Rudern für sehr große Containerschiffe, drehte sich ihre Kooperation ab 2007 um die Frage, wie die Effizienz bei großen, langsamen Schiffen zu steigern sei – beispielsweise von Tankern und Massengutfrachtern. Mewis kombinierte dazu bekannte Komponenten – der Becker Mewis Duct (BMD) war geboren. Mewis erklärt den BMD so: „Eine energiesparende Vorrichtung aus einer Düse mit integrierten Strömungsleitflächen, die vor einem Schiffspropeller montiert wird.“ Der Verbrauch von Schweröl – und damit der Ausstoß umweltschädlicher Treibhausgase (THG) – werde so um bis zu 10 % gesenkt. Positiver Nebeneffekt: leisere Schiffe und geringere Lärmbelastung für Meerestiere wie Wale. Gegen alle Widerstände hatte Lehmann den Mut, den BMD in die Praxis umzusetzen.

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Bislang wurde die Lösung weltweit in 1400 Schiffen eingebaut, 300 Exemplare sind bestellt. Der BMD ist dabei bis zu 60 t schwer, bis zu 7 m im Durchmesser. Er wird in zwei Hälften produziert, die am Schiff zusammengeschweißt werden.

Erhebliche CO2-Einsparungen in der Schifffahrt

Seit Markteinführung 2008 seien dadurch in der Schifffahrt weltweit neben Brennstoff und Energie auch umweltschädliche Treibhausgase (THG) eingespart worden. Auf rund zwölf Millionen Tonnen Kohlendioxid (CO2) wird die Einsparung beziffert. Das ist etwa so viel wie der jährliche CO2-Ausstoß Tansanias oder Hamburgs.

Laut dem DBU-Generalsekretär ist es enorm wichtig, „die Schifffahrt auf Klimakurs“ zu bringen. Schließlich liege der Anteil der internationalen Schifffahrt am globalen Treibhausgas(THG)-Ausstoß bei fast 3 %. Das entspricht mehr als 1,1 Mrd. t CO2-Äquivalente. Zum Vergleich: Deutschlands THG-Emissionen liegen laut Umweltbundesamt pro Jahr bei 762 Mio. t.

Preisträger des Deutschen Umweltpreises 2022 der DBU: Die beiden Ingenieure Friedrich Mewis (oben links) und Dirk Lehmann sowie der Biologe Christof Schenck (unten). Foto [M]: Pohlmann|DBU; Schröer|ZGF

Der Biologe Christof Schenck teilt sich den Umweltpreis 2022 mit zwei Ingenieuren. Hier trinkt er aus einem Lianenstamm.

Foto: Daniel Rosengren/ZGF

Der Unternehmer Dirk Lehmann ist Geschäftsführer des mittelständischen Hamburger Unternehmens Becker Marine Systems.

Foto: Kathrin Pohlmann/DBU

Der Tüfftler Friedrich Mewis hatte die Idee zum sogenannten Becker Mewis Duct (BMD).

Foto: Kathrin Pohlmann/DBU

Biologe setzt sich für die Artenvielfalt ein

Ganz andere Aspekte spielten bei der Wahl des Biologen Schenck eine Rolle. Bonde bezeichnete ihn als „Kämpfer für die Wildnis“. Der DBU-Generalsekretär erklärte: „Artenverlust ist neben der Klimakrise die große ökologische Herausforderung unserer Zeit. Ohne Artenvielfalt geht es uns Menschen schlecht.“ Schenck habe es mit unbändigem Einsatz geschafft, große Wildnisrefugien zu schützen. Dies sei ein Weg, um das Weltnaturerbe für kommende Generationen zu bewahren. Der Biologe Schenck wolle die Hotspots der Artenvielfalt langfristig vor dem Zugriff wirtschaftlicher Interessen bewahren und gleichzeitig die nachhaltige Entwicklung und finanzielle Absicherung der Bevölkerung vor Ort gewährleisten. Er fordert „eine Basisfinanzierung der Top-Nationalparke“, die oft mit schwankenden Einnahmen zu kämpfen haben. Sein Gegenmittel: die Gründung eines internationalen Naturerbefonds, des Legacy Landscapes Fund.

Die Ehrung der Preisträger findet am Sonntag, den 30. Oktober 2022 beim Festakt in Magdeburg statt. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier wird die Preise überreichen.

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