Rohstoffpreise 22. Feb 2022 Von Dennis Bastian

Indikator zeigt akute Rohstoffknappheit an

Kupfer, Zink und Zinn sind teuer wie nie zuvor. Aluminium notiert ebenfalls auf dem Niveau historischer Rekordstände. Jetzt springen die Kassapreise auch erstmals seit 2007 auf breiter Front über das Niveau der Terminkontrakte.

Kupfer, hier in Folienform, gehört zu den Industriemetallen, die in den ersten Monaten 2022 Allzeithochs erklimmen.
Foto: panthermedia.net/ VladimirNenezic

Die für die Wirtschaft bedeutendsten Industriemetalle wie Aluminium, Blei, Kupfer, Nickel, Zink und Zinn werden alle an der Londoner Metallbörse (LME) gehandelt. In den letzten Monaten und Wochen erreichten Kupfer, Zinn oder Zink dort sogar neue Rekordstände. Aluminium notiert kurz unterhalb alter historischer Höchststände. Dies weist darauf hin, dass die Nachfrage hoch und die Marktdeckung, also die Differenz zwischen Angebot und Nachfrage, negativ ist oder sich in einem fragilen und knappen Gleichgewicht befindet.

Die Bedeutendsten Rohstoffhändler der Welt

Unser Autor Dennis Bastian ist Experte für Industriemetalle bei der Deutschen Rohstoffagentur (DERA).
Foto: DERA

Ein anderer wichtiger Indikator, der die aktuelle Situation auf den Rohstoffmärkten widerspiegelt, ist das Verhältnis zwischen den Preisen auf dem Kassa- und dem Terminmarkt. Vereinfacht gesagt werden beim Terminmarkt die gehandelten Rohstoffe zu einem späteren Termin geliefert, beim Kassamarkt erfolgt die Lieferung innerhalb weniger Tage. Ein typischer Kontrakt für den Terminmarkt ist der Dreimonatskontrakt. Unter normalen Bedingungen liegen die Preise des Dreimonatskontraktes über dem Preis des Kassamarktes, da beim Terminkontrakt noch zusätzliche Kosten wie Zinsen, Lagerhaltung und Versicherung dazukommen. In diesem Zustand wird der Markt als „im Contango befindlich“ bezeichnet.

Liegen die Kassapreise über denen des Termingeschäftes, so spricht man von einer Backwardation des Marktes. Diese Situation kann durch eine akute Knappheit ausgelöst werden, wenn erwartet wird, dass die Rohstoffe jetzt dringender benötigt werden als zu einem späteren Zeitpunkt. Genau in dieser Backwardation befinden sich derzeit die Märkte aller sechs LME-Industriemetalle.

Keine Anzeichen für eine Entspannung der Versorgungslage

Von Aluminium bis Zink steigen die Kassapreise gleichzeitig zum ersten Mal seit dem Jahr 2007 über die Terminpreise. Käufer zahlen eine Prämie für den Zugang zu den Metallen vor dem Hintergrund sinkender Lagerbestände, Verzögerungen in der Lieferkette, Produktionsproblemen und einer steigenden Nachfrage nach Industrierohstoffen in allen Bereichen.

Backwardation führte in der Vergangenheit meist dazu, dass überschüssiges Material an die Börse gelangte und sich die Angebotslage entspannte. Bisher sind die Anzeichen dafür allerdings noch nicht zu erkennen.

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